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Christus contra Ludendorf. [Berlin]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Johannes Baader (1875 - 1955)

  • TitleChristus contra Ludendorf. [Berlin]Rückseite handschriftliche Notiz
  • Date24.02.1918
  • CategoryManuskripte
  • ClassificationTyposkript
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, Durchschlag; handgeschrieben, Kopierstift
  • Amount1
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 1765
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

»Christus contra Ludendorf
Du schreibst richtig: „Christus contra Ludendorf" darf nicht verwechselt werden mit „Christus contra Christus"! - - - Im zweiten Fall ist Ludendorf eingeschlossen in Christus. Ist ein Buchstabe, eine Form, ein Glied von Christus, wie der Laternenpfahl vor meinem Fenster, oder die Muschel am Strand von Neuseeland, oder der Stern Aldebaran, der durch den weiten „christlichen" Raum schwimmt. Maier, Müller, Steputat, die Du nennst, und die Landsturmleute Abrahamsohn, Lilienfeld und Rosenblum, und der Unteroffizier Puffka, und der Leutnant Graf von und zu Bergstein, und Du und ich, und Theodor Däubler und Paul Adler und Salomo Mynona-Friedlaender sind einbegriffen in diesen Christus, ebenso wie die Erfinder der gelben und blauen Gasgranaten, die Hindenburg schleudern will gegen Christus England und Christus Frankreich. Darum ist „Christus contra Christus" keine Sache der Menschen, sondern Angelegenheit des B r a m a ! Und man schreibt im zweiten Fall statt „Christus contra Christus" zweckmässigerweise richtiger: "Brama contra Brama"! - Unsere, Deine, meine Angelegenheit ist aber der andere Fall, den Du mit „Christus contra Ludendorf" bezeichnest. Und nur dieser „Christus contra Ludendorf" stellt, der Sache wegen und aus taktischen Gründen, die Forderung der völligen Hingabe an alle, die mit ihm contra Ludendorf sind.
Nur dieser andere Fall, also der menschliche, im Gegensatz zum ewigen, gibt uns das Recht einzuteilen und die zwei Gruppen der Menschheit zu schaffen, deren Führer die Menschen Baader und Ludendorf sind. Beide Führer und beide Gruppen können für sich das Brama in Anspruch nehmen. Wie das Herr Ludendorf tut, und seine Gruppe, ist mir gleichgiltig. Es scheint mir aber für die Gruppe, die sich um mich scharen will, wichtig, zu wissen, wie i c h es tue. Mag Ludendorf auserkoren sein auf Erden zum Herren der teuflischen Gewalt des Leibes; i c h stelle ihm entgegen das Auserkorensein zur Ausübung der göttlichen Gewalt des Geistes. Beide Gewalten, die Gewalt Ludendorf und die Gewalt Baader sind Theokratien. Aber die eine ist die Gewalt der Versklavung; und die andere die Gewalt der Befreiung. Die Gewalt Ludendorf ist die Gewalt des Todes, und die Gewalt Baader eine Gewalt des Lebens. Ludendorf verlangt von seinen Anhängern, dass sie wollen, wie e r will. Baader verlangt von seinen Anhängern, dass sie ihren eigenen, verschütteten Willen ausgraben, und diesen ihren eigenen Willen zur alleinigen Richtschnur ihrer Handlungen machen. Beide Führer wollen das Chaos zum Kosmos ordnen. Ludendorf durch die von aussen knallende Peitsche der fremden mit Furcht vor dem leiblichen Tode erzwungenen Herrschaft; Baader durch die still auflockernde Arbeit des Geistes, der jeden einzelnen Menschen zum eigenen und allein vor sich selbst verantwortlichen Herrn macht. Baader hat keine Furcht vor dem Chaos, und ordnet es lächelnd, denn er weiss, dass die Befreiung dez Geistes zu keiner chaotischen, sondern zu einer kosmischen Anarchie führt. Ludendorf bildet sich ein, eine Menschheit vor sich zu haben, der ein strenger Papa Ordnung und Zucht mit dem Rohrstock einbläuen muss, weil diese Menschheit noch ein unerzogenes, läppisches Kind ist. Baader aber hält seine Menschheit für volljährig und reif dafür, selbst sich Gesetz zu sein. Das ist der Unterschied beider Theokratieen. Wer an die Notwendigkeit einer tyrannischen Monarchie glaubt, mag also weiter sich als Kind Ludendorfs von ihm versklaven lassen. Wer aber als reifer Mensch mit mir Vertrauen zur kosmischen Anarchie hat, der lasse den zornigen Vater allein mit dem Peitschengeknalle und trete als Freund in das nur von der Freiheit und von der Selbstverantwortung geordnete Haus Baader, über dessen geöffneter Tür steht das einzige Wort, das auf der vollendeten Erde Gewalt hat:

MENSCHHEIT!

Wer in dies Haus eintreten will, soll seinen Namen unter das vorliegende Blatt setzen! Baader.
(240218.1120a)«



Auf der Rückseite:
Hs. Notiz von Baader, Bleistift:
»Kantstr 118, III
Steinpl. 3790.
4 Uhr«