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Der Sturm: Wochenschrift für Kultur und die Künste  - Erster Jahrgang, 1910
Transkription / Beschreibung
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Der Sturm erschien von 1910 bis 1932 im Verlag Der Sturm in Berlin zunächst wöchentlich, später halbmonatlich, dann monatlich. Der Sturm, herausgegeben von Herwarth Walden (d. i. Georg Levin), gilt neben der Aktion als revolutionäre Zeitschrift der neuen europäischen Kunstbewegungen in Malerei, Dichtung und Musik. In den ersten Jahren sammelten sich im Sturm-Kreis, ähnlich wie bei der Aktion, Berliner antibürgerliche Literaten. Der Sturm veröffentlichte frühexpressionistische Gedichte, Romane und Erzählungen und war Quelle für die neue literarische Bewegung. Im Sturm schrieben u. a. Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Adolf Loos, Paul Scheerbart, Salomo Friedlaender und Herwarth Walden. Ab der achten Nummer enthält Der Sturm Bildbeigaben (Lithographien, Holz- und Linolschnitte, zahlreiche Reproduktionen von u. a. Feininger, Kandinsky, Kirchner, Klee, Kokoschka, Moholy-Nagy, Picasso, Severini) und wird für die europäische Avantgarde in der bildenden Kunst das einflußreichste und wichtigste Organ. Die Künstler des Futurismus, Expressionismus, Kubismus und Konstruktivismus wurden von Herwarth Walden und dem Sturm gefördert und unterstützt. Im Sturm sind die Manifeste der Futuristen, Vorabdrucke aus Kandinskys Schrift Über das Geistige in der Kunst und Auszüge aus dem Almanach Der Blaue Reiter zu lesen. Die Zeitschrift gibt einen Überblick über die gesamte künstlerische Entwicklung dieser Zeit. Ab 1914 veröffentlichte Der Sturm Dichtungen von August Stramm, deren Sprachform fortan von den meisten Dichtern des Sturm-Kreises vertreten wurde: extremer formaler Expressionismus, Neigung zu Abstraktion und Abbreviation in der Lyrik. Auch die dadaistischen Merz-Dichtungen von Kurt Schwitters wurden gedruckt. 1918 wurde die Sturm- und Kampfbühne durch Lothar Schreyer, den langjährigen Redakteur des Sturm, gegründet: ein expressionistisches Bühnen-Gesamtkunstwerk (nach dem Vorbild von Stramms Dramen), eine Einheit von Wortkunst, Bewegungskunst und Bildkunst. Die eigene Sturm-Zeitschrift zur Förderung des expressionistischen Theaters erschien 1918/19. Nach der Oktoberrevolution fand bei Walden eine weltanschauliche Hinwendung zum Kommunismus statt. Von 1924/25 bis zum Ende der Zeitschrift beherrschten Polemiken, theoretische Abhandlungen und Propagierung der kommunistischen Kunst den Sturm. 1932 ging Herwarth Walden in die Sowjetunion, wo er 1941 interniert wurde und starb.
Vgl.: Dietzel / Hügel; Raabe; Schlawe; Susi Stappenbacher: Die deutschen literarischen Zeitschriften in den Jahren 1918-1925 als Ausdruck geistiger Strömungen der Zeit. Erlangen, 1961 (Diss.).