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Neue Kunsthandlung Samuel Margules
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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NEUE KUNSTHANDLUNG
NEUE KUNSTHANDLUNG SAMUEL MARGULES
NEUE KUNSTHANDLUNG G. M. B. H.
ASCHINGER-MARGULES
KUNST-SALON MARGULES

Adresse: BERLIN, Preussen/Provinz Brandenburg (Berlin), Tauentzienstrasse 6; Lützowstrasse 31/Eingang Magdeburger Strasse (1929); Nettelbeckstrasse 11 (1929-1931)
Inhaber: Charlotte Aschinger, Samuel Margules (1917); Samuel Margules (1918/1919); G. m. b. H. (Geschäftsführer Samuel Margules)
Bestand: 1917-1931
Charakteristik: Kunsthandlung, Verlag
„Neue Kunsthandlung Samuel Margules. Kunsthandlung, Ausstellung von Graphik und Gemälden. Tauentzienstrasse 6. Inhaber: Samuel Margules“ (Berliner Adressbuch 1919); „Neue Kunstausstellung. Ständige Graphische Ausstellung. Berlin, Tauentzienstr. 6, Hochp.“ (Anzeige in: Der Sammler. Nr. 40 v. 4. 10. 1919, S. 14; Nr. 41 v. 11. 10. 1919, S. 16); „Neue Kunsthandlung. Berlin Tauentzienstr. 6. Ausstellung Moderner Graphik. Kauft Radierungen, Zeichnungen, Oelgemälde, ganze Sammlungen“ (Anzeige in: Der Kunstwanderer. 1. Maiheft 1920, S. 347); „Neue Kunsthandlung. Berlin W. Tauentzienstr. 6./7. Fernsprecher: Steinplatz 14 637. Ständige Ausstellung von Graphik erster Künstler. Liebermann, Orlik, Fingesten, Corinth, Thoma. Reichhaltiges Lager von Büchern über Kunst. Ankauf von Sammlungen und seltener Graphik.“ (Anzeige in: Adolph Donath: Psychologie des Kunstsammelns. Dritte, vermehrte Auflage.- Berlin 1920. S. XXXV); „Neue Kunsthandlung. Berlin W., Tauentzienstr. 6. Wir suchen zu kaufen: Graphik, Buecher, Luxusdrucke, ganze Bibliotheken, Sammlungen. Ständige Ausstellung“ (Anzeige in: Der Sammler. Nr. 17 v. 23. 4. 1921, S. 15; ähnlich in: Der Kunstwanderer. 1. Augustheft 1921, Anzeigenseite); „Ankauf Verkauf Gemälde, Handzeichnungen, Graphik von Liebermann, Meid, Orlik, Slevogt. Werke erster Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts.“ (Anzeige in: Der Sammler. Nr. 4 v. 27. 1. 1923, Anzeigenseite); „Neue Kunsthandlung. Berlin W 50, Tauentzienstr. 6. Sammler-Graphik. Seltene Blätter, Zustandsdrucke, Handzeichnungen von Corinth, Liebermann, Meid, Oppler, Orlik, Slevogt, Lesser Ury, Zorn usw. Ständige Ausstellung. Gemälde erster Meister des 19. u. 20. Jahrhunderts. Verlag. Graphik von Liebermann, Meid, Oesterle, Orlik, Pechstein, Slevogt, Lesser Ury usw.“ (Anzeige in: Adolph Donath: Technik des Kunstsammelns.- Berlin 1925. Anzeigenseite); „Neue Kunsthandlung. Berlin, Tauentzienstr. 6. Gemälde, Handzeichnungen, Graphik von Corinth, Liebermann, Meid, Orlik, Slevogt, Ury usw. Werker erster Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts. Neuerscheinung: Graphiker der Gegenwart: Heinrich Zille.“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 10 v. Mai 1925, Anzeigenseite); „Neue Kunsthandlung G. m. b. H., Kunsthandlung und Verlag. W 50, Tauentzienstr. 6. Gemälde, Handzeichnungen und Graphik von Corinth, Liebermann, Meid, Orlik, Paeschke, Slevogt, Ury usw.“(Anzeige in: Handbuch des Kunstmarktes 1926, S. 346); „Neue Kunsthandlung G. m. b. H., Inhaber: S. Margules, Berlin W 62, Nettelbeckstr. 11. Verlag, Kunst- u. Buchhandlung. Alte und Neue Gemälde, Graphik, Handzeichnungen. Gegr. 1917. Vertreter für Orlik, Pechstein und 30 andere Künstler.“ (Dresslers Kunsthandbuch.- Berlin 1930. S. 1358)

