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Brief von Raoul Hausmann an Elfriede Hausmann. [Berlin]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Elfriede Hausmann. [Berlin]
  • Date06.08.1916
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, Tinte
  • Amount1 Blatt, 1 Umschlag
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 35
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

»6. August 1916
Liebe siehst Du, ich habe jahrelang nicht begriffen, welcher Art mein Leben sein musste - ich hatte immer Angst - und nun kommt alles auf einmal - aber wohl doch noch, bevor es zu spät ist. Was einer nicht selbst tut, kann kein andrer für ihn tun; es lag alles an mir. Aber hilf mir mit Liebe und Geduld, wie bisher. Über mich hinaus bist und bleibst Du mir Zuflucht und Sicherheit. Ich muss noch so viel lernen. Ich glaube auch, dass ich darum Soldat werden soll, dass ich lerne. Mich lerne. Da musst Du nicht traurig sein; ich will lernen. Wenn es noch so schwer wäre. Ich glaube doch noch an mich, ich glaube doch, dass ich etwas zu erfüllen habe, wenn ich auch den Weg dazu erst anfange zu sehen. Ich will Mut haben, das ist die einzige Tugend.
Sei mir über dies hier nicht traurig. Glaube, alles hat einen Sinn. Das zu wissen ist Trost. Aber auch wenn man den Sinn nicht sieht, muss man ihn glauben. - Nun erwarte ich Deinen Brief. Morgen. Ich wollte Dir noch sagen, dass mich vor ein paar Tagen die Flaschenpost von L. 19 etwas traurig machte. Der Kommandant Loewe schrieb darin seiner Frau: das Luftschiff sinkt langsam. Ich habe lange an Dich gedacht. Erzieh unser Kind. -L. 19 gieng im Februar im Canal unter.
7. August 16. Eben kamen Deine beiden Briefe. Ich habe im letzten Jahr so oft daran denken müssen, wie das in den ersten Tagen mit uns war damals. Und dann sehe ich Dich oft vor mir, als wir das 2te mal in Ahrenshoop" waren; am Abend unserer Ankunft, im Nordpol /bei Müller sassen wir, Du hattest etwas schwarzes an, Du warst so schön -ich habe Dich sehr bewundert. - Oft habe ich nichts oder das Gegenteil von dem gesagt, was ich empfand, ich war schüchtern - oder feig. - Ich möchte gern, Du glaubtest nicht mehr, ich hätte Dich bloss von mir fortgeschickt. - Darf ich Dir wegen meines Kommens etwas schreiben? Wäre es möglich, dass ich so am 15. oder 16. käme? Ich muss hier noch etwas Geld verdienen, ich habe 170 Mark gehabt, davon habe ich etwa 90 Mark für nützliche Dinge ausgegeben. Aber ich könnte nur 8 oder 10 Tage bleiben. Denn ich musste Ihr unbedingt versprechen, die letzten Augusttage an die See zu kommen. Ich liess es bei den 4 Wochen, die Sie bleiben sollte; Sie ist nämlich noch sehr her unter, wiegt mit Kleidern 86 Pfund, hat Schmerzen, ist müde. Ich musste Ihr das schon versprechen. Verzeih. Ich hoffe, Du verstehst mich. - Gestern schrieb ich noch an eine wiener Künstlerfürsorge, da soll es 68 Mark geben. Also, ich will gern einige Tage zu Euch kommen, wenn Ihr Euch aber nur auch darüber freut! - Ich vertraue darauf, dass Du mir glaubst und weisst, dass ich nicht nur egoistisch handle; ich muss jetzt für 3 Menschen das Rechte tun. Auf Wiedersehen! Ich küsse Dich R und Veratschka«