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Fotomontage
  • © Berlinische Galerie / VG Bild-Kunst, Bonn
    • Staatliche Kunstbibliothek

  • TitelFotomontageKatalog zur Ausstellung Fotomontage im Lichthof des ehemaligen Kunstgewerbemuseums, Prinz-Albrecht-Straße 7, 25. April bis 31. Mai 1931.
  • Datierung25.04.1931 - 31.05.1931
  • GattungDruckerzeugnis
  • SystematikAusstellungskatalog
  • MaterialPapier, gedruckt
  • BeschriftungZur Abbildung "liebe im busch" handschriftiche Anmerkung von Hannah Höch: "um 1920".
  • Umfang1
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC 256/79
  • Andere NummerBG-HHE II 31.39
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Zugehörige Objekte

Aufgeführt werden die Aussteller, darunter César Domela-Nieuwenhuis, Raoul Hausmann, John Heartfield, Hannah Höch, Laszlo Moholy-Nagy, Paul Schuitema, Kurt Schwitters, Jan Tschichold und Friedrich Vordemberge-Gildewart sowie der bund revolutionärer bildender künstler deutschlands (a. r. b. k. d.) und die Künstler einer eigenen Sowjetabteilung.
Enthalten ist die Schwarzweißabbildung Liebe im Busch von Hannah Höch [mit hs. Anmerkung von ihr: "um 1920"].

"vorwort
die fotomontage - bildmäßige komposition an fotografischen elementen und in den voraussetzungen der bildkunst wie der fotografie wurzelnd - wurde möglich in einer bestimmten situation, da die malerei dem gesetz der fläche eine neue bedeutung gab, und die fotografie sich ihres selbständigen daseinsrechtes bewußt wurde. im verfolg der vielfältigen bildexperimente, die unter dem namen «kubismus» zusammengefaßt werden, ist zuerst der versuch gemacht worden, flächenkompositionen durch einkleben von stücken verschiedenartigen papiers zu bereichern oder gänzlich durch solche zu gestalten. schon in diesem zusammenhang wurden gelegentlich auch fotografien oder teile von solchen verwendet. der weg war nicht weit zu den gänzlich aus fotografien zusammengesetzten klebebildern, die man «fotomontagen» nannte, um ihren maschinellen charakter zu betonen. der handwerker weicht dem montör. es ist ein spiel mit worten, da es sich auch hier letzten endes um eine gattung künstlerischer betätigung handelt, denn eine ausgesprochene phantasiebegabung und ein gefühl für die werte bildhafter komposition ist die voraussetzung für die erzeugung guter fotomontagen.
dem spiele der fantasie sind auf diesem neuen felde kaum noch grenzen gesetzt. denn wenn es eine grenze darin zu geben scheint, daß immer nur teile von abbildern realer dinge und wesen in neuen zusammenhang gebracht werden können, so ist gerade in diesem widerspiel des realen und des irrealen die möglichkeit einer niemals zuvor erschauten fantastik gegeben. unsere ausstellung zeigt beispiele solcher art freier gestaltung mit den gegebenen elementen fotografischer aufnahmen, die den umkreis der möglichkeiten erkennen lassen. von diesem freien spiel aber führte der weg sehr bald zu praktischer verwendung, fotomontage wurde ein teilgebiet gebrauchsgrafischer arbeit und ein wichtiges hilfsmittel neuzeitlicher werbung.
vom buchumschlag bis zum plakat, vom inserat bis zur werbebroschüre erobert die fotomontage große gebiete der reklame, die früher der zeichner beherrschte, und der dokumentarische charakter des verwendeten fotografienmaterials gibt diesem neuen mittel der werbung den anschein der zuverlässigkeit bildmäßiger reportage. neben der geschäftlichen hat sich die politische propaganda des neuen werbemittels bemächtigt, von dem vor allem die parteien der äußersten linken ausgiebigen gebrauch machen. es ist unnötig, zu sagen, daß solches propagandamaterial in dieser ausstellung lediglich wegen seiner formalen gestaltung erscheint, und daß damit ebensowenig für eine partei geworben wird wie mit geschäftsanzeigen für eine firma oder einen fabrikationszweig eingetreten werden soll.
wie unter den parteien bei uns die äußerste linke, so hat unter den ländern vor allem und fast ausschließlich das neue rußland von dem propagandamittel der fotomontage gebrauch gemacht. es ist interessant, festzustellen, daß im gegensatz in frankreich der begriff beinahe unbekannt und fotomontage auch in der geschäftsreklame nur ausnahmsweise verwendet wird. der versuch, die erzeugnisse fremder länder in die ausstellung einzubeziehen, fand natürliche grenzen in der verschiedenheit des ausbreitungsgebietes der fotomontage selbst.
von der eigentlichen fotomontage läßt sich die nur mit mitteln der typografie zur werbegrafik gestaltete fotografie nicht abtrennen. auch sie war in die ausstellung einzubeziehen. wird endlich versucht, das aneinanderkleben von ausschnitten durch übereinanderkopieren verschiedener negative und einkopieren von buchstabenzeichen nach art der fotogramme zu ersetzen, so gehört auch die jüngste und wohl auch zukunftsreichste form fotografischer werbegestaltung in den weiteren bezirk dessen, was unter fotomontage verstanden werden muß.
glaser."
"fotomontage von cesar domela-nieuwenhuis

