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Gästebuch der Galerie Großgörschen 35, 1964 - 65
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Galerie Großgörschen 35

  • TitleGästebuch der Galerie Großgörschen 35, 1964 - 65
  • Date16.6.1964 - 18.6.1965
  • CategoryBuch
  • ClassificationGästebuch
  • MaterialPapier (liniert, handgeschrieben) eingefasst in grünem Einband
  • Dimensions20,5 x 29,5 x 1,5 cm (Außenmaß)
  • Inscriptionpaginiert (53 Blatt - 106 Seiten)
  • Amount1 Buch (60 Blatt)
  • Inventory NumberBG-Ar 9/2014
  • Other NumberID-214901
  • CreditlineSchenkung von Cornelia Brüninghaus-Knubel und Franz Rudolf Knubel, 2014
  • On DisplayNo
Text

Die Stimmung war ausgelassen, der Moment flüchtig, die Spuren aber blieben erhalten. Man griff zum Stift und hinterließ mit einem temperamentvollen Namenszug im ausgelegten Gästebuch den Nachweis, dabei gewesen zu sein: Am 16. Juni 1964 öffnete im zweiten Stock des Hinterhauses der Schöneberger Großgörschenstraße Nr. 35 die erste Berliner Künstlerselbsthilfegalerie ihre Türen. Nach der Adresse Großgörschen 35 benannt, hatte sich eine fünfzehnköpfige Ausstellungsgemeinschaft, die sich hauptsächlich aus Meisterschülern der Hochschule für Bildende Künste Berlin zusammensetzte, einen geweißten Fabrikraum angemietet, um im Monatsturnus jüngste Werke von sich zu präsentieren. Nicht ein gemeinsamer künstlerischer Grundsatz einte sie, sondern die Möglichkeit, mit einem selbstbestimmten Forum gängige Marktstrategien etablierter Galerien zu durchbrechen. Als 15. Ausstellung wurde schon im Sommer 1965 die erste Retrospektive von G 35 gefeiert. Das Gästebuch hatte sich bereits mit hunderten von Unterschriften gefüllt – darunter Namen von richtungsweisenden künstlerischen und kulturpolitischen Akteuren West-Berlins. Als dokumentarischer „Echoraum“ ist es damit eine besonders schlüssige Bereicherung für die Künstler-Archive der Berlinischen Galerie.
Zu K. H. Hödickes Präsentation, die die Ausstellungsreihe eröffnete und auf der er auch das sich heute in unserer Sammlung befindende Triptychon Großer Schlachter (1963) präsentierte, fanden sich die Lehrer der Jungkünstler ein, so Ludwig Gabriel Schrieber, Fritz Kuhr, Fred Thieler und Mac Zimmermann. Der die Fluxus-Bewegung unterstützende Galerist René Block war, wie zu lesen, ebenso anwesend wie Heinz Ohff, Feuilleton-Chef vom Tagesspiegel und in dieser Position das kunstkritische Nadelöhr des Stadt. Großgörschen 35 war, so das Gründungsmitglied Franz Rudolf Knubel, wie ein „rollender Schneeball“, dessen Bedeutung im Rückblick stetig an Volumen zunahm. Dies hängt mit den zu unterschiedlichem Ruhm gelangten Akteuren zusammen: Ulrich Baehr, Hans-Jürgen Burggaller, Hans-Jürgen Diehl, Leiv Warren Donnan, Hans-Georg Dornhege, K. H. Hödicke, Franz Rudolf Knubel, Reinhard Lange, Markus Lüpertz, Dieter Opper, Wolfgang Petrick, Peter Sorge, Arnulf Spengler, Lambert Maria Wintersberger und Jürgen Zeller