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Plastische Kunsten. Mevrouw Hannah Höch. Nieuwe Rotterdamsche Courant - Avondblad. Rotterdam, Zeitungsseite. 1 Blatt, S. 2.
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Nieuwe Rotterdamse courant

  • TitlePlastische Kunsten. Mevrouw Hannah Höch. Nieuwe Rotterdamsche Courant - Avondblad. Rotterdam,
    Zeitungsseite. 1 Blatt, S. 2.
    Rezension der Ausstellung von Hannah Höch in Rotterdamsche Kring, Rotterdam, 7. - 25. September 1929.
  • Date17.09.1929
  • CategoryDruckerzeugnis
  • ClassificationZeitungsseite
  • MaterialPapier, gedruckt
  • Amount1
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Other NumberBG-HHE II 29.50
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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Übersetzung aus dem Holländischen:
"Bildende Kunst
Hannah Höch
Die österreichische Malerin Hannah Höch zeigt in einer Ausstellung im Rotterdamer Kreis ihre Gemälde, Zeichnungen und «Photomontagen».
Die Ölgemäde sind hart, scharf und klar in der Faktur, intellektuell in der Konzeption, ohne Atmosphäre oder Stimmung, sie haben nichts Artistisches. So sind sie zweifellos auch gemeint. Ihre Plastizität ist kantig wie ein Holzschnitt. Das Kolorit ist häufig recht hübsch; reine, prismatische Farben überwiegen, Schatten und Hintergründe sind gelegentlich schwarz. Die Arbeiten sind von einem auffälligen Gleichgewicht, die Darstellungen zeichnen sich durch eine ironische, satirische oder symbolische Tendenz aus. Phantasie ist neben der sicheren Hand für die Zeichnung die vornehmste Gabe der Künstlerin. Doch ist es nicht die intuitive Phantasie, die neue Wahrheiten findet, sondern es ist die mechanische Phantasie, die durch einfache Handgriffe überraschende Resultate erzielt; so zum Beispiel durch das Nebeneinander zweier völlig heterogener Dinge wie einem Teufelchen und einer Bessemer «Birne» oder durch das Erfinden von Pflanzen, die in ihrer Morphologie an Maschinenteile erinnern.
Letzteres sieht man beispielsweise auf dem Gemälde, das mit «Gewächse» (11) betitelt ist, und das nach dem Lesen von Wells Beschreibung der Marsbewohner entstanden sein könnte. Da gibt es Pflanzen mit Stengeln wie Glasröhren und Blumen wie elektrische Lämpchen. In dem Wirrwarr von Blättern und Stämmen erkennen wir Glasscheiben und Muttern, Schalter und Kräne, Kristalle und was nicht alles mehr. «Frau unter Saturn geboren» [Frau und Saturn] (12), ausgeführt in rot und gelb, wird für Astrologen besser zu verstehen sein als für die Masse. «Die Mücke ist tot» (13) ist satirisch gemeint. Die Mücke liegt neben einem abgelaufenen Stundenglas auf dem Rücken. Ein kleines Kerlchen, ein mechanisches Spielzeug, verkündet das Neueste durch ein Megaphon. Zumindest scheint es uns so. Und vielleicht sollen wir uns eine Moral dazu denken: Vom Tod der Menschheit, die um nichts bedeutsamer ist als eine Mücke, wird soviel Aufsehen gemacht. «Die imaginäre Brücke» (14) stellt einen Männer- und einen Frauenkopf dar, sehr dunkel und metallartig. Die Frau trägt ein rosa Baby auf den Lippen. Erzählt sie ihrem Mann, daß ein Stammhalter ihre Beziehung festigen wird? Diejenigen, die gerne Rätsel raten, können hier ihre Fähigkeiten auf die Probe stellen. Es gibt noch mehr von dieser billigen Symbolik. Auch gibt es noch ein Dada-Gemälde und eine «abstrakte» Landschaft.
«Die Braut» (20) bildet einen Übergang zur Photomontage, da diese Darstellung offensichtlich nach einem Photo gemalt wurde. Der Bräutigam ist klein und ganz in grau gehalten, die Braut hat einen enorm großen, farbig gestalteten Kopf eines unschuldigen, nicht sehr intelligenten jungen Mädchens. Ihre Träume und die sie erwartende Wirklichkeit sind in geflügelten Emblemen um sie herum angebracht. Die Karikaturen der Journalisten scheinen einem Handbuch der allgemeinen Pathologie entlehnt.
Die Photomontagen sind letztlich nicht viel mehr als die Trick-Photos unserer Jahrmärkte, auf denen ehrbare Familienmitglieder mit dem Körper einer schlanken Schwimmerin oder eines Clowns abgelichtet sind. Man kann eben auch das Photo eines Kopfes in zwei Hälften schneiden, um es dann mit einem anderen Gesicht dazwischen wieder aufzukleben.
Als geistreiche «Spielereien» sind diese Photoschneidereien zu würdigen, aber - es sei denn, man wolle dem Sprachgebrauch Gewalt antun - mit Kunst haben sie nichts zu tun."