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Brief von Raoul Hausmann an Adolf Behne. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBrief von Raoul Hausmann an Adolf Behne. Berlin
  • Date2.5.1930
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, Durchschlag
  • Amount1 Blatt
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 612
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

»Raoul Hausmann Charlottenburg Kaiser Friedrichstr. 52
den 2.5.30.

Lieber Dr. Behne
es ist eine alte Idee von mir, (die Sie auch schon an meinen Aufsätzen in der „Erde" von 1919 erkennen können) dass man dem historischen Marxismus und der Klassenkampftheorie die Biologie als Kontrolle gegenüberstellen müsste. Mir war bekannt geworden, dass Lenin Anordnungen treffen wollte, die naturwissenschaftliche Arbeit vom Standpunkt des historischen Materialismus aus dahin zu beobachten, dass nicht etwa die Naturwissenschaft Versuche und Hypothesen aufstelle, die der Marxschen Theorie gefährlich hätten werden können. Das war dann später nochmals der Anlass für mich, zwei Aufsätze zu schreiben, die ich Sie bitte zu lesen und die vom Jahre 1924 stammen. Ich habe sie leider in einer Form geschrieben, die etwas zu ironisch ist, so dass sie nirgends unterzubringen waren. Ich hoffe aber, mit Ihnen in Jershöft gemeinsam einen Plan von mir zu einer schönen gemeinsamen Arbeit entwickeln zu können: Die Rückkehr von der Abstraktion in den Künsten, nicht zur neuen Sachlichkeit, sondern zum von mir so genannten Physiologismus (den ich in meinem Roman auch aufzeige). Es geht nicht mehr an, dass der Künstler eine halbirre, ungebildete Nudel ist, besoffen von der Technik der Zeit, von der er doch nur alles falsch versteht, und dass er diese Ahnungslosigkeit hinausbrüllt als Offenbarung. Ich habe immer die Kunst aufgefasst als Erziehung des Menschen durch sich selbst im Unbewussten seiner Psychophysis: ziehen wir die Konsequenz, so müssen wir mit Hilfe der Biotechnik den Weg der Biopsychologie, ja, der in dem einen Aufsatz angedeuteten Biosociologie gehen, um von da aus die Aufgabe des Künstlers zu erkennen. Schöpferische Möglichkeiten anstelle irgendwelcher ästetereien werden noch genügend übrigbleiben.

Mit besten Grüssen«