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Kunstzaal "De Bron": Hannah Höch. Het Algemeen Handelsblad. [o. O., Juni 1929.]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Algemeen Handelsblad

  • TitleKunstzaal "De Bron": Hannah Höch. Het Algemeen Handelsblad. [o. O., Juni 1929.]Rezension der Ausstellung von Hannah Höch in der Galerie De Bron, Den Haag, 11. Mai - 7. Juni 1929. Anbei: Belegzettel des Ausschnittbüros "Vaz Dias [...]".
  • Date06.1929
  • CategoryDruckerzeugnis
  • ClassificationZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Other NumberBG-HHE II 29.48
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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Übersetzung aus dem Holländischen:
"Galerie «De Bron»: Hannah Höch.
Einer der Begriffe, den man für eine alltagsphilosophische Reflexion außerordentlich geschickt zu finden scheint, ist der der Freiheit. Zahllose Samstagabendbetrachtungen, Stammtischgespräche und Lebensweisheiten auf Kalenderblättern sind im Laufe der Jahre der Freiheit «geweiht» worden. Was wir vor allem daraus lernen können ist, daß der Begriff Freiheit nicht einfach zu definieren ist.
Vorsichtshalber wagen sich die meisten Hausgebrauch-Philosophen denn auch nicht an diesen Begriff heran. Achten Sie einmal darauf: Anstatt genau zu bestimmen, was Freiheit - absolut oder verhältnismäßig - ist, tischen sie uns gewöhnlich Überlegungen darüber auf, was sie nicht ist, oder vorzugsweise, wie sie nicht sein darf. Und eine besonders beliebte Stellungnahme scheint dann zu sein, daß Freiheit nicht in Ungezügeltheit «ausarten» darf.
Auch in der Kunstbetrachtung bringt man dies immer wieder vor. Die meisten bildenden Künstler, die meinen, sie dürften (oder müßten) mit den bestehenden, ihrer Meinung nach veralteten Kunstkonventionen brechen, bezichtigt man der Ungezügeltheit, wenn nicht gar der Zügellosigkeit. Die Gemälde und Aquarelle, die Hannah Höch jetzt in der Galerie «De Bron» ausstellt, konnten zu dieser Beschuldigung jedoch sicherlich keinen Anlaß liefern. Selbst wer ihnen keinen weiteren Wert zuerkennen mag, wird nicht leugnen können, daß sie ganz offensichtlich mit großer Sorgfalt ... zusammengestellt sind. Sogar in solchem Maße, daß jede Komposition an Spielkarten denken läßt, eine Bemerkung, die übrigens keinesfalls darauf zielt, Geringschätzung zum Ausdruck zu bringen. Der Freiheitsdrang, der freilich auch Hannah Höch nicht fremd ist - «ich möchte die festen Grenzen auswischen, die wir Menschen mit einer eigensinnigen Sicherheit um alles, was in unsereren Bereich kam, gezogen haben, (und) ich male, um diesem Wunsch Form zu geben und um ihn anschaulich zu machen», merkte sie zu ihren Werken in einer [bemerkenswerten] Verbindung von Dativ und Akkusativ an, [eine grammatikalische Konstruktion,] die auf ihre [Hannah Höchs] Verantwortung stehen bleiben mag, - diese Freiheitssucht hat weniger Zuchtlosigkeit als vielmehr sichere, straffe Vorsätzlichkeit zur Folge gehabt.
Es ist natürlich absolut nichts dagegen einzuwenden, daß ein Maler mehr oder minder bewußte Anspielungen, bruchstückhafte, sei es positive oder negative Erinnerungen, deutliche oder undeutliche Eindrücke usw. in einer Komposition vereinigt. Über die Auffassung, daß ein Gemälde etwas zeigen muß, dessen unmittelbares Ebenbild wir in der visuellen Wirklichkeit ausfindig machen können, sind wir doch nun wirklich hinweg. Aber wenn verstandesmäßige Elemente sich dermaßen in den Vordergrund drängen, daß die Komposition eher einer Erfindung als einer verbildlichenden Schöpfung gleicht, und das ist bei mehr als einem Werk von Hannah Höch der Fall, dann fragt man sich, inwiefern solche Malereien noch zur Kunst gerechnet werden können.
«Natürlich darf das ästhetische Element nicht um der Idee, der Phantasie oder des Gegenstandes willen vernachlässigt werden», lesen wir noch in ihren Erläuterungen. Davon scheint sie also überzeugt zu sein. Merkwürdig ist aber gerade, daß das ästhetische Element in einigen ihrer Gemälde oder Aquarelle durch oder gerade wegen einem der drei Dinge unterdrückt oder vertrieben zu sein scheint. Was zu bedauern ist; doch muß man Qualitäten wie Geist und Vorstellungsgabe, starkes Ausdrucksvermögen, Farbgefühl und ein Bewußtsein für Farbwerte als künstlerisches Mittel, die sicher nicht von geringer Bedeutung sind, im Werk von Hannah Höch anerkennen.
P. K. - N."