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Brief von Paul Westheim an Raoul Hausmann. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Paul Westheim (1886 - 1963)

  • TitleBrief von Paul Westheim an Raoul Hausmann. BerlinMit Textentwürfen von Raoul Hausmann: [Aus der Sphäre der innersten, höchsten Realität] vom 27.5.1917, Rückseite [Der Organismus: Mensch] vom 10.5.1917
  • Date22.04.1917
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief, Manuskript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, Briefkopf; handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 1056
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

Briefkopf: »Gustav Kiepenheuer Verlag Weimar: Das Kunstblatt, Redaktion: Paul Westheim/Berlin, Berlin-Wilmersdorf/Mainzerstr. 16«,

»Wilmersdorf, 22. 4.17.

Sehr geehrter Herr!

Neulich in Ihrem Atelier sah ich einen Holzschnitt, wie Sie mir sagten: ein von einer Dame gefertigter Nachschnitt nach einem alten Holzschnitt.2 Sie sagten mir auch, dass Sie davon den Stock hätten. Ich würde sehr gern - gegen Bezahlung - dieses Blatt (am liebsten vom Holzstock selbst) bringen. Wären Sie einverstanden damit? Ich müsste aber sofort Bescheid haben und bitte Sie freundlichst nach Erhalt dieser Zeilen mich einmal anzurufen. Mit bester Empfehlung Ihr ergebener Westheim«

Auf der Rückseite:
RAOUL HAUSMANN: [DER ORGANISMUS: MENSCH][1]
[Berlin] 10. 5.1917 Manuskript, Bleistift

»Der Organismus: Mensch, auf dieser Erde, die tausendfach verflochtenen, sich durchkreuzenden Gedankensysteme (Regierungsformen, Industrie, Handel, Militarismus) bilden ein Geisterreich so ungeheuer schwer erschütterbar, beharrend, dass seine Fehler, Änderungen, die daraus sich erzwingen (Weltkrieg nur zeitlich aufgefasst: Regenerationskrankheit) sich dem göttlich Gott-Geist entgegenstemmen, balancierend, dem Bewusstseinsblitz in der Mensch-Gott-Person langsam, ausweichend, Wage halten, seine Realität erst übertäuben. Der Herrscher Führer im Geist-Reich hat augenblicklich sofort den Sieg, die Materie, Mensch-Realität bedarf noch langer, blutiger Besinnung - in diesem ewigen Augenblick steht die wahre Welt auf der Schneide des Traumes - des Erwachens. Die Erkenntnis der scheinbaren Ohnmacht, weiterwirkenden Macht des versteinten Geist-Reichs der Fiktionen, der Isolation des Menschen - umkehrend in Besitzergreifung des neuen, am Geist-Himmel erschienenen Geist-Staats, Idee der Neu-Schöpfung des Menschen - grenzenlose All-Verantwortung ist das ewige Schauspiel des Geistes Gottes im Menschen, der Erde - als solche ewig neu, wiederkehrend 10 Mai 17«

Auf der Vorderseite:
RAOUL HAUSMANN: [AUS DER SPHÄRE DER INNERSTEN, HÖCHSTEN REALITÄT]1
[Berlin] 27. 5.1917 Manuskript, Tinte

»Aus der Sphäre der innersten, höchsten Realität steigt fliesst alles „Wirken" hinab in die Realität der „Welt" als einer Fiktion. Die Auswirkung in der Welt: Politik, Kunst, Menschlichkeit; Zeit-Welt überhaupt gehorcht der Stimme des Geistes, Gottes, der wahren Realität; die „Sinn", „Bedeutung", „Wert" ausstrahlt und zurückstrahlt, erkennen lässt durch das Spiel „sinnloser" Organe, „Zufall", die unerschüttert ewige Richt-Quelle, Dynamo „Überperson" des Schöpfers 27. 5.17«

[1] Beide Textentwürfe sind - in umgekehrter Reihenfolge - leicht modifiziert in die Notiz eingegangen (in: Die Aktion, Berlin, 7. Jg., 11.8. 1917, Nr. 31/32, Sp. 421-422). Noch ist der subjektivistische Einfluß Friedlaenders, der den Geist zur einzig wahren Realität und die Welt zur Fiktion bzw. die Materie zum Reflex des Bewußtseins erklärt, unübersehbar.