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Graphik-Verlag
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
    • Werner J. Schweiger (1949 - 2011)

  • TitleGraphik-Verlag[Eintrag für geplante Publikation "Lexikon des Kunsthandels der Moderne im deutschsprachigen Raum 1905-1937"]
  • Date2005 - 2011
  • CategoryManuskripte
  • Materialdigital
  • FondsKunstarchiv Werner J. Schweiger
  • Inventory NumberBG-WJS-M-1,27
  • CreditlineZustiftung Christa M. Schweiger, Wien und Wolfgang Wittrock, Berlin, 2016
  • On DisplayNo
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GRAPHIK-VERLAG
MÜNCHNER GRAPHIK-VERLAG
GRAPHIK-VERLAG MÜNCHEN G. M. B. H.

Adresse: BERLIN, Preussen/Provinz Brandenburg (Berlin), Pariser Platz 7
Inhaber, Mitarbeiter: Otto Haas-Heye (Geschäftsführer)
Bestand: Als Graphik-Verlag (Bonn-München) seit etwa 1911, als Kunsthandlung 1915-1916
Charakteristik: Verlag und Galerie
{„Im Graphik-Verlag G. m. b. H. Muenchen erscheint das gesamte graphische Werk von Edwin Scharff, Max Unold, Adolf Schinnerer. Demnächst erscheinen: Walter Teutsch, Franz M. Jansen. Das Herbstverzeichnis 1912 mit Prospekt 1913 enthält 20 Wiedergaben nach Werken von Edwin Scharff und Max Unold (Radierungen, Holzschnitte, Mappenwerke, Einzelblätter). Zusendungen an ernste Liebhaber kostenlos. Jede grosse Kunsthandlung legt die Werke zur Ansicht vor.“ (Anzeige in: Moderne Graphik. Ein Verzeichnis von Originalradierungen, Lithographien und Holzschnitten.- Leipzig: P. H. Beyer & Sohn [1914]. Umschlagseite 3)}

Ausstellungen:
1915: Neue Münchner Secession (dabei u. a.: Karl Caspar, Franz Heckendorf, Karl Hofer, Wilhelm Lehmbruck, Moriz Melzer, Adolf Schinnerer, Walter Teutsch); Fritz Huf, Alice Trübner; Gustav Schneeli, Lisa von Ubisch; Christian Rohlfs, Adolf Schinnerer, Milly Steger
1916: Else Lasker-Schüler

