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Galerie Lutz & Co G. m. b. H.
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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LUTZ
GALERIE LUTZ & CO G. M. B. H.

Adresse: BERLIN, Preussen/Provinz Brandenburg (Berlin), Unter den Linden 21 (1922-1924); Viktoriastrasse 30 (1926)
Inhaber: Dr. Friedrich A. Lutz
Bestand: 1922-(1926)
Charakteristik: Kunsthandlung, Galerie
„Galerie Lutz & Co. Gemälde neuer Meister“ (Briefkopf); „Kunsthandlung Galerie Lutz & Co G. m. b. H. Unter den Linden 21. Berlin. Gemälde, Graphik, Plastik. Ständige Sonderausstellungen. Ankauf - Verkauf“ (Anzeige in: Sommerausstellung 1923. Galerie Lutz & Co)

Ausstellungen:
1922: Gemälde neuer Meister (dabei u. a. Marc Chagall, Curt Hermann, Oskar Moll, Alfred Partikel, Max Pechstein)
1923: Marc Chagall; Freie Secession (dabei u. a. Alexander Archipenko, Erich Behrendt, Charles Crodel, Bela Czobel, Heinrich Maria Davringhausen, Kurt Edzard, Julius Freymuth, Oskar Gawell, Rudolf Großmann, Karl Hofer, Max Kaus, Anton Kerschbaumer, Georg Kolbe, Edvard Munch, Richard Seewald, Erwin Schweitzer, Martel Schwichtenberg, Heinrich Tischler, Eugène Zak); Hermann Haller, Alfred Partikel; Gemäldeausstellung (dabei u. a. Camille Corot, Gustave Courbet, Eugène Delacroix, Narcisse Virgilio Diaz de la Peña, Vincent van Gogh, François Millet, Adolphe Monticelli, Camille Pissarro, Paul Signac); Frühjahrsausstellung (dabei u. a. Rudolf Großmann, George Grosz, René Paresce, Max Pechstein); Georg Kolbe; Sommerausstellung (dabei neben älteren deutschen und französischen Künstlern u. a. Alexander Archipenko, Marc Chagall, Charles Crodel, Arno Drescher, Julius Freymuth, George Grosz, Hermann Haller, Ivo Hauptmann, Curt Herrmann, Ernst Honigberger, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Georg Kolbe, Heinrich Graf Luckner, Oskar Moll, Emil Orlik, Martin Paatz, Alfred Partikel, René Paresce, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Anders Zorn); Julius Freymuth; Richard Scheibe
1924: Frühjahrsausstellung (dabei u. a. Charlotte Berend-Corinth, Robert Genin, Arthur Grunenberg, Franz Heckendorf, Willy Jaeckel, Oskar Moll, Martin Paatz); Franz Domscheit

