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[Notizbuch VII] Arbeitsheft No. 6 für Allgernoon Synd.
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Title[Notizbuch VII] Arbeitsheft No. 6 für Allgernoon Synd.
  • Date1922 - 1923
  • CategoryAufzeichnungen
  • ClassificationNotizbuch
  • MaterialPapier, handgeschrieben, gezeichnet
  • Amount40 Seiten, 19 Blätter
  • FondsTeilnachlass Raoul Hausmann
  • Inventory NumberBG-RHA 1754
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

Schreibheft mit hellbraunem Einband und weißem Etikett, Druck: »Arbeitsheft No 6«, hs. bez.: »für Algernoon Synd«, 40 Seiten und 19 eingelegte Blätter.

Inhalt:
S. 1-4 Text: Des Algernoon Synd: Beschluss, die Eisenbahn und die Arbeiterkolonien angehend. Prerow, 11.7.1922.

»Des Algernoon Synd: Prerow 11.7.22
Beschluss, die Eisenbahn und die Arbeiterkolonien angehend.
Das Neue, das ist das Selbstverständliche. Sprechen wir deshalb vom Selbstverständlichen, das höchstens exceptionell erscheinen mag durch den Puffkeismus in diesem Lande. Deutschland bietet dem Reisenden, dem modernen Menschen nichts Neues - ausser seinen Telefunkenanlagen, seinem rheinischen Industriegebiet und der Foxtrott- und Jazz-Treppe im Lunapark zu Berlin. Der Reisende aber, auf D-Züge und Mitropa-Speisewagen angewiesen, wird sich wie im Mittelalter vorkommen, wenn er, das Menü beginnend, von Düsseldorf nach Berlin fährt. Eben genoss er seine Suppe, unter starkem Schaukeln des Wagens bestellt er ein Dutzend Brötchen und eine Flasche Bier, ausserdem frischen Rheinlachs. Voll Wohlbehagen fühlt er sich dem internationalen Congress entrückt mit seiner bourgeoisen Atmosphäre ohne Entschiedenheit im ökonomischen und ihrer vollkommenen Ideenlosigkeit, er erhält seinen Fisch, er will das Bier eingiessen - da hält der Zug, und es ist nicht zu vermeiden, dass unter dem Anziehen der Bremsen ein Etwas des Bieres den Rand seines Glases überläuft, auf das Tischtuch. Ärgerlich und in seiner Sauberkeit gestört, isst der Reisende weiter. Er kommt jedoch bald zu dem Resultat, dass ein D-Zug in Deutschland dazu bestimmt ist, das 60Kilometertempo höchstens minutenlang zu erreichen - um jede Viertelstunde halten zu können auf irgendeinem beinah leeren Bahnsteig. Das Vergnügen des Rauchens wird dem Reisenden drakonisch untersagt. So bleibt ihm nichts übrig, um der Spiesseratmosphäre zu entrinnen, seinen Blick durch das Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft rechts und links zu concentrieren. Links bemerkt er Industrieanlage hinter Industrieanlage, gewaltige Röhrensysteme, Machtpfeiler der neuen Zeit, selbstverständlich, organisch - bezwingend in der vollendeten Logik ihrer Construktion. Siehe die Symbole des gemeinsamen Arbeitsgeistes, geboren aus den technischen Notwendigkeiten, unsentimental und imponierend. Das scheinbar lose Hintereinander der Werke verbinden Eisengerüste, ein Gewirr von Brücken, Kranen, dazwischen hohe Schornsteine. Immer wieder aber kehren die Riesenröhren, sechs, acht aufeinmal, in stummer Schlachtordnung, Altäre und Götzen der Arbeit, und erfüllen das Gehirn mit dem Bewusstsein der Kraft und der Notwendigkeit der constructifen Aufgabe des Menschen auf der Erde.«

S. 5 Skizze eines Triebwagens (oder Lokomotive)
S. 6 Skizze eines Automobils
S. 7, 9, 11, 13 Text: Nimmt man innerhalb eines Systems Anziehung allein an].
S. 8, 10 Textfragment: [universalter Strahlungsdruck könnte nur aus].
S. 12, 14 Text: [Was heisst „Energie“, „Kraft"].

»Was heisst „Energie", „Kraft", „Druck", „Spannung", „Strahlung" - das sind alles Bedingtheiten, aber keine wirklichen Wesenheiten. Entweder wir entschliessen uns, die Erde mit den Sternen, Planeten und Sonnen für das Unsinnigste alles Unsinnigen zu halten und setzen über unsere Erkenntnis das Wort „Ignorabimus" - oder wir entschliessen uns, noch mehr als „verborgene Gewalten", nämlich göttliche Gewalten anzunehmen. Nicht Gott, keine Personifizierung, aber das göttliche Lebensprincip, die universale Funktion. Es ist eine Frage des Mutes, hier zu „irren" oder nicht. Aber ob nun historischer Idealismus oder materialistischer Historismus, das gilt hier gleich: beide Anschauungen setzten die „exakte Wissenschaft", das errechenbar Bedingte über den Menschen, über das Leben und über das Göttliche. Die Mathematik und die Geometrie sind nicht imstande, die wirklichen, wahren Formen und Gesetze des Geschehens vollkommen darzustel¬len, denn sie existieren nur in unserer menschlichen Vorstellung, sie sind notwendig nur für uns, um zu Anschauungen oder Erkenntnissen zu gelangen.«

S. 15, 17, 19, 21 Text: [Es gibt keine Lichtemission], 17. Okt 1923
S. 20 verschiedene Quellenangaben, Frankfurter Zeitung 1921/1922.
S. 40, 39, 37, 36, 35, 34 Text: Optik. Was ist Sehen, Prerow Juli 1922.
Beilage 1, Text: [Gestirne wandeln – Mensch fliege (von Raoul Hausmann gestrichen)]. [Unsichtbares, Unerkennbares – wer sollte es sehen]
Beilage 2, Text: [Im Jahre 1920 erschienen in der Zeitschrift f. Feinmechanik]
Beilage 3, Text: [Das Heraufheben des Unbewussten – Schicksalhaften, Tragischen]
Beilage 4, Text: [Der Taktrhythmus in der alten Musik], 12.4.1923.
Beilage 5, Text: [Das funktionelle Kunstwerk als ideoplastische Auswirkung]
Beilage 6, verschiedene Notizen
Beilage 7, Optophon
Beilage 8, Notizen zum Dopplereffekt
Beilage 9 Skizzen