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Brief von Kurt Schwitters an Raoul Hausmann. Hannover
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Kurt Schwitters (1887 - 1948)

  • TitelBrief von Kurt Schwitters an Raoul Hausmann. HannoverBriefkopf: Kurt Schwitters Hannover Waldhauserstr. 5
  • Datierung17.11.1930
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, Briefkopf
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutTeilnachlass Raoul Hausmann
  • InventarnummerBG-RHA 987
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung

»17.11.30
Lieber Hausmann.
Ich weiss jetzt nicht, ob Du auf einen Brief geantwortet hast, denn wir haben mehrere Briefe hin- und hergeschrieben. Du hast natürlich vollständig Recht, dass Du für Deine Vorträge einen weit höheren Preis verdientest. Du bedenkst aber nicht, dass die Preisbildung nicht nach der Qualität geht, sondern das Resultat von Angebot und Nachfrage ist. Die Nachfrage nach Deinen Vorträgen ist aber gering und in Hannover überhaupt nicht vorhanden, weil man Dich nicht kennt. Aus dem Grunde war es meine Idee, Dich in Hannover vortragen zu lassen, damit man immer wieder auf Dich aufmerksam wird, und es war mein Ziel, dass Du eventuell eine grössere Sache dadurch bekämest. Zum Beispiel habe ich in diesem Frühling hier einen Vortrag von Gabo für 30 Mk bei den Abstrakten vermittelt. Durch diesen Vortrag konnte ich eine Gaboausstellung in der Kestnergesellschaft und einen Gabovortrag erreichen und ausserdem Beziehungen Gabos zu den städtischen Bühnen und zu zwei Privatfirmen wegen Reklame anknüpfen, die sich nach menschlichem Ermessen weiter auswirken werden. Du siehst, dass sich hier einmal wieder das Sprichwort: „Ohne Fleiss, kein Preis" bewahrheitet hat, das heisst nun aber nicht, dass ich Dir Hoffnung auf ähnliche Erfolge machen will, sondern ich sage Dir rein die Möglichkeiten, die hier in Hannover etwa vorhanden sind, und Du kannst Dir selbst überlegen, ob es für Dich in Frage kommt. Wir Abstrakten würden uns sehr freuen, und Du kannst überzeugt sein, dass wir für Dich alle Möglichkeiten heranholen werden. Ich würde Dir zu dem Zwecke besonders raten, auch einige gezeichnete oder gemalte Arbeiten mitzubringen; vielleicht kann man doch die Kestnergesellschaft für die Vorbereitung einer speziellen Hausmannausstellung interessieren. Ich will Dir nicht zureden, Du musst selbst entscheiden. Es ist sozusagen ein Angebot, bei dem Du Möglichkeiten und keine Unkosten hast, denn Du kannst für die 30 Mk deine Reise bestreiten und kannst bei uns wohnen.
Mit den herzlichsten Grüssen auch von Helma Dein Merz«