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Brief von Raoul Hausmann an Hedwig Mankiewitz. [Berlin]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Hedwig Mankiewitz. [Berlin]
  • Date06.06.1922
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, Tinte
  • Amount1 Blatt
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 274
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

»Dienstag
6 Juni 22
Meine entzückende, sehr Geliebte –
Ich war zwei Tage sehr traurig. Ich weiss alles, was in Dir vorgeht ja von mir aus und ich hatte Dir eigentlich einen Brief geschrieben, den ich aber nicht absandte, weil ich mir sagte, ich will dich nicht belasten. Ich will Dir nur sagen, ich erwarte in diesen 4 Wochen kein Wunder von Dir, nein keineswegs. Aber sei nicht zu sanft mir Dir – warum bin ich dir nicht mehr Gewissheit? Warum z. B. willst Du von mir in punkto Geld unabhängig sein? Ist es nicht gleich, ob ich es habe oder Du? Ich tue alles um etwas zu erzielen, und es ist nicht unmöglich, dass ich das notwendige Geld haben werde. Aber musst Du da auch nur denken, Du könntest von mir abhängen? Ich weiss und wusste wohl, dass ich in Deinem Bewusstsein noch zu neu bin – aber warum hast du so wenig Mut zu mir? Wer ist Dein Vater? Doch nur ein Mensch und noch dazu ein sehr in Irrtümern befangener Mensch. Ich weiss, noch ist in Dir mehr Widerstand gegen mich, als Du selbst ahnst. Aber entweder, ich bin für Dich die Freiheit und die Reinheit, oder ich bin es nicht – und da müsstest Du nicht mehr schwanken (wie Dein Brief mir auszudrücken scheint ) sondern hier gäbe es nur ein arbeiten auf den äusseren Entschluss hin. Denn den inneren hast Du wohl gefasst? Manchmal weiss ich trotz allem Vertrauen auch dies nicht. Du hast Dich wohl mir gegeben, aber Du hast Dich doch noch nicht ganz gegeben – erst in den letzten acht Tagen wurde aus dem Monolog, den ich mit Dir führte, ein Dialog. Jetzt ist es doch schlecht, dass Du unter diesen Weibsen bist, Du brauchtest eine andere Umgebung und etwas Beispiel und Hilfe. Bei uns würdest Du sie finden. Sieh, wir stellten unlängst alle fest, dass wir aus guten und reichen Familien stammte und dass wir alle jahre brauchten, bis wir ganz bei uns angelangt waren – aber den Familienschwindel haben wir alle zuerst abgebrochen. Frau Kubitzka könnte für Dich manchmal ganz gut sein – sie ist einfach mit Kubitzky weggelaufen und aus ihrer Familie hinausgeflogen. Du, hast Du keinen Mut zu Dir selbst? Ich will Dich nicht drängen, und ich weiss, dass Du mich jetzt dort allein, etwas von Dir abwehrst – aber Du müsstest aktiv werden, nicht nur ruhen! Sage Dir: das will ich, das muss ich, sage es Dir ganz klar. Süsse, Schöne – wer hat Dir oder uns etwas zu erlauben? Und wir selbst dürfen vor uns selbst unsere Verbundenheit nicht herabsetzen durch Verstecken oder Bitten! Oh, warum hat Dir eine Frau dazu auch noch geholfen. Ich bin wirklich etwas traurig, dass du so zaghaft bis – natürlich hilft das nichts. Ich umarme Dich, ich wünsche Dir für Dich, sei klar, sei ruhig, sei stark! Meine schöne Frau, wehre Dich! Ich liebe Dich – R.«