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Ansichtspostkarte von Johannes Baader an Raoul Hausmann. Hamburg
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Johannes Baader (1875 - 1955)

  • TitelAnsichtspostkarte von Johannes Baader an Raoul Hausmann. HamburgAbbildung: Carl Hagenbeck's Tierpark, Stellingen-Hamburg. Dressurgruppe Schilling"
  • Datierung27.06.1912
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, Tinte
  • Umfang1
  • KonvolutTeilnachlass Raoul Hausmann
  • InventarnummerBG-RHA 315
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

»1056.270612 Schach / matt
Sie wissen was das bedeutet Gruß an Niecke[3]. Ego[4].«

[1] Johannes Baader (1875 Stuttgart - 1955 Adldorf/Niederbayern), der spätere »Oberdada«, und Hausmann lernten sich vielleicht schon 1905 kennen (Hausmann 1958, S. 146), vermutlich aber »am 17. September 1906 entweder auf dem Nollendorfplatz oder auf dem Hinterperron der Großen Berliner Straßenbahn« (Baader 1977, S. 153). Im Oktober 1906 verfaßte Baader, als selbsternanntes Medium von Jesus Christus, eine Besuchsordnung für spiritistische Interessenten (ebd., S. 7f."). Baader hatte in Stuttgart Architektur studiert und bereits einige Grabmäler und Mausoleen gebaut, als er 1906 einen monumentalen »Welttempel« entwarf, dessen Bauzeit er auf tausend Jahre veranschlagte und der als neues »Walhall« eines »interreligiösen Menschheitsbundes« dienen sollte (ebd., S. 9-17). 1911 wurde Baader wegen »Geistesschwäche« vorübergehend entmündigt, was den Tierhändler Carl Hagenbeck jedoch nicht davon abhielt, ihn als Ratgeber für die Anlagen seiner Tierparks in Berlin und Hamburg zu berufen. -
Lit.: Johannes Baader Oberdada. Schriften, Manifeste, Flugblätter, Billets, Werke und Taten, hg. von Hanne Bergius, Norbert Miller und Karl Riha, Lahn-Gießen: Anabas 1977;
Karl Riha, Portrait Johannes Baader. Der Oberdada und Dada-Berlin, in: ders., Tatü Dada. Dada und nochmals Dada bis heute. Aufsätze und Dokumente, Hofheim: Wolke 1987, S. 137-157;
Johannes Baader. Das Oberdada, hg. von Karl Riha, Hofheim: Wolke 1991; Andrei B. Nakov, „Dada ist eine Geisteshaltung", in: Raoul Hausmann 1886-1971. Der deutsche Spiesser ärgert sich, Ausst.-Kat. Berlinische Galerie, Berlin 1994, S. 33-54.
[2] Eine autobiographische Notiz Baaders bestätigt seinen Eintritt in die Firma Carl Hagenbeck 1911 als Entwurfs- und Bauleiter eines in Berlin-Jungfernheide geplanten, aber nicht realisierten großen Tierparks (Baader 1977, S.145). Hausmanns Erinnerung nach war Baader zwei Jahre lang als Gartenarchitekt bei Hagenbeck in Hamburg tätig und arbeitete dort die Pläne für den ersten zoologischen Garten ohne Gitter aus (Hausmann 1972, S. 58).
[3] Vermutlich handelt es sich, in Anspielung auf die griechische Siegesgöttin Nike, um einen Gruß an Elfriede Hausmann.
[4] Mit »Ego« bzw. »Ich der Ewige« zeichnete Baader auch einige seiner Vierzehn Briefe Christi. Ein Geburtstagsgeschenk für seine Abteilung Ernst Haeckel vom Besitzer des Kabarets zur Blauen Milchstrasse, die er 1914 im Selbstverlag (Verlag der Tagebücher/ Architekt J. Baader, Berlin-Zehlendorf) herausgab. Haeckels monistisches Welterklärungs-Modell, nach dem materielle und immaterielle Welt ein einziges, untrennbares und allumfassendes Universum bilden, war der geistige Humus, in dem sich Baaders eigene kosmologische Heilslehre entwickelte. Zu den sozial- und ideengeschichtlichen Einflüssen insgesamt vgl. Hanne Bergius, Zur phantastischen Politik der Anti-Politik Johannes Baaders oder Die unbefleckte Empfängnis der Welt, in: Baader 1977, S. 181-191.