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Brief von Raoul Hausmann an Hedwig Mankiewitz. Düsseldorf
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hedwig Mankiewitz. Düsseldorf
  • Date29.05.1922
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, Tinte
  • Amount1 Blatt
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 272
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

»Rhin de Dussldorf
29.5.22
Mein sehr Geliebtes
wir waren heute auf dem Congress, es hätte schon Spass gemacht, wenn Du auch anwesend hättest sein können. Ich habe natürlich wieder den Ruhm geerntet, die stärkste Stimme zu haben, aber es war doch sehr interessant, dass die Ausländer alle auf unsere Seite getreten sind. Augenblicklich sitzen wir in verschiedenen Gruppen "zwecks Ausflug" auf einem Rheindampfer und ich schreibe in einer miserablen Schrift, denn das Schiffchen schaukelt und ich schreibe in der Hand. Links sitzt Seiwert, mit dem ich durch Vermittlung von Dix bei einem Dr. Koch schlief, und zwar ganz gut. Eben ist grosse Umgruppierung, wir verlassen "la groupé Novembre". Ich sitze neben Herwarth Walden. Kubitzka hat mich mit einem Freudenkuss begrüsst gestern. Ich spreche ganz wild französisch mit aller Welt, man versteht mich ganz gut. En cet moment, jai mangé un filet de Rabindranath Tagore. Es war zäh. Vassari, Futurista, Doesburg, Hans Richter, Lissitzki, alle mit uns im Princip einverstanden, beide Punis machen un bruit futuro-dadaique. Otto und ich haben es bis zum Du gebracht. Es ist alles sehr lustig, so dumm auch die Germans sind. 3 Japaner sind dabei. Die Ausstellung ist ganz hübsch, Deine Aquarelle hängen aber nicht, ich werde mich danach umsehen. Hier habe ich bereits von Dix und Belling weitere 130 Mk geschenkt bekommen. Für den Augenblick schliesse ich. Forts. Abends N. B. Remy sieht besser aus als die Photographie. Jetzt sind wir schon wieder in einem Cafée gelandet. Ich tanzte gestern Abend wie geölt, jetzt soll ich tanzen: l'orange tcheque traverse le rhin. 100 Küsse! für dich. - Mir geht es fabelhaft gut. Ich habe getanzt bei Herbert Eulenberg "le danse" Ich sagte "il y a un mot la danse; moi je fais le danse". Ich hatte rasenden Beifall aller Anwesenden. Herwarth Walden, mein alter Feind, sagte mir, er schätze meinen Tanz ausserordentlich. Ich habe 3 = drei Engagements für ganz Europa. Ich tanzte mit deinem Stuhl, als Frau. Es war wirklich gut. Vasari, Doesburg, Richter, Zalitz, Lisitzki waren begeistert. Alle umarmten, etc. mich. / Abends. Zalitz ist nicht sympathisch. Aber Vasari ist sehr claretée et energie vitale. Ich bin sehr zufrieden, dass ich nach Düsseldorf, es geht mir fabelhaft gut. Ich esse, ich bekomme Geld, ich werde also tatsächlich. Schreibe mir, wie es Dir gegangen ist. Ich
bin
tausendmal
Dein R.«