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Buch- und Kunstheim K. & E. Twardy
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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BUCH- UND KUNSTHEIM TWARDY
BUCH - UND KUNSTHEIM K. & E. TWARDY

Adresse: BERLIN, Preussen/Provinz Brandenburg (Berlin), Potsdamerstrasse 12 (bis etwa 1932); Königin-Augusta-Strasse 23 (1933); Kniprodestrasse 10 (1934)
Inhaber: Käte und Emma Twardy (1919-1928); Emma Twardy (ab 1928)
Mitarbeiter: Elena Lissner-Blomberg
Bestand: 1919-(1935)
Charakteristik: Buchhandlung, Kunsthandlung, Kunstgewerbehandlung
„Gnosis, Buddha, Laotse. Mystik. Neue Kunst. Ausstellung v. Boddien, Götz, Goesch, Kandinsky, Waske, Weber, Zierath.“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 22 v. November 1920, Anzeigenseite; Das Kunstblatt. H. 11 v. November 1920, Umschlagseite 2); „Buddhismus, Gnosis. Ostasiatische und ‚Neue Kunst’. Künstler: von Boddien, Eckertz, Götz, Gösch, Herzog, Jäckel, Meidner, Melzer, Mutzenbecher, Oehme, Pepinski, von Rebay, Ring, Taut, Waske, Weber, Zierath.“ (Anzeige in: Grosse Berliner Kunstausstellung 1921 im Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, S. IV); „Bücher zur Kunst, Philosophie, Religion. Ausstellungen von neuzeitlichem Kunstgewerbe, Handweberei-Erzeugnissen.“ (Anzeige in: Juryfreie Kunstschau Berlin 1925, Anzeigenseite); „Handwebereien, Bekleidungsstoffe, Stoffe für Innenräume, Teppiche, Beleuchtungskörper, Hüte, Schmuck, Bücher, Neue Kunst.“ (Anzeige in: Juryfreie Kunstschau Berlin 1927, Anzeigenseite)

Ausstellungen:
1920: Heinrich von Boddien, Arthur Götz, Paul Goesch, Wassily Kandinsky, Erich Waske, Vincent Weber, Willy Zierath; Zeichnungen und Aquarelle von Kindern
1921: Waldemar Eckertz; Paul Goesch, Heinrich von Boddien; Tibetanische Stoffmalereien und persische Miniaturen; Oswald Herzog; Moriz Melzer, Thomas Ring; Lou Fischer (Kunstgewerbe)
1922: Fritz Stuckenberg; Paul Goesch; Carl Krayl, Hermann Finsterlin, Hans Scharoun; Russische Kinderzeichnungen; Elena Lissner-Blomberg, Iwan Puni
1923: Erwin Hass; Chinesische Rollbilder; Alexander Archipenko, Georges Braque, Juan Gris, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Emil Nolde, Kurt Schwitters; Willi Baumeister; Walter Dexel; Willy Baumeister; Paul Grunwaldt; Issachar Ryback, Max Band
1924: Moriz Melzer; Ellen von Rathleff-Keilmann, Harriet von Rathleff-Keilmann
1925: Ina Hossfeld
1926: Werner Gothein
1927: Schüler der Malschule Arthur Segal (dabei: Anneliese Ratkowski)

Verlag:
Oswald Herzog: Plastik. Sinfonie des Lebens. Mit einem Vorwort von Bruno W. Reimann. Mit 3 Originalholzschnitten, 1921
Eugen Heinrich Schmitt: Dante. Göttliche Komödie im Lichte der intuitiven Erkenntnis, 1921
Lothar Treuge: Die Apotheose der Masse, 1920
Ernst Ewalt: Das All in uns. Eine Offenbarung unserer inneren Welt

