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Merz
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Die Zeitschrift Merz wurde von Kurt Schwitters in seinem eigenen Merzverlag von 1923 bis 1932 in Hannover herausgegeben. Als eigentliche Nummern einer kontinuierlich erscheinenden Zeitschrift gelten nur die kleinformatigen Hefte Nr. 1, 2, 4 und 6, deren Reihe durch eine Merzmappe (Nr. 3) mit sechs Lithographien von Schwitters und die 7 Arpaden (Nr. 5), eine Mappe mit sieben Lithographien von Hans Arp, unterbrochen wird. Die einzelnen Merz-Nummern sind verschieden betitelt: Nr. 1 ist dem Dada-Feldzug in Holland gewidmet und heißt Holland Dada, Nr. 2 ist die nummer i, Merz 4 trägt den Titel Banalitäten und Merz 6 Imitatoren watch step!. Nr. 6 ist zugleich als Arp 1 bezeichnet und trägt den Umschlagtitel Propaganda und Arp; je eine Hälfte des Heftes wurde von Schwitters und Arp gestaltet. Die ersten sechs Merz-Nummern erschienen zwischen Januar und Oktober 1923. Sie enthalten Text- und Bildbeiträge von Schwitters, Arp, van Doesburg / I. K. Bonset, Hausmann, Höch, Huszár, Lissitzky, Moholy-Nagy, Nebel, Picabia, Picasso, Man Ray, Ribemont-Dessaignes, Rietveld, Segal, Spengemann, Tzara u. a. Die Merz-Hefte sind authentische, durch keinerlei Verlagsrücksichten behinderte Dokumente Schwittersscher Typographie. Die Nummern von 1923 sind durch eine zunehmende Auflockerung des typographischen Gefüges gekennzeichnet, die aber zugleich die Strenge der Gestaltung verdeutlicht. Von Beginn an ist der Umschlagtitel übersichtlich - und natürlich nicht mehr symmetrisch - gegliedert, in den Schriftgraden gestaffelt, vom bestimmenden Wort Merz über die Nummer und den Untertitel bis zur Verlagsangabe und einem Hinweis auf den Inhalt. Die Rückseite enthält Werbung des Merzverlages und Anzeigen von Zeitschriften befreundeter Künstler. Für die Innenseiten hat Schwitters eine von Heft zu Heft wechselnde Papierfarbe gewählt. Jede Seite ist auf das sorgfältigste durchkomponiert, sowohl für sich wie auch als Teil des Ganzen. Schwitters spielt in dadaistischer Weise mit Schriftgraden und Schriftstärken. Selbst die Art der Paginierung variiert stark, manchmal von Seite zu Seite. Er verwendet zudem abstrakte Elemente aus dem Setzkasten. Als Vorlagen für Abbildungen dienen Strichätzungen nach Zeichnungen und Collagen, zunehmend auch Photographien. Schwitters hat sich in der Gestaltung dieser kleinformatigen Hefte offensichtlich von der dritten Nummer der Berliner Zeitschrift Der Dada, die von Grosz, Heartfield und Hausmann herausgegeben wurde, inspirieren lassen. 1924 wählte Schwitters für seine Zeitschrift das mehr als doppelt so große Quartformat. Die Merz-Ausgabe Nr. 7 und die Doppelnummer 8/9 sind die letzten Hefte mit Zeitschrift-Charakter. Merz 7 trägt den Titel Tapsheft und enthält Beiträge von Schwitters, Arp, Braque, Charchoune, Gropius, Höch, Spengemann und Tzara. Nr. 8/9 (Nasci) entstand in gemeinsamer Redaktion von Schwitters und Lissitzky, der das Heft typographisch gestaltet hat, mit Abbildungen von Schwitters, Lissitzky, Archipenko, Arp, Braque, Léger, Mies van der Rohe, Mondrian, Oud, Man Ray und Tatlin. Merz 11 ist Typo-Reklame betitelt und behandelt das Thema Werbegestaltung; Merz 10 - angekündigt als Bauhausbuch - ist nie erschienen. Ab Merz 12 wechseln die Formate, und die Zeitschrift nimmt den Charakter einer unregelmäßig erscheinenden Schriftenreihe an. Merz 13 ist die auf Platte gesprochene Lautsonate, die Nummern 12, 14/15, und 16/17 sind Schwitters' Märchenbücher, die im eigens hierfür gegründeten Apossverlag erschienen. Für die Nummern 12 und 16/17 zeichnen als Autoren Schwitters und Käte Steinitz, für 14/15 als Typographen Schwitters, Käte Steinitz und Theo van Doesburg verantwortlich. Als Merz 18/19 erschien Ludwig Hilberseimers Buch über Großstadtbauten. 1927 gab Schwitters anläßlich seiner großen Merz-Ausstellung Merz 20 : Katalog heraus. Merz 21 ist das erste Veilchen-Heft mit den Erzählungen Die Zoologische Garten-Lotterie und Schacko. Jacco sowie dem Scherzo aus der Ursonate und einer ausführlichen Selbstdarstellung. Merz 22 und Merz 23 sind nie erschienen. 1932 gab Schwitters die letzte Merz-Publikation, eine typographische Umsetzung der Ursonate, ergänzt um detaillierte Anweisungen zu deren Vortrag, als Nr. 24 heraus.
Vgl.: Dietzel / Hügel; Schmalenbach.