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Galerie Corray
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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CORRAY (Filiale von -> CORRAY, Zürich)
GALERIE CORRAY

Adresse: BASEL, Kanton Basel-Stadt, Schifflände 2
Inhaber: Heinrich Corray
Mitarbeiter: Lucian Hermann Neitzel (Leiter der Galerie)
Bestand: 1916-1917
Charakteristik: Kunsthandlung

Ausstellungen:
1916: Französische und Schweizer Künstler
1917: Sturm-Ausstellung (Rudolf Bauer, Fritz Baumann, Albert Bloch, Heinrich Campendonk, Max Ernst, Lyonel Feininger, Isaac Grünewald, Jakoba van Heemskerk , Sigrid Hjerten-Grünewald, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Otakar Kubin, Carl Mense, Georg Muche, Gabriele Münter, Georg Schrimpf, Fritz Stuckenberg, Maria Uhden, Nell Walden); Schweizer Künstler

Bemerkung:
1916 wurde „Basel dem Kunsthandel […] erst eigentlich erschlossen“ (J[ules] C[oulin]: Vom Schweizer Kunstleben.- in: Der Cicerone. H. 7/8 v. 4. 4. 1917, S. 137-138; Zitat S. 138). In der Stadt, in der es bis zu diesem Zeitpunkt keine Kunsthandlung gab, wurden innerhalb eines Monats zwei Galerien gegründet: Am 5. November 1916 wurde die „Galerie Corray“, am 27. November der -> KUNSTSALON WOLFENSBERGER eröffnet. Während der Druckereibesitzer Johann Erwin Wolfensberger mit seiner 1911 in Zürich eröffneten -> GALERIE WOLFSBERG bereits Kunsthandelserfahrung hatte, war Heinrich Corray als ausgebildeter Lehrer und Reformpädagoge zwar kunstinteressiert, aber ohne Erfahrung.
Karl Heinrich Ulrich Anton Coray (1880-1974),(zwischen 1912 und 1919 schrieb er sich H. Corray, nach 1919 Han Coray-Stoop, später Han Coray), war von 1904-1912 Lehrer in Ried-Gibswil und in Kilchberg. 1912 veröffentlichte er seine reformpädagogische Schrift „Neulandfahrten. Ein Buch für Eltern, Lehrer und Kinder“ und gab das Werk „Garben und Kränze. Gute Kunst und Literatur für Schule und Haus“ heraus. Im selben Jahr wurde er Direktor der „Beust' schen Privatschule“, die jedoch nur kurz bestand. 1912 bis 1917 war er Direktor der privaten „Pestalozzi-Schule“ (Fritz Osterwalder 2004), in deren 1914/15 errichtetem Neubau sich auch zwei Künstlerateliers mit Wohnung befanden, die beispielsweise von Hermann Huber und Johann von Tscharner bewohnt wurden (Christian Geelhaar 1983, S. 37-38). Den Vorraum der Schule liess Corray mit Wandmalereien von Hans Arp und Otto van Rees gestalten. Diese ersten abstrakten Wandmalereien wurden jedoch nach dem Weggang von Corray aus der Schule wieder übertüncht (Otto en Ada van Rees 1975; Emil Bosshard 1977). Neben den bereits genannten Künstlern war Corray auch früher Förderer von Ignaz Epper und Max Gubler.
1916 entschloss sich Corray, in den Kunsthandel zu wechseln und plante, sowohl in Zürich als auch in Basel Galerien zu eröffnen. Während sich die Eröffnung der Zürcher Galerie verzögerte und erst am 3. Dezember erfolgte, konnte die Basler Galerie bereits am 5. November 1916 an der Adresse Schifflände 2 eröffnet werden und war damit nicht nur Corrays erste Galerie, sondern auch Basels erste Kunsthandlung mit Angebot an moderner, zeitgenössischer Kunst.
„Französische und Schweizer Künstler“ war der Titel der Eröffnungsausstellung, und Hans Graber kommentierte die Eröffnung des Salons: „Ein kühnes Unternehmen in der jetzigen kritischen Zeit, im Interesse des Basler Kunstlebens aber sehr zu begrüßen … man darf hoffen, daß [es] dazu helfen wird, das nicht gerade rege Kunstinteresse in unserer Stadt […] zu heben und auf bessere Wege zu leiten.“ (Hans Graber: Eröffnungsausstellung der Galerie Corray.- in: Basler Nachrichten. 19. 11. 1916)
