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Kunstzaal d'Audretsch. Hannah Höch. [Nieuwe Rotterdamsche Courant, Rotterdam
    • Nieuwe Rotterdamse courant

  • TitelKunstzaal d'Audretsch. Hannah Höch. [Nieuwe Rotterdamsche Courant, RotterdamRezension zur Ausstellung Hannah Höchs in der Galerie d'Audretsch, Den Haag, Mai bis 12. Juni 1934.
  • Datierung05./06.1935
  • GattungDruckerzeugnis
  • SystematikZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • BeschriftungHandschriftliche Anmerkung von Hannah Höch: "Nieuwe Rotterdam[sche Courant]"
  • Umfang1
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • Andere NummerBG-HHE II 34.39
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Zugehörige Objekte

Übersetzung aus dem Holländischen:

"Kunsthaus d'Audretsch
Hannah Höch
Man schreibt uns aus 's-Gravenhage:
Vor einem Jahr oder vor fünf Jahren hat das Werk von Hannah Höch, der Herkunft nach Österreicherin und zur Zeit hier noch völlig unbekannt, einiges Interesse geweckt. Sie stellte nacheinander in der damaligen Galerie De Bron in Den Haag, im Rotterdamer Kreis und im Kunsthaus Van Lier in Amsterdam aus. Eigenartige Werke, die man vielleicht nicht «schön» fand, dann aber doch als interessant bezeichnete. Wenngleich es störte, daß die phantastischen Darstellungen, die es zu sehen gab, manchmal eher Erfindungen als verbildlichende Schöpfungen zu sein schienen.
Für die Ausstellung in Den Haag war der Katalolg denn auch mit einer ziemlich stattlichen einleitenden Erklärung versehen. «Ich will die Grenzen auswischen, die wir Menschen mit eigensinniger Sicherheit um alles, was in unseren Bereich kam, gezogen haben», so fing sie an. Schlimmer schien die Hochtrabenheit der Titel: «Frau unter Saturn» [Frau und Saturn], «Vita immortalis», «Vom Menschen aus ...» hießen Gemälde. Das Schlimmste war, daß in vielen Werken, sei es in Ölgemälden, Aquarellen, Zeichnungen oder Mosaiken aus farbigem Papier (Klebearbeiten), die überzeugende, noble Einfachheit fehlte, die man so gern als ein besonderes Element der Kunst ansieht.
Und heute? Von den größtenteils kleinen Arbeiten, die im Kunsthaus d'Audretsch zu finden sind, haben die meisten nicht einmal einen Namen. Nur wenn er sich gleichsam aufdrängt, wie es bei «Giftgrün» und «Verstanden» der Fall gewesen sein mag, oder wenn er durch die Darstellung deutlich gemacht wird, wie bei «Der tote Vogel» oder «Baskische Tänzerin», hat die Künstlerin einen solchen darunter gesetzt.
Auch Bekenntnisse wie die frühere Anfangserklärung sind jetzt unterblieben. Bedeutet diese Schlichtheit, daß Hannah Höch die Eitelkeit solcher Kunstglaubensbekenntnisse und «erläuternden» Titel eingesehen hat? Daß sie einfacher und bescheidener geworden ist, beweist jetzt auch ihr Werk.
Von Vorsätzlichkeit, von Aufdringlichkeit einer Empfindung oder einer Erwägung, von einem Urteil, früher oft störend, ist heute nichts mehr zu merken. Das frühere Werk ließ manchmal vermuten, daß Hannah Höch ihre Mitmenschen bissig und höhnisch verspotten wollte; man war selten sicher davor, denn die bildende Kraft schien nur in Ausnahmefällen proportional zur Intention zu sein. Im späteren [Werk] jedoch steckt ein Wille. Es kann somit zur Einheit gebracht werden und, sofern noch Absicht und Bedeutung anwesend sind (woran man nur schwerlich zweifeln kann), dann läßt es bestimmt nicht mehr an Vorsätzlichkeit denken.
Dies läßt sich auf zwei Arten verdeutlichen. Zunächst, indem man feststellt [wörtl.: annimmt], daß Hannah Höch in ihren Realisationen sicherer geworden ist und diese wiederum selbst zielsicherer geworden sind, so daß sie jetzt keinen Grund mehr hat, sich zu zwingen, was früher schnell der Fall war. An einer direkten, objektiven Erschaffung von materiellen Befindlichkeiten ist ihr nun auch nicht mehr gelegen. Sie kümmert sich wenig oder gar nicht um die visuelle Erscheinung von Menschen oder Dingen und transformiert oder vernachlässigt diese je nach Belieben. Wenn sie Formen und Proportionen ändert, hat das jetzt einen deutlichen Sinn, wo sie etwas wegläßt, ist es verantwortet. Verantwortungsbewußt scheint auch ihr Umgang mit der Farbe, sowohl psychologisch als auch koloristisch. Aber vielleicht tut man besser daran zu sagen, daß die Farbe gar keine Verantwortung nötig hat, da sie nicht das Ergebnis einer Erwägung oder Überlegung, sondern das der Eingabe zu sein scheint.
Auch wenn die Vergegenständlichung von Bedeutung Hannah Höch nun einfacher und natürlicher von der Hand geht, so scheint die Intention doch weniger heftig, weniger leuchtend als früher. Ihr bitterer Widersinn und die grimmige Düsternis von ehedem scheinen einer resignierten Wehmut gewichen zu sein, die nicht urteilt, sondern zu erklären sucht, und nur noch hier und da in einem doch nicht so friedfertigen Spott auflebt. Zumindest ebenso interessant wie die frühere Ausstellung, wenngleich jene eine größere Bandbreite an Werken bot, gibt diese Ausstellung dem Besucher einen tieferen Eindruck als das bloße Interesse-Wecken."