Ausstellungen:
1917: Jüdische Künstler (dabei Margarete Bernstein-Landsberg, Michl (Michel) Fingesten, Gertrud Flatow-Drucker, Erich Goldberg-Leobschütz, Dawid Aleksander Haltrecht, Boris Keith, Hugo Krayn, Min(n)a Lewi, Margot Lipmann, Simon Moselsio, Joseph Oppenheimer, Ernst Pickardt, Jakob Plessner, Else Wolff, Fritz Wolff, Erich Wolfsfeld, Benno Wulfsohn, Arnold Zadikow)
1918: Erich Büttner, Michl Fingesten, Fritz Lederer
1919: Berliner Zeichner (dabei Franz Christophe, Gino von Finetti, Ludwig Kainer, Fritz Koch-Gotha, Leonhard Scheurich, Paul Simmel, Ernst Stern, Walter Trier, Fritz Wolff, Heinrich Zille); Emil Orlik; Erich Wolfsfeld, Erna Frank, Curt Hoelloff; Michl Fingesten (Radierungen zur ‚Blechschmiede’ von Arno Holz) und Graphik von Erich Büttner, Fritz Lederer, Max Liebermann, Emil Orlik, Eugen Spiro, Jacob Steinhardt, Hermann Struck
1920: Lene Schneider-Kainer; Ernst Stern; Jacob Steinhardt; Wilhelm Oesterle; Walter Trier
1921: Michl Fingesten (Spanien-Bilder); Carl Emil Uphoff; Waldemar Eckertz; Totila Albert (Plastiken); Michl Fingesten (Graphik)
1922: Alexandra Rühmann [Prinzessin August Wilhelm]; Emil Orlik; Sammler-Graphik und alte japanische Holzschnitte; Marcel Frischmann, Willy Hintzmann Karl Hutloff, Grete (Margret) Kroch[-Frischmann]; Emil Orlik (Bildnisstudien, Radierungen und Theaterskizzen zu Gerhart Hauptmann); Jacob Steinhardt; Lesser Ury
1923: Claus Wrage; Handzeichnungen und Aquarelle (dabei u. a. Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Emil Orlik, Max Slevogt, Heinrich Zille); Willibald Krain; Arno Nadel; Gemälde (dabei u. a. Emil Orlik, Max Pechstein, Lesser Ury); Max Pechstein (Aquarelle aus der Schweiz und Ostpreussen)
1924: Lene Schneider-Kainer; Gino von Finetti; Hugo Steiner-Prag; Bilder (dabei u. a. Wilhelm Busch, Max Pechstein, Lesser Ury); Leo Michelson; Erich Waske
1925: Bruno Krauskopf; Johannes Schiffner (Tier-Kleinplastiken); Gino von Finetti; Ernst Klausz; Heinrich Zille; Paul Paeschke (Aquarelle, Pastelle, Handzeichnungen, Radierungen, Lithographien aus Spanien); Willy Jaeckel
1926: Ernst Fritsch (Bilder und Zeichnungen); Herbert Garbe (Plastiken und Zeichnungen); Walter Trier; Erich Büttner (Gemälde), Kurt Harald Isenstein (Plastiken); Adolf Edward Herstein; Berliner Bühnen-Bildner (in den Räumen der Berliner Secession, dabei u. a. Charlotte Behrend, Erich Büttner, Gino von Finetti, Rudolf Großmann, George Grosz, Willy Jaeckel, César Klein, Max Liebermann, Ernst Oppler, Emil Orlik, Josef Pilartz, Emil Pirchan, Renée Sintenis, Max Slevogt, Ernst Stern, Lesser Ury, Walter Trier); Franz Domscheit (Bilder und Reiseskizzen aus Konstantinopel und dem Balkan); Friedrich Feigl
1928: Der Humor in der Malerei (in den Räumen der Berliner Secession, dabei u. a. Marcus Behmer, Erich Büttner, Franz Christophe, Lovis Corinth, Otto Dix, Benedikt Fred Dolbin, Lyonel Feininger, Michl Fingesten, Gino von Finetti, Erich Godal, George Grosz, Paul Klee, Wilhelm Kohlhoff, Oskar Kokoschka, Bruno Krauskopf, Max Liebermann, Max Mayrshofer, Arno Nadel, Rolf Naegele, Emil Nolde, Emil Orlik, Max Pretzfelder, Joachim Ringelnatz, Paul Scheurich, Rolf Schlichter, Renée Sintenis, Max Slevogt, Jacob Steinhardt, Ernst Stern, Georg Tappert, Albert Weisgerber, Gert Wollheim, Heinrich Zille); [Peter Martin?] Lampel