Bemerkung:
Unter dem Namen „Buch- und Kunstheim K. & E. Twardy“ gründeten Käthe und Emma Twardy am 20. Mai 1919 in Zoppot (Freistaat Danzig), Seestrasse 39/41 ihre Buch- und Kunsthandlung und expandierten wenig später (wohl im Herbst 1920) nach Berlin, wo sie in der Potsdamerstrasse 12 unter dem gleichen Namen ein kleines Lokal bezogen, das, wie Hans Siemsen schrieb, nur aus einem einzigen Raum bestand, der „nicht größer war als ein sehr kleiner Zigarettenladen“ (Hans Siemsen: Kinderzeichnungen.- in: Die Weltbühne. Nr. 3 v. 20. 1. 1921, S. 76-77).
„Das Buch- und Kunstheim K. & E. Twardy, Potsdamer Straße 12, wirbt in seinem kleinen, qualitätsreichen Laden durch Ausstellungen von Künstlern wie Kandinsky, Goesch, v. Boddien, Goetz und Zierath sowie durch Diskussionsabende, veranstaltet von jungen Künstlern, in erfreulicher Weise für die Idee der neuen Kunst.“ (Der Cicerone. H. 21 v. 28. 10. 1920, S. 803)
Das Programm der Buch- und Kunsthandlung wurde in zahlreichen Anzeigen (siehe oben) dargelegt: Philosophie, Religion, ostasiatische Kunst und neue Kunst, später ergänzt um Ausstellungen von neuzeitlichem Kunstgewerbe und Handweberei-Erzeugnissen.
Neben den Ausstellungen zeitgenössischer Künstler - bevorzugt Mitglieder der „Novembergruppe“ - gab es Präsentationen aussereuropäischer Kunst, beispielsweise tibetanische Malerei: „Das Buch- und Kunstheim Twardy schließlich hatte, in Zusammenhang mit den dort stattfindenden Vortragszyklen, einige Dutzend […] tibetanische Stoffmalereien und hellfarbige persischen Miniaturen aus Privatbesitz zusammengebracht […] denen zu begegnen man - auch in Museen - nur selten Gelegenheit hat.“ (Feuer. H. 7/8 v. April/Mai 1921, S. 459-460)
Das Programm ähnelt der Galerie -> GARVENS in Hannover und tatsächlich war Herbert Garvens von Garvensburg Kunde bei Twardy: „Auch ein Herr Garvens aus Hannover kam oft zu Twardy und kaufte von mir Stickereien oder Zeichnungen.“ (Elena Liessner-Blomberg: Romanisches Café.- zitiert nach: Russen in Berlin 1991, S. 338)
Um 1922 wird die Künstlerin Elena Liessner-Blomberg Mitarbeiterin bei Twardy (Liessner-Blomberg 1978, S. 118), worüber sie berichtet: „Ich machte Stickereien und ging damit hausieren. Bei Twardy […] hatte ich Glück. Sie engagierten mich als ihre rechte Hand. Bei Twardy, einer Buchhandlung, die auch Kunst ausstellte, sah ich täglich berühmte Leute, Archipenko, Kandinsky, Moholy-Nagy. Sie kamen von Herwarth Waldens ‚Sturm’, sein Laden lag direkt gegenüber. Kandinsky sprach mit mir russisch. Ich brachte ihm eine Mappe mit Kinderzeichnungen von meiner Kindergruppe in Moskau. [Ausstellung der Kinderzeichnungen 1922 bei Twardy] Kandinsky betrachtete meine Arbeiten, er lobte eine kleine Collage […] Moholy-Nagy […] machte mir Komplimente mit seinem gedehnten ungarischen Akzent und äußerte seine Bewunderung, dass ein russisches Mädchen soviel von moderner Kunst verstehe […]. Manchmal wurde ich damit betraut, von Flechtheim kostbare Bilder als Blickfang für unser Schaufenster zu holen … Flechtheim war großzügig und entgegenkommend.“ (Elena Liessner-Blomberg: Romanisches Café.- zitiert nach: Russen in Berlin 1991, S. 337)
Elena Liessner-Blomberg zeichnete auch das „Signet“ der Galerie, das bis etwa 1925 für Zeitschriftenanzeigen verwendet wurde (Abbildung in: Liessner-Blomberg 1978, S. 61, zuletzt festgestellt in einer Anzeige im Katalog der Juryfreien Ausstellung Berlin 1925, Anzeigenseite).
Auch El Lissitzky hatte Kontakt zu Twardy, worüber er in einem Brief vom 7. 8. 1923 an Sophie Küppers berichtet: „In Berlin war ich ein paar Tage […] Twardy hat meine Mappe noch nicht erhalten, möchte meine Arbeiten in Kommission haben.“ (Wieland Schmied 1966, S. 22)
Über das neben der Malerei und der Graphik angebotene Kunstgewerbe schrieb Willi Wolfradt 1923: „Übrigens findet man in dem eigenartigen Laden von Twardy, der die Farbe romantischer Moderne in die geschäftige Straße trägt, Ansätze zu einer streng heutigen und doch nicht modischen angewandten Kunst, wie sie sonst in Auslagen kaum noch sichtbar werden. Vor allem manche der gestickten Decken und geflickten Wandteppiche aus den Werkstätten des Bauhauses und Thierschs Kunstgewerbeschule bestechen durch Erfindung, Variationsreichtum des Materials wie der Verarbeitung und aparte Harmonien. Aber auch Metallarbeiten und allerlei bunte Sächelchen besonderen Gepräges kriechen hier zwischen den Büchern umher.“ (Der Cicerone. H. 9 v. 11. 5. 1923, S. 430).
Später wurde das Angebot auf die kunstgewerbliche Seite hin noch erweitert und man bot neben den Handwebereien auch Bekleidungsstoffe, Stoffe für Innenräume, Teppiche, Beleuchtungskörper, Hüte und Schmuck an. (Anzeige in: Juryfreie Kunstschau Berlin 1927, Anzeigenseite). 1928 wird Emma Twardy Alleininhaberin.
1933 wird die Galerie in der Königin-Augusta-Strasse 23 genannt, 1934 erfolgt ein weiterer Umzug in die Kniprodestrasse 10. Wie lange das „Buch- und Kunstheim K. & E. Twardy“ bestand, ist derzeit nicht bekannt. 1936 war es im Adressbuch des Deutschen Buchhandels nicht mehr enthalten.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Adressbuch für den Berliner Buchhandel

Wieland Schmied: Wegbereiter zur modernen Kunst. 50 Jahre Kestner-Gesellschaft. Mit Beiträgen von Sophie Küppers-Lissitzky, Kate Steinitz, Alfred Hentzen, Werner Schmalenbach u.a.- Hannover 1966
Elena Liessner-Blomberg oder die Geschichte vom Blauen Vogel. Hrsg. v. Gerhard Wolf.- Berlin 1978
Russen in Berlin. Literatur, Malerei, Theater, Film 1918-1933. Hrsg. v. Fritz Mierau. (3. erweiterte Auflage.)- Leipzig 1991