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[Man hat zu einem Menschen, zu einer Sache Vertrauen oder nicht] [Berlin]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Adolf Behne (1885 - 1948)

  • Title[Man hat zu einem Menschen, zu einer Sache Vertrauen oder nicht] [Berlin]
  • Date03.08.1931
  • CategoryManuskripte
  • ClassificationTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, handschriftliche Zusätze und Streichungen, Tinte, blauer Farbstift, Bleistift.
  • Amount1 Blatt
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 863
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description

»Man hat zu einem Menschen, zu einer Sache Vertrauen oder nicht. Zu Raoul Hausmann habe ich Vertrauen. Ich kenne seinen Roman nur aus dem Manuskript und nicht mal vollständig, aber immerhin wichtige und entscheidende Teile und in der Interpretation des Autors selbst. Schliesslich kenne ich Raoul Hausmann seit einem Dutzend Jahre. Ich kenne den Zeichner, dessen Strich elastisch und sachlich ist; ich kenne den Dadaisten, dessen Hohn ohne Eitelkeit, den Polemiker, dessen Groteske leidenschaftlich und unliterarisch war; ich kenne den Photomonteur, hart im Geben und von Niemandem abhängig... und aus nächster Nähe kenne ich den Kamera-Mann, dessen disziplinierte und saubere Arbeit, nahe der Natur, einem wieder Interesse an dieser artistisch totgehetzten Materie machen kann. Kurz und gut: ich fand immer, dass das, was Raoul Hausmann machte, lebendig war, Substanz hatte... und dass er, unter dem Aspekt des Erfolges gesehen, fast immer falsch im Rennen lag. Aber das tut wirklich nichts. Hausmann ist stark auch im Nehmen.
Nun dieser Roman: er enthält Dinge, Worte, Szenen, Gedanken, die in deutscher Literatur noch nicht geschrieben wurden. Schweine werden von „Unzüchtigkeit" grunzen. Aber Hausmann sieht die biologischen Vorgänge nicht aus der Schinken-Perspektive, auch nicht vom Himmel her, sondern eben menschlich, das heisst, ohne sie irgendwie zu werten, als ein Mensch, der radikal alles Misstrauen gegen Irgendetwas in sich überwinden will, als ein Mensch, der bis in den letzten Winkel seiner Daseinsform hell sein will. Wer selbst ohne Heuchelei ist, muss erkennen, dass hinter diesem Wagemut ein Ethos steht, so wie hinter der reinen konzentrierten Prosa des Buches jenes stolze künstlerische Gewissen steht, das ich in allen Äusserungen Hausmanns immer gefunden habe. Ich wünsche dem Buch gute Fahrt... an Klippen wird es ihm bestimmt nicht fehlen,
[hs. Zusatz:] Heil Heil Heil [mit Hakenkreuz-Skizzen]
Adolf Behne
3.VIII.31«