Verlag:
Willi Geiger: Unsere Helden, Mappe mit10 Lithographien, 1914; An die Pferde, I. Gedenkblatt, Lithographie, 1914;
Graphische Flugblätter. I: Adolf Schinnerer, Boot, Radierung; II. Max Unold, Französischer Bauer, Holzschnitt; III: Edwin Scharff, Reiter, Radierung, 1914
Otto Haas-Heye: Graphische Modeblätter. Nr. 1-8, handkolorierte Lithographien, 1915; Modeblätter Alfred-Marie. 12 handkolorierte Holzschnitte nach Entwürfen von Otto Haas-Heye, gezeichnet und geschnitten von Annie Offterdinger, 1915; Bei Alfred-Marie gesehen. 10 handkolorierte Lithographien von Annie Offterdinger, 1916; Figurinen 1917-18. Gezeichnet von Annie Offterdinger und C. F. Savary, 1918
Der Krieg. 12 Holzschnitte. Hrsg. v. Verbande der Schülerschaft am Königlichen Kunstgewerbemuseum [Berlin], 1915. Mit Holzschnitten von E. Freyberg, K[arl] Bober, Bruno Krauskopf, Urs. Stolte, P[aul] Hartmann, Else Wiegandt, E[rich] Dietrich, H. Schindler, G[eorg] Mathéy, Ed. Quaas, P[aul] Winkler[-Leers], Jos[ua Leander] Gampp
Edwin Scharff: Op. I. Träume, 9 Radierungen, 1912; Op. II. Skizzen, 12 Radierungen, 1912; Op. III. 7 Radierungen, 1912; Einzelblätter: Bergland, Reiter I, Reiter II, Seelandschaft (Radierungen), 1912; Graphische Flugblätter III. Reiter (Radierung, 1914; An die Fahnen (Lithographie), 1915
Adolf Schinnerer: Graphische Flugblätter. I: Adolf Schinnerer, Boot (Radierung), 1914; Ludwig Gorm: Adolf Schinnerer. Sein graphisches Werk. Mit einer Einleitung von Hans M. Sauermann, [Werkverzeichnis, 408 Nummern], 1915
Max Unold: Gargantua, 20 Holzschnitte, 1911 [1911 erstmals bei  SCHMIDT-BERTSCH, München ausgestellt]; Einzelblätter: Apfelkorb, Dame auf der Treppe, Teegeschirr (Holzschnitte, 1912, im Verlag Walther Berndt erschienen, 1913 vom Graphik-Verlag übernommen); Strassenszene (Holzschnitt), 1912; Graphische Flugblätter II. Max Unold, Französischer Bauer (Holzschnitt), 1914
Zeit-Echo. Ein Kriegstagebuch der Künstler. Jg. 1, 1914/15, Heft 1-23/24 - Jg. 2, 1915/16, H. 1-15. [Die Restauflage wurde 1920 von  GOLTZ, München übernommen. (Der Cicerone. H. 12 v. Juni 1920, Anzeigenseite; Der Ararat. Nr. 8 v. Juli 1920, S. 103); auch zahlreiche Mappenwerke des Graphik-Verlages wurden 1919 von Goltz angeboten. Siehe: Bücher, die ich liefern kann. Lager-Katalog Weihnachten 1919.- München: Hans Goltz Buchhandlung]

