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Kunstzaal Hannah Höch
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Unbekannte Quelle

  • TitleKunstzaal Hannah HöchRezension der Ausstellung von Hannah Höch im Kunstzaal Van Lier, Amsterdam, 28. September - 18. Oktober 1929. [unvollständig]
  • Dateundatiert
  • CategoryDruckerzeugnis
  • ClassificationZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • Amount1
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Other NumberBG-HHE II 29.54
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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Übersetzung aus dem Holländischen:

"Kunstzaal Van Lier
Hannah Höch
Man schreibt uns aus Amsterdam.
Wir gewöhnen uns langsam daran, daß wir die Äußerungen der Malerei nicht mehr unter malerischen Aspekten betrachten müssen, daß innere geistige Werte höher geachtet werden als äußerliche visuelle Qualitäten eines Gemäldes. Vor nicht allzu langer Zeit stellte auch Just Havelaar die Vertreter der Haager Schule Jaap Maris, Mauve, Gabriel van Gogh, Toorop, Der Kinderen, Thorn Prikker, Mendes da Costa, Jan Veh und Roland Holst gegenüber, von denen die letzteren seine große Zuneigung hatten, weil sie stärker das kulturelle Band zwischen der Kunst und dem Leben hergestellt haben. Toorop bleibt ihm deshalb eine größere Figur als Verster, wobei letzterer zweifelsohne ein großer Künstler gewesen ist.
Ob es gerecht ist, diese beiden engelsgleichen Größen miteinander zu vergleichen, ist vielleicht anzufechten. Aber die Schlußfolgerung, die mancher nicht bildnerisch fühlende oder unbegabte Künstler selbstverständlich daraus zieht, ist, daß der geistige Inhalt eines Gemäldes tatsächlich die essentiellen Werte bestimmt, und daß die Weise, wie man diesem Inhalt Form gibt, mehr dem Bereich des Handwerks zuzurechnen ist. Damit gerät man jedoch auf ein gefährliches Terrain, wobei die große Möglichkeit besteht, daß die weiter oben geäußerten Gedanken ihre Bedeutung [wörtl.: Wortführerschaft/Bestimmungsrecht] verlieren.
Ich mußte daran beim Betrachten der künstlerischen Äußerungen von Hannah Höch im Kunsthaus Van Lier denken.
Um uns einigermaßen zu orientieren, ist es wünschenswert, sich eben zu vergegenwärtigen, was sie selbst über die Sehweise und Betrachtungsweise ihres Werkes sagt. Ich möchte, sagte sie, die festen Grenzen auswischen, die wir Menschen mit einer eigensinnigen Sicherheit um alles, was in unseren Bereich kam, gezogen haben. Ich male, um diesem Wunsch Form zu geben und um ihn anschaulich zu machen. Ich will aufzeigen, daß klein auch groß sein kann und groß auch klein ist; nur der Standpunkt, von dem wir bei unserem Urteil ausgehen, wird anders gewählt, und sofort verliert jeder Begriff seine Gültigkeit und all unsere menschlichen Gesetze verlieren ihre Gültigkeit. Ich würde heute die Welt aus der Sicht einer Ameise und morgen so, wie der Mond sie vielleicht sieht, wiedergeben.
Natürlich darf das ästhetische Element in einem Kunstwerk nicht um der Idee, der Phantasie oder des Gegenstandes willen vernachlässigt werden. Es geht immer darum, das organische, selbständige Leben eines Werkes zu schaffen, Form und Farben zur Harmonie zu bringen. Je mehr Lebendigkeit, je stärkere Intuition und tiefere Einfühlung dem Kunstwerk zu Grunde liegen, desto stärker wird es zu uns sprechen, unabhängig davon, zu welcher Zeit oder zu welchem «ismus» es gehört.
Wir müssen uns ohne Voreingenommenheit dem Kunstwerk gegenüber¬stellen, d. h. ein zu bequemes, nämlich ohne eigenes Nachdenken übernommenes Verhalten gegenüber Kunst im Allgemeinen, gründlich revidieren (da sonst jedes Vorstellungsvermögen untergraben wird), auf daß Platz geschaffen wird für dasjenige, was die Künstler unserer Zeit wollen, für die KUNST UNSERER ZEIT.
Die «Malereien» von Hannah Höch müssen wir auch mehr als in Bilder gebrachte Gedanken denn als Bilder betrachten, wobei das, was ihr am bedeutendsten erscheint, die größte Form bekommt, um die die Nebengedanken gruppiert werden. So sehen wir eine Abbildung von einer Braut mit einem großen Kinderkopf neben einem Bräutigam in einem Konfektionsanzug, und alle Möglichkeiten, an die diese unschuldige Braut nicht gedacht hat, schweben in Kreisen um sie herum. Ansonsten ist die Braut nicht mehr als ein Brautkleid auf einem Kleiderständer, mit dem der Konfektionsherr in den Ehestand tritt, derweil die Erinnerungsbildchen von Kirche, Rathaus, Ofen und Kaffeemühle die zukünftige Atmosphäre andeuten.
Wenn es auch hier noch sehr deutlich ist, so entgeht uns bei anderen Darstellungen doch gelegentlich die Bedeutung der Accessoires, auf denen sie [die Darstellungen] aufgebaut sind. Meistenteils sind die Menschen, Tiere und Pflanzen auf den Gemälden von Hannah Höch eine Art mechanische Spielzeugfiguren, die sie in Kompositionen mit tiefsinnigen Titeln zusammenstellt. So zeigt «Der Zaun» einen blauen Adam und eine gelbe Eva, die in einem sehr sonderbaren und leeren Paradies, das von einem weißen Zaun begrenzt wird, nebeneinander sitzen. Ein anderes Bild heißt «Die Ameise [Die Mücke] ist tot». In der Tat sehen wir dort eine Art Insekt, doch eine Sanduhr auf Rädern, ein fremdartiges mechanisches Männchen und eine Kinderspielzeugpflanze, die wahrscheinlich auf das Leben und"
[Spalte zu Ende. Nächste Spalte offensichtlich andere Ausstellung.]