Neue Räume in der Lützowstrasse 31:
1929: Edward Biberman
Neue Räume in der Nettelbeckstrasse 11:
1929: Ludwig Blum
1930: Michel Fingesten (Impressionen, Studien und Erinnerungen aus Spanien)

Verlag:
Reihe „Graphiker der Gegenwart“:
1. Paul Friedrich: Michel Fingesten. 1920; 2. Max Osborn: Emil Orlik. 1920; 3. Wolfgang Goetz: Ernst Stern. 1920; 4. Arno Nadel: Jacob Steinhardt. 1920; 5. Adolph Donath: Erich Wolfsfeld. 1920; 6. Alfred Kuhn: Käthe Kollwitz. 1921; 7. Lothar Brieger: Hans Meid. 1921; 8. Julius Elias: Max Liebermann. 1921; 9. Lothar Brieger: Lesser Ury. 1922; 10. Julius Elias: Max Slevogt. 1922; 11. Paul Friedrich: Anders Zorn. 1924; 12. Adolf Behne: Heinrich Zille. 1925.
Bücher und Mappenwerke:
Gino von Finetti: Rennen. 12 Radierungen. 1919
Michel Fingesten: 20 radierte Improvisationen zu ‚Die Blechschmiede’ oder Der umgestürzte Papierkorb. Mysterium von Arno Holz [1919]; 10 Radierungen über das Thema Mütter. Dichtung von Rudolf Leonhard. 1920; Richard Strauss: Krämerspiegel. Zwölf Gesänge von Alfred Kerr mit 12 Original-Lithographien von Michel Fingesten 1921; Paul Friedrich: Michel Fingesten. Ein Verzeichnis der graphischen Arbeiten des Künstlers. o. J.; Adolf Weissmann: Der klingende Garten. Impressionen über das Erotische in der Musik mit zehn Bildbeigaben von Michel Fingesten. 1920. [Eine Vorzugsausgabe in 200 numerierten Exemplaren mit den Original-Radierungen erschien im Verlag von Paul -> GRAUPE, Berlin]
Willibald Krain: Seitengassen. 10 Lithographierte Zeichnungen. 1923
Emil Orlik: Büchse der Pandora. 11 Lithographien. 1919; Erinnerungen an Hiddensee. 12 Lithographien. 1920; Kleine Holzschnitte. 34 Holzschnitte. 1920; 95 Köpfe von Emil Orlik. Mit einem Geleitwort von Max Osborn. 1920; Aus Reigen-Process. 14 Kreidelithographien. 1921
Einzelgraphik:
Friedrich Feigl, Erna Frank, Adolf Eduard Herstein, Wilhelm Oesterle, Paul Paeschke, Otto Quante, Julius C. Turner, Lesser Ury, Erich Wolfsfeld

Bemerkung:
„Vor kurzem ist in Berlin ein Kunstsalon eröffnet worden, der es sich zur besonderen Aufgabe gestellt hat, durch periodisch wechselnde Ausstellungen Werke jüdischer Künstler einem weiteren Kreis bekannt zu machen. Was also bisher in Berlin nur zwei mal in kurzen Ausstellungen [1907 und 1914] versucht worden ist, soll nun zu einem ständigen Unternehmen werden. […] Der Kunstsalon Aschinger-Margules, der in der Tauentzienstraße 6 einige freundliche Räume eröffnet hat, nimmt nun den Gedanken solcher Vorführungen wieder auf und bietet bereits in seiner ersten Veranstaltung eine Fülle bisher weniger bekannter oder noch ganz unbekannter Kunstwerke dar.“ (Karl Schwarz: Ein neuer Kunstsalon.- in: Ost und West. H. 9 v. September 1917, Sp. 401-406; Zitat Sp. 401).
Was Karl Schwarz als „Programm“ der neuen Kunsthandlung 1917 mitteilte, wurde von Samuel Margules (ursprünglich Margulies, 1882-1931) während der gesamten Bestandsdauer der Galerie in grossen Zügen durchgehalten. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der von Margules betreuten Künstler seines Verlags und seines Ausstellungsprogrammes waren jüdische Künstler.
