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[Abschrift aus Meister Eckehardt]
  • © Berlinische Galerie, Berlin / VG Wort, München
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Titel[Abschrift aus Meister Eckehardt]
  • Datierung[vermutlich 1916]
  • GattungManuskripte
  • SystematikAbschrift
  • MaterialPapier, handgeschrieben mit Tinte
  • Masse19 x 14,5 cm (Blattmaß)
  • Umfang1 Blatt (2 Seiten)
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-Ar 14/98,28
  • CreditlineSchenkung aus Privatbesitz, 1998
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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"Wenn alle Bilder der Seele abgeschieden werden und sie allein das einig Eine schaut, es findet das nackte Wesen der Seele das nackte formlose Wesen göttlicher Einheit, das da ist ein überwesendes Wesen, empfangend, in sich selbst liegend. O Wunder über Wunder, welches edles Empfangen ist das, dass das Wesen der Seele nichts anderes empfangen kann als allein die Einheit Gottes! Nun spricht Sankt Paulus 'Ihr sollt erneuert werden am Geiste.' Erneuerung befällt alle Kreaturen unter Gott; aber Gott befällt keine Erneuerung, er ist ganz Ewigkeit. Was ist Ewigkeit. Passt auf. Die Eigenheit der Ewigkeit ist, dass Dasein und Jungsein in ihr eins ist, denn die Ewigkeit wäre nicht ewig, wenn sie neu werden könnte und nicht alle wäre. Nun sage ich: die Seele befällt Erneuerung, insofern sie Seele heisst, denn sie heisst darum Seele, weil sie dem Körper Leben gibt und eine Form des Körpers ist. Sie wird auch von der Erneuerung betroffen, insofern sie Geist heisst. Darum heisst sie ein Geist, weil sie von hier und von jetzt und von aller Natürlichkeit abgeschieden ist. Aber insofern sie ein Bild Gottes ist und namenlos wie Gott, da tritt keine Erneuerung an sie heran, sondern allein Ewigkeit, wie ein Gott. Nun passt auf‘! Gott ist namenlos, denn von ihm kann niemand etwas sprechen oder verstehen. Darum sagt ein heidnischer Meister: Was wir von der ersten Ursache verstehen oder sprechen, das sind wir mehr selbst, als dass es die erste Ursache wäre, denn sie ist über allem Sprechen und Verstehen. Sage ich nun: Gott ist gut, so ist es nicht wahr, sondern ich bin gut, Gott ist nicht gut. Ich sage mehr: ich bin besser als Gott, denn was gut ist, kann besser werden; was besser werden kann, kann das Allerbeste werden. Nun ist Gott nicht gut, daher kann er nicht besser werden. Und wenn er also nicht besser werden kann, so kann er auch nicht allerbest werden, denn diese drei sind fern von Gott: gut, besser und allerbest, denn er ist über allem. Sage ich ferner: Gott ist ein Wesen, so ist es nicht wahr, er ist ein überschwebendes Wesen und eine überwesende Nichtheit. Daher sagt Sankt Augustin: Das Schönste, was der Mensch von Gott sprechen kann, das ist, dass er vor Weisheitsfülle schweigen kann. Daher schweig und schwatze nicht von Gott, denn damit, dass Du von ihm schwatzest, lügst du, tuste also Sünde. Willst du nun ohne Sünde sein und vollkommen, so schwatze nicht von Gott. Du sollst auch nichts verstehen unter Gott, denn Gott ist über allem Verstehen. Es sagt ein Meister: Hätte ich einen Gott, den ich verstehen könnte, ich wollte ihn nimmer flur Gott halten. Verstehst du nun etwas unter ihm, davon ist er nichts, und damit, da du etwas unter ihm verstehst, kommst du in eine Unverstandsamkeit, und von der Unverstandsamkeit kommst du in eine Tierheit; denn was an den Kreaturen unverständig ist, ist tierisch. Willst du nicht tierisch werden, so verstehe nichts von dem ungeworteten Gotte. 'Ach, wie soll ich denn tun?' Du sollst ganz und gar entsinken deiner Deinheit und sollst zerfliessen in seine Seinheit, und es soll dein Dein in seinem Mein ein Mein werden, so gänzlich, dass du mit ihm ewiglich verstehst seine ungewordene Istigkeit und seine ungenannte Nichtheit. (Eckehart.)