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Adolf Behne: Kunst in Berlin : Fotomontage und Große Berliner. Die Welt am Abend. Berlin
    • Adolf Behne (1885 - 1948)

  • TitelAdolf Behne: Kunst in Berlin : Fotomontage und Große Berliner. Die Welt am Abend. BerlinZeitungsausschnitt mit Hervorhebungen von Hannah Höch
  • Datierung18.05.1931
  • GattungDruckerzeugnis
  • SystematikZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • Umfang1
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • Andere NummerBG-HHE II 31.42
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Zugehörige Objekte

"Kunst in Berlin
Fotomontage und Große Berliner
Vor dem Schloß Bellevue steht aufgepflanzt die Standarte der Kunst bzw. der Großen Berliner Kunstausstellung 1931: 500 Bilder und Plastiken sind in den Sälen ausgestellt.
Aber vor dem Schloß Bellevue steht auch eine Kanone, und die ist genau auf die rotweiße Standarte der Kunst gerichtet: 500 Bilder und Plastiken sind hier ausgestellt, aber das Haus mit der Kanone macht sie alle kaputt. Sicher ist es um die meisten Bilder nicht weiter schade, aber auch die paar guten werden glatt erschossen. Ich habe manches der Bilder vorher im Atelier gesehen - und hier kaum wiedererkannt. Für eine pflichtgemäße kritische Würdigung sind in diesem Hause nicht die Voraussetzungen gegeben. Wenn es in Hamburg möglich ist, ein gutes Ausstellungshaus (von Karl Schneider) zu bauen, wieso ist es dann in Berlin unmöglich? Es muß durchaus kein Palazzo sein, braucht durchaus nicht am Kurfürstendamm zu stehen, aber etwas Raum und Licht sollte es schon haben.
Die Künstler hatten im Mittelalter den Rittern das Wappen auf die Schilde zu malen, daher führt ihre Zunft bis heute die drei roten Schilde auf weißem Grund im eigenen Wappen. Die Kanone von Bellevue schießt die drei roten Schilde um. Sie repräsentiert die neuere Zeit: die Erfindung des Schießpulvers machte die Ritterschilde sinnlos. Aber wollen wir ein Symbol für die neueste Zeit, dann ersetzen wir die schwere eiserne Kanone durch einen kleinen leichten Kasten: die Kamera. Denn sie ist es, die seit einiger Zeit ein wahres Trommelfeuer auf das «Bild» eröffnet hat, besonders seit die Dadaisten durch Erfindung der Montage das starre Lichtbild beweglich und denkend machten.
Aber ... ist nicht das Wappen der alten Ritterschilde der eigentliche Urahn dieser neuen Kunstform? Natürlich, dort liegen die formalen Anfänge der Montage, in jenen heraldischen Aufteilungen der Fläche, in der Kombination von halben Adlern, von Roßschweifen, doppelten Köpfen mit Fabelwesen, mit Mauerzinnen und Toren, mit Sternen, Sonnen und Kometen. Sauerlandt-Hamburg hat vor kurzem die Ahnen der Fotomontage in seinem Museum zusammengestellt, und Domela-Nieuwenhuis hat einen Teil dieses Materials in seine ausgezeichnete Fotomontagen-Ausstellung (Prinz-Albrecht-Str. 7) übernommen, darunter amüsante und köstliche Stücke des 18. Jahrhunderts, die die Klebebilder eines Picasso und Schwitters vorwegnehmen. Aber bis zu den feudalen Urahnen gingen beide nicht zurück. Uebrigens hat auch das Rokoko eine ausgesprochene Freude an «dadaistischen» Material-Montagen gehabt. Die Ausstellung bringt glänzende Beispiele von Raoul Hausmann, Hannah Höch, Herbert Bayer, Buchumschläge des Malik-Verlages von John Hartfield und eigene Kojen der ARBKD. und der Russen (Lissitzky, Rodzenko).
Adolf Behne."