Als Gründungsdatum wird der 1. Juli 1917 tradiert. In diesem Jahr firmierte die Kunsthandlung unter „Aschinger-Margules“ (Charlotte Aschinger und Salomon Margules, die 1917 heirateten),
1918 wird der Name mit „Kunst-Salon Margules“ angegeben, im Berliner Adressbuch 1919 lautet der Eintrag „Neue Kunsthandlung Samuel Margules. Kunsthandlung, Ausstellung von Graphik und Gemälden. Tauentzienstrasse 6. Inhaber: Samuel Margules“, später lautet die Bezeichnung „Neue Kunsthandlung G. m. b. H.“ und Samuel Margules wird als Geschäftsführer genannt. Der Standort der Galerie zwischen 1917 und 1929 war ein Lokal im Hochparterre in der Tauentzienstrasse 6 gegenüber dem „Kaufhaus des Westens“.
1919 wurde der „Verlag Neue Kunsthandlung“ angeschlossen. Anfangs wurde geworben mit der „Auslieferung der graphischen Arbeiten von Prof. Emil Orlik, Prof. Erich Wolfsfeld, Michl Fingesten, Oesterle“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 10 v. Mai 1920, Anzeigenseite), später mit „Verlag der Graphischen Arbeiten: Orlik, Wolfsfeld, Fingesten, Oesterle, Erna Frank, Finetti, Herstein, Feigl, Turner etc.“ (Anzeige in: Die Kunst. H. 6 v. März 1922, Anzeigenseite XXII).
Im Herbst 1920 begann die Reihe „Graphiker der Gegenwart“ zu erscheinen
(Anzeigen in: Der Cicerone. H. 20 v. Oktober 1920, Anzeigenseite; Der Kunstwanderer. 1. Dezemberheft 1920, S. 152), die ersten fünf Bände behandelten die Künstler Michel Fingesten, Emil Orlik, Ernst Stern, Jacob Steinhardt und Erich Wolfsfeld. 1921 folgten die Bände über Käthe Kollwitz, Hans Meid und Max Liebermann, 1922 Lesser Ury und Max Slevogt, 1924 Anders Zorn und als 12. Band 1925 Heinrich Zille.
Die Serie war erfolgreich und erlebte zahlreiche Auflagen. Eine „Zweitverwertung“ wurde dadurch erreicht, dass jeweils drei Bändchen in einem Band zusammengefasst wurden (zum Beispiel „103 Bilder aus der Sammlung Graphiker der Gegenwart“ mit den Bänden 2 (Orlik), 10 (Slevogt) und 11 (Zorn) der Reihe) . 1928/29 erschien der Sammelband „Graphik der Gegenwart“ als Band 3 der Jahresreihe „Die Buchgemeinde“. Restauflagen wurden später vom „Verlag Willy Weise G. m. b. H.“ übernommen und vertrieben. (Exemplare mit überklebter Verlagsangabe im Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien).
Dazu kamen zahlreiche Mappenwerke und Bücher mit Originalgraphik. Neben Gino von Finetti und Willibald Krain waren es vor allem Michl (Michel) Fingesten und Emil Orlik, die das Verlagsprogramm und das Ausstellungsprogramm prägten: Emil Orlik war mit zahlreichen Titeln im Verlagsprogramm vertreten und an acht Einzelausstellungen oder Gemeinschaftsausstellungen beteiligt, mit Fingesten dürfte den Kunsthändler eine besondere Freundschaft verbunden haben. Der Künstler schuf neben Exlibris für das Ehepaar Lotte und Samuel Margules auch gebrauchsgraphische Arbeiten für die Kunsthandlung wie beispielsweise die radierte „Einladung zum Besuch der Neuen Kunst-Handlung“ für die November-Ausstellung 1919, in der neben Fingestens Radierungen zur „Blechschmiede“ auch Graphik von Erich Büttner, Fritz Lederer, Max Liebermann, Emil Orlik, Eugen Spiro, Jacob Steinhardt und Hermann Struck gezeigt wurde (radierte Klappkarte im Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien). Fingesten war auch Band 1 der „Graphiker der Gegenwart“ gewidmet. Den Text schrieb Paul Friedrich, der auch das Katalogvorwort zur Ausstellung 1919 wie auch das „Verzeichnis der graphischen Arbeiten“ verfasste. Dazu kamen zahlreiche Einzelausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen zwischen 1917 und 1930. Weiters schuf Fingesten ein Plakat für den „Deflations-Sylvester-Rummel“ 1926 in der Neuen Kunsthandlung, wo auch das Ballbüro der Berliner Secession für die „Sylvesterfeier der Prominenten 1929“ war, auch hier stammte das Plakat von Fingesten wie bereits 1919 zu einer Faschingsveranstaltung der Secession.