Die Galerie wurde von dem Kunstschriftsteller Lucian Hermann Neitzel (der alle Schriften „L. H. Neitzel“ signierte) geleitet, der seine Verbindungen zu Schweizer und deutschen Künstlern und Kunsthändlern einbrachte: Neitzel schrieb das Vorwort zum Katalog der bei -> GOLTZ in München veranstalteten Ausstellung der Vereinigung in München lebender Schweizer Künstler „Moderner Bund“(1913), die Einleitung zu Hans Arps Buch „Neue französische Malerei“ (1914), er war Mitarbeiter der Zeitschriften „Das Kunstblatt“ und „Der Sturm“, schrieb einen Beitrag zu Herwarth Waldens „Einblick in Kunst“ (1917) und zu Katalogen von Sturm-Ausstellungen. Neitzels Beziehung zu Herwarth Walden und dessen Berliner Galerie -> DER STURM dürfte die nächste Ausstellung der Galerie Corray nach Basel ermöglicht haben: Vom 7. Februar bis 7. März 1917 fand die erste Präsentation des „Sturm“ in der Schweiz statt. (Christian Geelhaar S. 90; Stefan Frey 1995). Die Ausstellung mit etwa 80 Werken von mehr als zwanzig Künstlern brachte einen Querschnitt der Sturm-Künstler. Begleitet wurde die Präsentation von vier Vorträgen von L. H. Neitzel über „Kunstschauen und Kunstschaffen, mit Erklärungen an den Bildern“. Des weiteren wurden „Sturm-Literatur“ und Werke über moderne Kunst zum Kauf angeboten.
Die Ausstellung sollte anschliessend in der Zürcher Galerie Corray gezeigt werden, da jedoch im März 1917 die Galerie von Hugo Ball und Tristan Tzara übernommen wurde, fand die Präsentation vom 17. März bis 30. April 1917 in der „Galerie Dada“ statt. (Auch diese Galerie schloss - nach Streitigkeiten zwischen Ball und Tzara - bereits Ende Mai 1917.)
Im Katalog der Sturm-Ausstellung wurde für März 1917 eine Schau „Schweizer Künstler“ angekündigt. Über das weitere Ausstellungsprogramm ist derzeit nichts bekannt.
Der Bericht, den Jules Coulin als Überblick über das „Schweizer Kunstleben“ der letzten Monate im April 1917 nach Leipzig sandte, wurde, da die Galerie kurze Zeit später schloss, ungewollt und unversehens vom Neuigkeitenbericht zum Resümee der Ausstellungen der Galerie Corray:
„Der Zürcher Kunsthändler Corray hat eine MODERNE GALERIE eröffnet, die in ihren Ausstellungen baseler und schweizer Kunst bringt, ferner französische Klassiker des 19. Jahrhunderts und moderne Franzosen, neuerdings eine Schau des ‚Sturm’ mit Kandinsky, Klee, Kokoschka, Campendonk u. a. Der Leiter der Galerie, L. H. Neitzel, gibt die aufschlußreich eingeleitenden Kataloge heraus.“ (J[ules] C[oulin]: Vom Schweizer Kunstleben.- in: Der Cicerone. H. 7/8 v. 4. 4. 1917, S. 137-138)
Die Galerie Corray schloß wenig später auch ihre Basler Filiale, womit sie dasselbe Schicksal erlitt, wie die nur etwas länger bestehende Galerie -> WOLFENSBERGER.
Nach dem nur wenige Monate dauerndem Gastspiel der Galerie Corray in Basel wurde Heinrich Corray wieder in Zürich aktiv und gründete im Sommer 1917 sein nächstes Kunsthandelsunternehmen, das -> GRAPHIKKABINETT.

Nachweise:
Otto en Ada van Rees. Leven en werk tot 1934.- Utrecht 1975
Emil Bosshard: Zürichs erste abstrakte Wandmalereien.- in: Neue Zürcher Zeitung. 2./3. 7. 1977, S. 50
Christian Geelhaar, Monica Stucky: Expressionistische Malerei in Basel um den Ersten Weltkrieg.- Basel 1983
Stefan Frey: Kandinskys Werke in Privatsammlungen der Schweiz 1912-1944.- in: Kandinsky nelle collezioni svizzere/in den Schweizer Sammlungen/dans les collections suisses.- Lugano 1995
Werner J. Schweiger: "Für diese Kunst kein Publikum“. Vom Modernen Kunsthandel in Basel bis 1938.- Mitteilungen aus dem Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien, Nr. 6, 2002
Fritz Osterwalder: Dadaismus und Reformpädagogik bei Han Coray oder: Wie traditionalistisch
ist die „neue Erziehung“?- in: Reformpädagogik. Neue Zugänge - Befunde - Kontroversen. Hrsg. v. Hein Retter.- Bad Heilbrunn 2004. S. 19-34