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Brief von Raoul Hausmann an Carl Ernst Hinkefuß / Qualität Ware undWerbung. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
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»Raoul Hausmann Berlin-Charlottenburg 4, Kaiser Friedrichstr. 52. den 27. XI. 1932

Sehr geehrter Herr Hinkefuss
ich danke Ihnen bestens für die Uebersendung des Heftes Qualität und der Briefe. Ich möchte zu Ihrer Idee eines Buches rund um Fürstenberg bemerken, dass ich seit Jahren dafür eintrete, Deutschland einmal zu betrachten, wie etwa, sagen wir: Tibet. Es gäbe überall unerhört Vieles zu entdecken, angefangen von Inseln, wie Sylt oder die Halligen, worüber es schon Bücher von Gutschow und Renger-Patzsch gibt, bis zu Mecklenburg, Pommern und Ostpreussen. Gerade das einfache, platte Land weist heute noch so viele Schönheiten auf, dass man nur so drüber stolpert, wenn man anfängt, sich umzusehen -und sie sind immer noch unbekannt. Allerdings müsste man einmal versuchen, was bis jetzt noch nicht recht geglückt ist, Insekten, Tiere und Pflanzen in ihrem ganzen, auf Gegenseitigkeit eingestellten Zusammenleben zu zeigen, nicht etwa nur einzelne Tiere in Schweden, Afrika oder Asien. Sie werden verstehen, was ich meine, wenn ich sage, auf dem Vietzker See in Hinterpommern kann man Bilder aufnehmen, die viel schöner sind, als alte japanische Holzschnitte. Also, so ein Gesamt von Natur und aufbewahrter alter Kultur, das wirklich ein Stück der norddeutschen Erde mit seinem noch vorhandenen, der Zivilisation entgangenen Wesen zeigte, wäre schon eine Sache, für die es lohnte, sich einzusetzen. Denn, sehen Sie, so gut etwa die Bücher von Berg, Stülcken Renger-Patzsch etc sein mögen, so sind das doch nur Blicke von Reisenden. Reisenden, die zwar gut Bescheid wissen, aber bald wieder fortziehen. Und das Wesen eines wirklich guten Fotos ist genau wie das Wesen eines wirklich guten Buches: man muss das, was man zeigen will nicht kennen, sondern lieben. Sie denken mit Liebe an Ihre Röblinplantage und ich müsste sie natürlich erst lieben lernen, aber das würde sich ja zeigen. Wenn mir das eben Angedeutete mit Jershöft nicht nach jeder Richtung gelang, so liegt das zum Teil an den grossen Behinderungen, die die sehr strenge Dünenordnung und einige Privatrechte entgegensetzten - ich kam fotografisch an viel wichtige Dinge nicht heran. Ich hoffe, dass sich gerade diese Schwierigkeiten auf der Röblinplantage ausschalten lassen. Augenblicklich liege ich wieder zu Bett, ich hoffe, Sie bald wieder einmal bei uns zu sehen und begrüsse Sie herzlichst als Ihr«