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Brief von Hannah Höch an die B.Z. am Mittag. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Hannah Höch (1889 - 1978)

  • TitleBrief von Hannah Höch an die B.Z. am Mittag. Berlin
  • Date31.07.1918
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben
  • Amount1
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 4019/79
  • Other NumberBG-HHE I 10.81
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description

„Auch ein Wort zu:
»Die Dadaisten fordern die Nobelpreise«[1]
Ganz leise und ganz zart möchte doch einmal einer an ein Gewissen appellieren, das doch jeder zu besitzen glaubt und mit welchem Einer hingeht und seine Späße mit diesen Sätzen des Herren Baader treibt. Ich kenne dieses letzte Manifest nicht, mir ist aber an allen bisherigen Äußerungen dieser Dadaisten evident geworden, daß hier Menschen zu Worte kommen wollen, die »an Händen und Herzen blutend in dieser Zeit stehen«. Also schließt dies schon allein die Lächerlichkeit aus.
Lese man doch diese Sätze des Herren Baader einmal wie ein ernsthafter Mensch; man braucht gar kein moderner zu sein. Und alle die »lieben« Mitmenschen, denen nicht möglich sein sollte auch auf der Stelle einmal furchtbar ernsthaft zu sein, die sollten mit dem Lesen dieser Worte warten bis sie einmal eine grauenvolle Stunde hinter sich haben oder ihnen eine schwerste Stunde bevorsteht - dann sind sie vielleicht reif, dieses letzte »Evangelium« zu lesen.
Ich sehe, diese Dadaisten sind Menschen; und zwar Menschen, die noch Zeit finden »jeden Tag einmal die Hände zu falten«; durch ihre, vielleicht feilsche Propaganda, die aber vom gleichgiltigen Stampfen der Menschheit in der großen Dreckmühle unserer Zeit bedingt ist, den Grund.
Jeden Tag einmal die Hände falten? Um Gottes willen, dazu sollen wir auch noch Zeit haben?
Kein Dadaist.
H. Höch an die B.Z. am Mittag.
31.VII.18“.

[1] Artikel in der B.Z. am Mittag vom 30. Juli 1918 (vgl. Nr. 10.80).