Resultate:  1

[Dada]. [Berlin]
  • © Berlinische Galerie, Berlin / VG Wort, München
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Titel[Dada]. [Berlin]Rückseite: Abstrakte Skizze und handgeschriebene Notiz von R. H
  • Datierung28.04.1918
  • GattungManuskripte
  • SystematikTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, Durchschlag
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutTeilnachlass Raoul Hausmann
  • InventarnummerBG-RHA 1203
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

»Dada ist im Februar 1916 als neue Kunsttendenz aus der Vereinigung meist unpolitischer Literaten und Maler hervorgegangen, die sich CABARET VOLTAIRE (Zürich) nannte. Mitarbeiter war u.a. z.B. Marinetti ein absoluter Kriegsfreund. Herr H u e I s e n b e c k ist der einzige, der aus dieser Vereinigung nach Deutschland zurückkam, mit dem wir bekannt wurden. Da ich schon seit 1912 Kubist bin, im „Sturm" veröffentlicht hatte, für 1916 eine Kollektivausstellung mit Walden (ebenfalls Kriegsfreund) vereinbart hatte, die sich wegen persönlicher Differenzen zerschlug, ging ich zur „Aktion", wo ich Verbindung zu Jung, und vorher zu Gross bekam, die ähnliche Tendenzen verfolgen. Die Aktion (Pfemfert), vertritt einen anational sozialistischen Standpunkt, verbrämt mit den ethischen Bestrebungen Rubiners, die sowohl mir als Jung unsympathisch sind, da wir die Entwicklung des „Menschen" noch über Stirner und Nietzsche hinaus in einer aufs höchste gesteigerten Individualität, die darum nicht mehr „Einzelner" sein kann, zum W I R wird, sehen, weil sie das Moment des Allmenschlichen noch in das ICH einbezieht. Wir sehen im Gegensatz zu Pfemfert und auch zu den Expressionisten das höchste des Lebens nicht mehr in einer ethisch gerichteten Kunst, sondern in einer Herabminderung des Künstlerischen bis zur Satyre, Groteske; die grösste Lebensmöglichkeit, die geringste (psychologisch gesprochen) Verdrängung von Erlebens-Komplexen.
Wir haben den CLUB DADA gegründet, um die modernen Ideen der Simultaneität über das bloss artistische Prinzip des L'ART POUR L'ART bis zur Auflösung zu steigern. Der Club ist kaufmännisch zu betrachten, als Versuch, aus der Verbindung der geringsten Erlebensverdrängung mit den letzten Erkenntnissen der Simultaneität (wozu auch Kubismus gehört) ein lohnendes Geschäft zu machen, das der angeblichen Geistigkeit der Expressionisten das Wasser abgräbt. Wir sind aus psychologischen Gründen gegen Ethik und Sozialismus; um dies durchführen zu können, verulken wir Ethik, Sozialismus, Expressionismus. Diese Tendenz, Dada, wird in einem Jahr genau so bekannt und anerkannt sein, wie heute der Expressionismus, gegen den seine heutigen Verkünder unter den Kunstkritikern vor fünf Jahren als „Massenirrsinn, Horde farbenspritzender Brüllaffen, etc." aufgetreten sind. Wir haben zu unserer Existenz als Maler oder Literaten den Club Dada gegründet, weil der „Sturm" oder die „Aktion" aus Gründen des Erwerbes keine logische Weiterentwicklung der von ihnen seinerzeit propagierten Kunst wünschten, und uns unterdrückten. Zu unserm Erfolge nötig ist Reklame. Darum führen wir auf unserm Manifest die Namen der ausländischen Dadaisten an, um in der Oeffentlichkeit den Glauben zu erwecken, als wäre der Dadaismus eine ganz grosse, europäische Angelegenheit Wir stehen mit den Schweizer Dadaisten in keinerlei Verbindung, wollten sogar zuerst eine andere Bezeichnung als „Dada" wählen, wählten sie aber schliesslich aus Gründen der Popularität doch - der Erfolg hat uns recht gegeben. Politik treibt der Club Dada überhaupt nicht. Alle unsere Veröffentlichungen und Abende sind nur auf neue Eindrücke, beinahe möchte ich sagen: Herabsetzungen des Begriffs „Kunst", zugunsten des simultanen Erfassens und Erlebens der Umwelt, gestellt. Dieses Prinzip wird auch in der Typographie durchgeführt. Hausmann«

Auf der Rückseite:
Hs. Notiz von Hausmann, Bleistift:
»Freitag Abend Probe 24 Sonnabend« und abstrakte Skizze