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Brief von Ernst Fuhrmann an Raoul Hausmann. Friedrichssegen/Lahn
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Ernst Fuhrmann (1886 - 1956)

  • TitleBrief von Ernst Fuhrmann an Raoul Hausmann. Friedrichssegen/LahnBriefkopf: Folkwang=Auriga Verlag G.m.b.H.
  • Date10.08.1931
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, mit Briefkopf
  • Amount1 Blatt
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 890
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description

»Friedrichssegen/Lahn, den 10 August 1931

Sehr verehrter Herr Haussmann!
Vielen Dank für Ihren Brief. Da wären manche Dinge zu sagen. Es giebt erstens einen weiteren Text aus der Ecke der Minussen. Ich habe ein Exemplar hier und hätte gern eine Übersetzung, kann sie aber nicht nachher sobald drucken. Sondern zuerst wäre es eine kostenlose Arbeit. Mir würde aber sehr daran liegen, denn ich bin im Russischen in den letzten Jahren zu faul gewesen und kann nicht so einfach übertragen. Ich halte aber die Texte für wichtig und bei meinen letzten Spracharbeiten haben mir diese über Bum Erdeni sehr gefehlt.
Eine Broschüre aber kann ich mir hier deutsch vorlesen lassen, denn bei mir lebt eine Freundin, die viel übersetzt, zu ethnologischen Büchern aber nicht kommt, weil wir für das tägliche Leben zu sorgen haben.
Ihr Buch werde ich zu jeder Zeit gern lesen. Mit Subskription ist es heute garnichts, immerfort brüte ich über neuen Formen, in denen man als Autor durchkommen könnte. Ich habe den absoluten Willen, dieses Problem irgendwie zu lösen und etwas aus eignen Kräften zu schaffen, was besser wäre, als ein Staatsverlag aber eines Tages eine Basis für einen solchen.
Ich urteile nicht nach Zeitungsaufsätzen, sowenig ich danach gerichtet werden möchte. Bevor ich nicht viel von einem Menschen weiss, urteile ich garnicht. Ich urteile aber im Grunde auch dann nicht.
Denn ein umfangreiches Bild von einem Menschen, von dem man hofft, dass er noch wächst ist immer wesentlich genug, als dass man urteilen kann.
Mit Bezug auf die Minussen würde ich vorschlagen, ich gebe Ihnen zwei Ex. mit dem halben Preis. Denn ich habe noch etwa 50 Stück gebunden liegen, und die werden in ein paar Jahren noch nicht fort sein. Bevor ich aber neue binden lasse, möchte ich das zweite Buch fertig haben, übersetzt, dazu eine Bearbeitung von mir und würde dann beide in einem Band herausgeben und etwas dafür tun. Vielleicht ist es Ihnen mit zwei für eins möglich. - In meinen 10 Bänden ist der Interpretation auch eine Menge Platz eingeräumt, aber erst nachdem ich die ganze Bedeutung dieser Dinge verstand, ist es mir möglich, diese asiatische Tradition weiter zu bauen. Und dazu brauche ich den Bum Erdeni. Vielleicht finden Sie dazu also bei Freunden eine Möglichkeit, die auch Ihnen in freier Zeit Freude macht. Wir müssen eine Menge Arbeit auch hier immer umsonst tun, und es lohnt sich eigentlich nur das.
Der neue Gegner kam noch nicht und ich denke immer, er entschläft sanft. Also, überlegen wir einmal, wie wir zu verschiedenen Tatsachen kommen. Ich bin sehr darauf eingestellt. Jetzt will ich einmal noch einen Roman grossen Formates schreiben." Ich nehme mir die nächsten drei Wochen dazu. Immer Ihr
Fuhrmann«