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Brief von Raoul Hausmann an László Moholy-Nagy. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an László Moholy-Nagy. Berlin
  • Datierung03.05.1932
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, Durchschlag
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutTeilnachlass Raoul Hausmann
  • InventarnummerBG-RHA 676
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

»Raoul Hausmann Berlin-Charlottenburg 4, Kaiser Friedrichstr. 52. den 3.V. 1932

Lieber Moholy
Sie äusserten vor einem Monat den Wunsch, ich möge Ihr Lichtspiel Schwarz weiss grau ansehen und meine Meinung würde Sie interessieren. Nun, ich muss Ihnen sagen, dass ich finde, dass durch die komplizierte Mechanik das Lichtspiel nicht deutlich genug ausgedrückt wird. Sie haben mechanisch eine Consequenz gezogen, die als Apparat in sich abgeschlossen war. Wenn jetzt filmisch die Rotationsmöglichkeiten optische Veränderungen darzustellen erlaubten, so ist der Zusatz des Lichtes, das sich auch noch verändert, eine Uebersteigerung dieser Consequenz. Ich habe Aufnahmen von alten Stühlen mit einer einzigen Lampe gemacht, die das, was ich hier ausdrücken will, deutlich illustrieren. Es handelt sich um die andere Consequenz: Veränderung der Realität durch das Licht. Das müsste, an einfachen mechanischen Mitteln demonstriert, eine Bewegung, fotografisch also einen Film ergeben. Die gesteigerte mechanische Möglichkeit stört den optischen Vorgang, soweit er das Licht (und weiss grau schwarz ist Licht) angeht. Also: weniger wäre mehr gewesen.
Nun ist da aber noch eine andere Sache. Sie haben in Heft 23 von a-z einen Aufsatz über Malerei und Fotografie, in dem Sie übrigens meinen alten, 1922 schon in „Ma" erschienenen Gedanken, dass Kunst und Technik eine pädagogische Rolle im Unbewussten des Menschen spielen, aufgreifen. Im nächsten Heft sollte gerade über dasselbe Thema ein mehr fotografisch orientierter Aufsatz von mir erscheinen. Ich musste ihn ändern, damit es nicht so aussieht, als hätte ich von Ihnen abgeschrieben. Aber das ist nicht wichtig. Wichtiger ist, dass ich eine fototheoretische Arbeit geleistet habe, die das Problem der Gestaltung der gegebenen Natur durch das Foto derart behandelt, wie bisher Niemand. Ich habe übrigens auch Vorarbeiten zu einem Buch, über die historisch-biologische Veränderung des Sehens. Es wäre nun von Ihnen sehr verdienstlich, wenn Sie, bei Ihren vielen Beziehungen, es ermöglichen würden, dass Sie mit mir einen Diskussionsvortrag über das optische Gesamtproblem halten würden. Das würde das Problem allgemein klären, auch gegenüber den Berufsrevolutionären. Unter Umständen könnten wir gemeinsam ein Buch herausgeben, denn gescheit genug sind Sie mir, um so etwas mit Ihnen zu machen, ausser, ich wäre Ihnen nicht gescheit genug.
Da ich in 14 Tagen auf 4 Monate verreise, würde ich Ihnen vorschlagen, kommen Sie doch vorher noch einen Abend zu uns. Vielleicht finden wir eine Möglichkeit.
Mit besten Grüssen«