«je l'ai déjà fait» - «ça a déjà été
fait», phrases stupides; leit motiv du
monde artiste depuis 1912.
cocteau, opium.

• bemerkung
die fotomontage ist nicht, wie so oft behauptet wird, erfunden, sondern entstanden aus einem bedürfnis der zeit, die neue ausdrucksmöglichkeiten und materialzusammenstellungen brauchte. aus diesem grunde kann keiner das monopol für sich beanspruchen, der erfinder der fotomontage gewesen zu sein. der streit darum ist unwesentlich, aber wichtig ist es, das gute künstler fotomontagen entwerfen. kubisten und dadaisten leisteten dafür wertvolle vorarbeit. auch die amerikanische reklame gab anregungen, trotzdem sie die fotomontage in der jetzigen form kaum oder gar nicht verwendet. grundsätzlich falsch ist es, sie als moderichtung aufzufassen; die arbeiten, die dieser einstellung entspringen, sind dementsprechend. seit dada kann man von bewußten montagen sprechen. danach behauptete die fotomontage sich nicht nur, sondern wurde allgemeingut. die ausstellung bemüht sich international, die qualitativ guten leistungen zu zeigen. das ergebnis scheint mir, daß die fotomontage nicht, wie oft gesagt wird, überholt ist, sondern eher im ersten stadium des aufbaus, nachdem sie vorher destruktiv gewirkt hat. heute lassen sich am stärksten zwei einflüsse feststellen: die der konstruktivisten und die der surréalisten.

• definition
fotomontage ist die künstlerische verarbeitung von einer oder mehreren fotografien in einer bildfläche (mit typografie oder farbe) zur einheitlichen komposition. es gehört ein bestimmtes können dazu, ein wissen um die struktur der fotografie (graustrukturen), um die einteilung der fläche, um den aufbau der komposition*. wir leben in einer zeit von größter präzision und maximalen kontrasten und finden in der fotomontage einen ausdruck dafür. sie zeigt eine idee, die fotografie einen gegenstand. es bestehen gewisse analogien zwischen fotomontage und film mit dem unterschied, daß der film in laufender reihenfolge zeigt, was die fotomontage flächenhaft zusammenfaßt. sie findet ihre wichtigste verwendungsmöglichkeit in der reklame, sowohl in der privaten wie in der politischen.

* eine gute fotomontage erfordert nicht unbedingt eigene oder besonders künstlerische aufnahmen."