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Hannah Höch. Algemeen Handelsblad - Avondblad - Derde Blad, [o. O.]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Algemeen Handelsblad

  • TitelHannah Höch. Algemeen Handelsblad - Avondblad - Derde Blad, [o. O.]S. 9, Rezension der Ausstellung von Hannah Höch in den Kunstzaal Van Lier, Amsterdam, 28. September - 18. Oktober 1929
  • Datierung02.10.1929
  • GattungDruckerzeugnis
  • SystematikZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • Umfang1
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • Andere NummerBG-HHE II 29.53
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Zugehörige Objekte

Übersetzung aus dem Holländischen:

"Hannah Höch
Kunsthaus Van Lier
«Die Mücke ist tot» nennt Hannah Höch das unten abgebildete Gemälde - eines der vielen, die zur Zeit das Kunsthaus des Herrn van Lier füllen. Wesentlich größer als lebensgroß, mit ausgestreckten Flügeln und Beinen, liegt dort das jämmerlich gemeuchelte Tier klar und deutlich auf einem gelben Tisch, so daß jeder es sehen und feststellen kann: «Die Mücke ist tot».
Die Kunst von Hannah Höch muß eine Art moralisierende Kunst sein und ist wirklich nicht so einfach gemacht, wie der Betrachter vielleicht denken mag und wie der van Liersche Schuhmacher van «Pallieter» dachte: «Zum Lachen für mich».
Im Gegenteil: Hannah Höch ist höchst ernsthaft und ganz bestimmt nicht auf Lacher aus [wörtlich: lachkrank gestimmt]. Sie sieht die weltlichen Dinge bitter und düster, und ihr Humor ist bestimmt nicht von der sanftmütigen Sorte und sicher nicht frei vom herben Hohn der Desillusionierten.
Sie betrachtet die Dinge ungefähr in diesem Stil: Die Mücke ist nicht mehr als der Mensch. Der Mensch auf ihrem Stilleben ist, so steht zu vermuten, die unscheinbare Gliederpuppe, die auf dem Würfel tanzt. Möglicherweise war sie es, deren blinde Selbstsucht die Mücke in so einen bedauernswerten Zustand gebracht hat. Der Mensch tanzt, das Bäumchen blüht mit seinen steifen grünen Blättern, die Mücke, tot und zerschlagen, beherrscht die Situation, die noch durch das herbe konventionelle Vergänglichkeitssymbol, das Stundenglas, verdeutlicht wird. Eine Sanduhr auf Rollen, soweit man sieht. Diese Kunst ist ein Spiel, das eigentlich gar nicht Kunst heißen dürfte, da keiner der scharfen und scharfsinnigen Gedanken in Schönheit aufgelöst wird. Man zweifelt, das Werk betrachtend, dennoch nicht an der Fähigkeit der Zeichnerin. Man könnte bedauern, daß sie keinen besseren Gebrauch davon macht.
Das hier abgebildete Stilleben ist in Wirklichkeit nicht so schön. Es gewinnt durch die schwarz-weiß Reproduktion. Höchs Farben sind manchmal gruselig, manchmal hart und grell: blau, orange, grün, ein giftiges gelb. Ihre meisten Malereien, Kompositionen, sehen aus wie der wildgewordene Inhalt einer altmodischen Spielzeugkiste. Es gibt auch ein Bild, das «Journalisten» heißt, ein sarkastisches, schrilles Stück, in dem der verstorbene Erich Wichmann sein Plätzchen gefunden hätte.
In friedvollen Momenten macht Hannah Höch die witzig-spielerischen [wörtlich: possenhaften] Klebearbeiten, die hier vorliegen. Fragmente aus Farbphotos, ausgeschnitten und zusammengeklebt zu einer Art groteskem Spielkartenbildchen.
Man darf die Ausstellung nicht verlassen, ohne die Tuschzeichnungen, die der Herr van Lier auf einer antiken Kiste ausgelegt hat, gesehen zu haben: kleine Blätter, scharf, subtil in der Farbe, wo allerlei Lustiges mit Tieren auf dem Lande passiert, oder wo ein Zirkus voller Menschen Vergnügen an einer feinen Posse hat.
Phantasie, spielerischer Spott und geistvolle Farbkombinationen geben diesem Werk einen persönlichen Charme und qualifizieren [wörtlich: stempeln] Hannah Höch zu einem zeichnerischen [wörtlich: illustrativen] Talent von Bedeutung.
M. V."