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Die Eroberung des Augenblicks. Internationale Ausstellung "Film und Photo" in Stuttgart.
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Unbekannt (gez. F. M.)

  • TitleDie Eroberung des Augenblicks. Internationale Ausstellung "Film und Photo" in Stuttgart.Rezension der Film und Foto-Ausstellung des Deutschen Werkbunds. [o.O. ]
  • Date01.06.1929
  • CategoryDruckerzeugnis
  • ClassificationZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Other NumberBG-HHE II 29.32
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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"Filmatelier
Die Eroberung des Augenblicks
Internationale Ausstellung «Film und Photo» in Stuttgart
Stuttgart, Ende Mai
Mit Schnelligkeit und Stoßkraft hat sich die Photographie des ruhenden wie des bewegten Bildes seit Kriegsende in den Vordergrund der künstlerischen Gestaltungsmittel gedrängt. Die Photographie wirft sich, frei von jedem Ressentiment, dem Leben entgegen, ist eine neue Möglichkeit objektiver, allgemeingültiger Gestaltung: Nur Auge, das sieht. Auge, das weniger die Seele des Schaffenden als die Seele der Dinge sucht.
In einem der Pankokschen Ausstellungssäle in Stuttgart steht in großen schwarzen Lettern der Satz eines Mannes an der Wand, der auch mit leidenschaftlicher Inbrunst die Wirklichkeit, die Wesenheit der Dinge suchte, der Satz des Malers Vincent van Gogh: «Ein Gefühl für die Dinge als solche ist viel wichtiger als ein Sinn für das Malerische.» Dieses Gefühl für die Dinge ist das Merkmal des Kunstphotographen. Es ist das, was der Photographie das Recht gibt, sich Kunst zu nennen, Ausdrucksmittel zu sein für ursprüngliche schöpferische Begabung.
Van Goghs Satz könnte in seinem handwerklichen Sinn als Motto über der ganzen Ausstellung stehen. Auf Anregung des Geschäftsführers der Württ. Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Werkbundes, Gustav Stotz, entstanden als erste internationale zusammenfassende Schau dieses Arbeitsgebietes, bringt sie einen ganz bestimmten Gestaltungswillen zum Ausdruck. Dieser Wille richtet sich gegen das Malerische in der Photographie, gegen die Absicht, mit einem Werkzeug Wirkungen zu erzielen, die seinem Wesen fremd sind, ja ihm sogar zuwiderlaufen. Es ist derselbe Gedanke, der auch die Arbeiten des Dessauer Bauhauses leitet, eine unbedingte Aufrichtigkeit der Gestaltung: Material, Werkzeug, Zweck schaffen sich die Form.
Die Ausstellung wendet sich daher entschieden gegen jene Art von Photographie, die durch absichtlich unscharfe Einstellung und durch nachträgliche Ueberarbeitung weiche, verschwimmende Konturen anstrebt und so ihren Kunstwillen auf das abseitige Gebiet der Malerei verlegt.
[...] Der Unterschied in der Qualität, in dem Wert der einzelnen [Aufnahmen] ist gering. Der Apparat arbeitet immer gleich gut, und alle Aussteller zeigen in ihren Einstellungen, in der Komposition der Licht- und Schattenwerte und in der Wahl des Bildausschnittes, daß sie mit ihm umzugehen wissen. Durch eigene Art bemerkenswert sind die Holländerin Hanna Höch mit ihren geistreichen satirischen Fotomontagen. Prof. Moholy-Nagy, Berlin, der auch die historische Entwicklung der Photographie in einem Raum darstellte, und der in Paris lebende Amerikaner Man Ray zeigt in Photogrammen reizvolle abstrakte Kompositionen [...]"