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Brief von Raoul Hausmann und Hedwig Mankiewitz an Elfriede Hausmann. [Prerow (Darß)]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann und Hedwig Mankiewitz an Elfriede Hausmann. [Prerow (Darß)]
  • Datierung10.07.1922
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, Tinte
  • Umfang2 Blatt, 1 Umschlag
  • KonvolutTeilnachlass Raoul Hausmann
  • InventarnummerBG-RHA 54
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

»Liebe, Liebe, ich hab mich über Deinen vorigen Brief gefreut. Ich glaube, ich kann schreiben, wir beide haben Dich lieb. Über Deinen heutigen Brief habe ich gelacht, natürlich ist Kubitzky ebenso wie Otto ein richtiger Künstler. Übrigens lass Dich von dem Gerede, die russische Frau sei fähig, einer Idee zu leben, nicht verblüffen - sehe Dir doch die „Ideen" erst mal an. Nur ganz wenige russische Frauen lebten für Ideen die der Rede wert waren. Dass die deutschen Frauen „erst" mit der Liebe beschäftigt sind, ist kein Verdienst der Russinnen, die aus einer ganz anderen Kultur kommen - die deutsche Frau muss eben „per Liebe" die Familie auflösen. Ausserdem ist die Russin dafür reichlich exaltiert und die „Idee" bei ihr oft bloss eine bessere sexuelle Verdrängung. Ich will damit nicht die deutsche Frau in den Himmel heben - aber die Russin vertritt doch nur Männerideen, von weiblicher Gesellschaft habe ich dort noch nichts gefunden, der Geist ist auch dort männlich. Schliesslich darf man das nicht übersehen, dass das keine Arbeit für die Frau ist, in Menschheitsidealen zu machen, wenn man noch auf einer Kulturstufe steht, die einem das Eigenwesen als Frau noch nicht einmal in Denknähe gerückt hat. -Ich will Dir auch nicht raten, einen Aufruf an alle Männer zu erlassen - denke Dir bloss mal erst alle Männer zu Ende, aber auch alle Frauen. Lass es lieber schon so gehen, dass Einige etwas verwirklichen. Wie geht es Dir in Berlin? Ist es dort auch so rasend teuer? Brot 50, Butter 170, Milch 18, Eier 11, usw - ich glaube hier macht sie alle der Dollar meschugge. Ich habe mir in Barth noch 6 Meter Hemdenstoff für 840 Mk gekauft, er ist sehr viel besser als der im K.d.W. gekaufte. Ich sende ihn Dir und bitte um Anfertigung von 2 Hemden. Schreibe mir was sie kosten, ich sende Dir das Geld. Was macht meine Hose? Der Doesburg ist ein Schwein. Moholy ist verreist, er schrieb mir. Viele Küsse R.

Ich schicke Dir zwei Hemden mit, das eine hat vorn eine Stopfe und im Rücken eine ganze Anzahl, bei dem anderen hat Heta neue Manschetten angenäht, aber der Stoff passt garntcht. Wir glauben, es wäre am besten, das eine Hemd aufzutrennen und die Ärmel (die aus 2 Teilen) in das andere Hemd einzusetzen. Der eine Ärmel aus 1 Teil hat ein paar Stopfen, daraus könnte man (aus dem ganzen Teil) ein festen Kragen machen und den anderen Ärmel aus 2 Teilen ergänzen, da nur die eine Hälfte 2 Stopfen hat. Sieh Dir bitte auch die Manschetten an, ev. müssten die auch erneuert werden. Es soll also das Hemd aus 2erlel Stoff benutzt werden, um das andere complett zu machen. Die 2 neuen Hemden bitte auch mit festen Kragen (aus einem Stück schneiden, aber doppelten Stoff, also Vorderteil und Hinterteil gegeneinandersteppen). Denke bloss an den Feldt, sage die Hose war schon vor einem Jahr bestellt, stets war sie nicht fertig und dann war ich verreist. Viele Grüsse nochmals R

Liebe, die Tage wo Du hier warst, waren sehr schön. Ich weiss, wie sehr ich zu Euch gehöre. Schön war auch, was an dem Tag in Althagen bei Dir aus all dem geworden ist. Dein Brief freute mich! er traf mich. - Ich habe inzwischen noch ein paar Nachrichten von zu Haus. Ich hoffe eigentlich doch, dass Dela zu Dir kommt. - ernst (ist) wäre wohl nichts zu machen, immerhin ist sie wieder besser als im letzten Brief. Sie verreist Ende dieser Woche. An die Eltern schreibe ich beruhigend, aber unverbindlich. Auf Wiedersehen. Grüsse und Küsse Heta«