Bemerkung:
Die Anfänge des „Graphik-Verlag“ sind nach derzeitiger Quellenlage nicht zu eruieren. Der Gründungsort dürfte Bonn gewesen sein, das Gründungsjahr wohl 1911. 1912 ist ein Herbstverzeichnis nachzuweisen, das Graphik von Edwin Scharff und Max Unold verzeichnet (Der Kunstmarkt. Nr. 16 v. 17. 1. 1913, S. 148) und gleichzeitig eine Subskription auf Edwin Scharffs „Op. III Temperamente“ eröffnet. Daneben wird für das Frühjahr 1913 eine Mappe mit 12 Radierungen von Albert Weisgerber angekündigt. (Der Cicerone. H. 24, 1912, S. 941) Als Geschäftsstelle wird „München, Königinstr. 44“ angegeben, das war die Adresse der Kunsthandlung -> DER NEUE KUNSTSALON.
Am 22. April 1914 wurde das Unternehmen als G. m. b. H. angemeldet, im selben Jahr übersiedelte der Graphik-Verlag nach Berlin, Pariser Platz 7, das war das Wohnhaus von Max Liebermann, gleich neben dem Brandenburger Tor. Am 17. April 1915 wurde die erste Ausstellung eröffnet. „Ein neues Unternehmen tat sich am Pariser Platz auf, in dem gleichen Hause, in dem Max Liebermann wohnt und schafft. Hier mietete der Münchner ‚Graphik-Verlag’ einige Räume und zeigt einen Teil der Ausstellung der Neuen Münchner Secession, die im Münchner Kunstverein so unliebsames Aufsehen erregte.“ (Kunstchronik. Nr. 35 v. 28. 5. 1915, Sp. 445). (Die Ausstellung wanderte anschliessend zu -> RICHTER, Dresden.)
Der Leiter des Unternehmens war Otto Haas-Heye (1879-1959). Er war Verleger, Kunsthändler, Leiter einer Schneiderwerkstätte und des Modehauses „Alfred-Marie“ in Berlin. (Jaumann 1915;
Jay-Filene 1972; Metropolen 1977; Wagner 1999), später auch Lehrer an der Berliner Kunstgewerbeschule.
Haas-Heye war daneben auch Verleger und neben anderen Herausgeber und Redakteur der zwischen 1914 und 1916 im „Graphik-Verlag“ erschienenen literarisch-künstlerischen Zeitschrift „Zeit-Echo. Ein Kriegstagebuch der Künstler“. (Grötzinger 1994)
Die mit einem Umschlag von Max Unold versehene Zeitschrift wurde mit dem Ziel gegründet, die Wirkung des Krieges auf die Literaten und Maler festzuhalten, die Kriegsstimmung wiederzugeben. In einer Anzeige des Graphik-Verlages heisst es dazu: „So sei denn jetzt und hier den Künstlern eine stillere Stätte eröffnet, wo keine Scheu sie zurückhalten soll, ihre Person an die Erregung Aller hinzugeben und diese Erregung als ein beseeltes Echo an Mit- und Nachwelt weiterklingen zu lassen.“ (Anzeige in: Der Kunstfreund. H. [4] v. Januar 1915, Umschlagseite)
Hermann Hesse, einer der literarischen Mitarbeiter schrieb darüber im „Berner Bund“: Diese kleine aktuelle Künstlerzeitschrift spiegelt auf kleinstem Raume das Erleben der jüngeren deutschen Künstler- und Dichtergeneration während des Krieges […] Die jüngste Graphik hat nie so stark zu mir gesprochen wie in diesen Zeichnungen, Lithographien, Holzschnitten.“ (Zitiert in einer Anzeige des „Zeit-Echo“ in: Die weißen Blätter. H. 7 v. Juli 1916, Umschlagseite). Unter den zahlreichen künstlerischen Mitarbeitern waren u. a. Ernst Barlach, Karl Caspar, Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Alfred Kubin, Hans Richter und Walter Teutsch. Mit Annie Offterdinger, Edwin Scharff, Adolf Schinnerer und Max Unold waren auch Künstler des Graphik-Verlages vertreten.
Trotz des Krieges wurden 1915/16 eine Reihe von Ausstellungen veranstaltet. Die letzte, bisher dokumentierte Ausstellung, war Else Lasker-Schüler gewidmet (Marc/Lasker-Schüler 1987, S. 134), worüber sie in einem Brief an Karl Kraus schreibt: „Meine Bilder sind hier ausgestellt […] ehrwürdigen Monstrums, süße wilde Juden […] Meine Nerven werden verkauft von den Wänden.“ (Lasker-Schüler 1995, S. 213, hier fälschlich auf 1928 datiert). Danach wurden die Räume im Liebermann-Haus aufgegeben und der Verlag übersiedelte etwa Mitte 1916 in die Wilhelmstrasse 69.

Nachweise:
Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige

Anton Jaumann: Der Kleidermacher und die Zeichnerin.- in: Deutsche Kunst und Dekoration. H. 2 v. November 1915, S. 153-154
Adèle Jay-Filene: Otto Haas-Heye.- in: Costume. The Journal of the Costume Society. Nr. 6, 1972, S. 56-59
Metropolen machen Mode.- Berlin 1977
Franz Marc - Else Lasker Schüler. „Der Blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein Blaues Pferd.“ Karten und Briefe. Hrsg. und kommentiert von Peter Klaus Schuster.- München 1987
Vera Grötzinger: Der Erste Weltkrieg im Widerhall des ‚Zeit-Echo“.- Bern 1994
Else Lasker-Schüler 1869-1945. Bearbeitet von Erika Klüsener und Friedrich Pfäfflin.
Marbach 1995
Gretel Wagner: Otto Haas-Heye. Die Zeit in Berlin 1914-1925.- in: Waffen und Kostümkunde. Heft 1, 1999, S. 41-66