Bemerkung:
Die vorliegenden Quellen zur Geschichte der „Galerie Lutz & Co“ sind äusserst spärlich. Friedrich A. Lutz wird als Leiter der modernen Abteilung der von Eduard Plietzsch geleiteten  GALERIE VAN DIEMEN genannt (Stationen der Moderne 1988, S. 124-125; Brief vom 9. 2. 1922, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Nachlass Gustav Schiefler; Brief vom 2. 11. 1922 an Katherine S. Dreier, New Haven, Yale University, Beinecke Rare Books and Manuscipt Library, Societé Anonyme collection). Möglicherweise wollte sich die ursprünglich auf alte Kunst spezialisierte Galerie Van Diemen von der modernen Abteilung wieder trennen und ermöglichte so die Gründung der Galerie Lutz, die aber von der Gesellschaftsform her in Verbindung mit Van Diemen blieb. (The Dial 1959, Nr. 16). Weitere Hinweise auf die Verquickung von Van Diemen und Lutz sind beispielsweise die geplante Ausstellung der „Freien Secession“, die im November 1922 für Februar/März 1923 in der Galerie Van Diemen angekündigt wurde (Der Sammler. Nr. 45 v. 11. 11. 1922, S. 700), tatsächlich aber bei Lutz stattfand. In der Besprechung der Ausstellung (Kunst und Künstler. H. 7 v. April 1923, S. 211-218) ist „von neuen Räumen der Galerie Lutz & Co“ die Rede, woraus man schliesen darf, dass die Galerie noch nicht lange bestand.
Die erste Ausstellung ist an der Jahreswende 1922/1923 nachgewiesen, bei der Werke von Marc Chagall, Curt Hermann, Oskar Moll, Alfred Partikel und Max Pechstein gezeigt wurden. (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 13/14 v. 29. 12. 1922/5. 1. 1923, S. 251). Die zweite Ausstellung war Marc Chagall gewidmet und in einer Rezension der Kollektivausstellung lesen wir „Ausstellung bei Lutz & Co <ehemals Van Diemen> in Berlin“ (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 16 v. 19. Januar 1923, S. 289).
Ein weiterer Hinweis auf die Verbindung der beiden Galerien ist die Tatsache, dass nach Beendigung der Ausstellungstätigkeit der Galerie Lutz im Jahre 1924 einige der Künstler von der Galerie Van Diemen betreut wurden, worüber weiter unten berichtet wird.
Das reiche und breite Angebot der Galerie Lutz, die auch über einen Oberlichtsaal verfügte, bestand neben älteren deutschen und französischen Künstlern aus zahlreichen Werken zeitgenössischer Künstler zwischen Berliner Impressionisten und gemässigten Expressionisten. Daneben war Lutz einer der wenigen Galeristen, der sich auch für Bildhauer einsetzte. Beispiel sind Hermann Haller, Georg Kolbe und Richard Scheibe.
Die „Sommerausstellung“ (Juni-Juli 1923) scheint die grösste Ausstellung der Galerie gewesen zu sein. Der Katalog nennt mehr als 300 Nummern. Von einigen Künstlern wurden grössere Kollektionen präsentiert. So war beispielsweise Max Pechstein mit 30 Werken vertreten, Oskar Moll mit 21, Alfred Partikel mit 18, Edvard Munch und Ernst Honigberger mit jeweils 13, Hermann Haller und René Paresce mit jeweils 11 Werken (Sommerausstellung 1923).
Die Verkäufe aus dieser Präsentation scheinen zufriedenstellend gewesen zu sein, denn wie damals im Kunsthandel üblich, wurde bei Ende der Ausstellung eine Presseaussendung mit der Meldung der Verkäufe versandt: „Aus den Beständen der Galerie Lutz & Co. Berlin hat die Kunsthalle Hamburg zwei Porträts von Edvard Munch und Skulpturen von Hermann Haller, die deutsche Abteilung des Museums in Prag Landschaften von Munch, Pechstein, Oskar Moll und Alfred Partikel erworben. Ein Delacroix ging in rheinischen Kunstbesitz über, ein früher Corot in Berliner Privatbesitz, Handzeichnungen von Daumier, Forain, Rodin nach Amerika, Gemälde von Moll und Partikel nach Japan und ein weiteres bekanntes Gemälde von Edvard Munch an einen bekannten Berliner Kunstsammler.“ (Der Kunstwanderer. Juli 1923, S. 468; Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 14 v. 15. 7. 1923, S. 110)
Der in der Verkaufsmeldung genante Hermann Haller (er war mehrfach in Einzel- und Gruppenausstellungen der Galerie vertreten) dürfte einen Vertretungsvertrag mit der Galerie Lutz gehabt haben, die auch die Abbildungserlaubnis erteilte (z. B. Abb. in: Die Kunst. H. 1 v. Oktober 1923, S. 1).
Weitere Verkäufe der Galerie sind dokumentiert an Scofield Thayer, den Herausgeber der amerikanischen Zeitschrift „The Dial“, der auf seiner europäischen Einkaufstour 1922/1923 Werke von Edvard Munch und von Marc Chagall bei Lutz erwarb (The Dial 1959. Nr. 16, 17, 67, 180, 183).
1923 beteiligte sich die Galerie Lutz an einer Umfrage der Zeitschrift „Das Kunstblatt“ über die Lage des Kunstmarktes und die Absatzmöglichkeiten zeitgenössischer Kunst und urteilte: „Die gegenwärtige Lage des Kunstmarktes entspricht der allgemeinen Wirtschaftslage, die als schwankend bezeichnet werden muss. Die Absatzmöglichkeiten für heutige Kunst sind dementsprechend komplizierter und schwieriger geworden. Ausstellungen werden, der hohen Unkosten wegen, nur in beschränktem Umfange stattfinden können. […] Es liegt, im Ganzen genommen, kein Grund vor, optimistisch zu sein“ (Wirtschaftslage 1923, S. 299).
Die Frühjahrsausstellung 1924 und die anschliessende Präsentation der Werke von Franz Domscheit dürften die letzten Ausstellungen der Galerie Lutz gewesen sein, zumindest kann das aus einer Bemerkung einer Berliner Zeitung geschlossen werden, die mitteilte, dass die Galerie „im Frühjahr ihre regelmäßigen Ausstellungen einstellte“ (Kreuz-Zeitung. 3. 10. 1924).
Danach dürfte sich die Galerie Lutz nur mehr auf den reinen Kunsthandel verlegt haben. Auch die von ihr bisher vertretenen oder betreuten Künstler sind in der Folge bei der Galerie  VAN DIEMEN anzutreffen, die beispielsweise als Leihgeber einer Ausstellung in Wien fungierte, wo Werke von Chagall, Pechstein und Haller zu sehen waren (Internationale Kunstausstellung 1924).
Spätere Aktivitäten der Galerie Lutz können derzeit nicht nachgewiesen werden. Im „Handbuch des Kunstmarktes 1926“ wird die Galerie in der Viktoriastrasse 30 genannt.
Ein Photo von Friedrich A. Lutz wurde in der von ihm organisierten „Ersten russischen Kunstausstellung“ in der Galerie Van Diemen aufgenommen und befindet sich im Naum-Gabo-Archiv der Berlinischen Galerie (Abb. z. B. in: Berliner Kunststücke 1990, S. 116), ein „Portrait des Kunsthändlers Lutz mit Brille“ ist von Fritz Steisslinger bekannt (Fritz Steisslinger 1978, S. 93).

Nachweise:
Archive:
Berlin: Berlinische Galerie (Naum-Gabo-Archiv); Hamburg: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Nachlass Gustav Schiefler); New Haven: Yale University, Beinecke Rare Books and Manuscipt Library (Societé Anonyme collection)
Literatur:
Handbuch des Kunstmarktes 1926

Sommerausstellung 1923.- Kunsthandlung Galerie Lutz & Co
Wirtschaftslage und Aussichten des Kunstmarktes.- in: Das Kunstblatt. H. 10 v. Oktober 1923, S. 294-301
Internationale Kunstausstellung. Gesellschaft zur Förderung Moderner Kunst in Wien.- Secession 1924
The Dial and the Dial collection.- Worcester Art Museum 1959
Fritz Steisslinger 1891-1957. Malerei, Zeichnung, Druckgraphik.- Sindelfingen 1978
Stationen der Moderne. Katalog epochaler Kunstausstellungen in Deutschland 1910-1962. Hrsg. v. Eberhard Roters. Kommentarband zu den Nachdrucken der zehn Ausstellungskataloge.- Köln 1988
Berliner Kunststücke.- Stuttgart 1990