Auch Erich Büttner war war mehrmals mit Einzelpräsentationen und in zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen vertreten. Zu seiner Kollektiv-Ausstellung 1926 erschien eine originelle lithographierte Einladungskarte mit der Selbstcharaktreristik „Die Ausstellung enthält Ölgemälde von 1921-1926 und zwar Landschaften, Stilleben und Bildnisse ohne Phantasterei ganz sachlich auf Licht, Luft, Portät-Ähnlichkeit und Charakter abgemalt“ (Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien).
Die Verbindung zu anderen Kunsthandlungen manifestierte sich beispielsweise bei der 1924 veranstalteten Ausstellung von Hugo Steiner-Prag, die auch in Hamburg (-> COMMETER) und in Wien (-> NEUE GALERIE) mit einem umfangreichen Katalog gezeigt wurde.
Margules veranstaltete einige Ausstellungen auch ausserhalb seiner Kunsthandlung: In den Räumen der Berliner Secession organisierte er 1926 anlässlich des internationalen Schauspieler-Kongresses in Berlin die Ausstellung „Berliner Bühnen-Bildner“, 1928 fand die lange vorbereitete Ausstellung „Der Humor in der Malerei“ ebenda statt.
Von Samuel Margules stammt auch eine der wenigen schriftlichen Äusserungen von Kunsthändlern: Anlässlich einer Umfrage zum Thema „Wie kann die Notlage der bildenden Künstler behoben werden“ schrieb der Kunsthändler: „Der einzelne Mäzen, der einzelne Kunsthändler kann der interessierten Oeffentlichkeit niemals in diesem Maße ein geschlossenes Bild des künstlerischen Wollens geben, und heute weniger denn je. Die wenigen Kunsthändler, die den Künstlern Ausstellungsräume zur Verfügung stellen können, leiden selbst unter der allgemeinen Schwierigkeit, ja sie leiden naturgemäß unter der allgemeinen Schwierigkeit aller anderen: d. h. sie finden in der Oeffentlichkeit nicht genügend Interesse und nicht genügend Unterstützung, um guten Mutes das Experiment wagen zu können, das die Propagierung eines jungen und noch unbekannten Künstlers immer bedeutet, ja, das sie gerade dann am meisten bedeutet, wenn es sich um Künstler von Rang und neuartiger Kraft handelt. Es liegt also nahe, daß diese Kunsthändler gezwungen sind, immer wieder Arbeiten von denjenigen Prominenten zu zeigen, als deren Vertreter sie von jeher galten und denen sie die geschäftlichen Erfolge früherer Zeiten zu verdanken haben. Wenn es so weitergeht, dann wird die deutsche Kunst nicht nur stranguliert, sondern eingehen, dann wird sie aus Mangel an frischer Luft ersticken.“ (Der Kunstwanderer. April 1926, S. 318-319)
Im Frühjahr 1929 zog die Neue Kunsthandlung in neue Räume in Berlin-Tiergarten, Lützowstrasse 31/Eingang Magdeburger Strasse, Ende desselben Jahres erfolgte ein neuerlicher Umzug nach Berlin-Schöneberg, Nettelbeckstrasse 11.
Margules begann seine Ausstellungstätigkeit 1917 mit jüdischen Künstlern und beendete sie ebenso mit Präsentationen der jüdischen Künstler Edward Biberman (New York) und Ludwig Blum, der seit 1923 in Palästina lebte. Die letzte bekannte Ausstellung war wieder Michel Fingesten gewidmet. Vom 18. 4.-10. 5. 1930 stellte er „Impressionen, Studien und Erinnerungen aus Spanien" aus.
Ende 1930 sah Samuel Margules keinen Ausweg aus seiner wirtschaftlich katastrophalen Lage und verübte am 2. Januar 1931 Selbstmord. „Die Berliner Kunsthändlerwelt hat einen schweren Verlust erlitten. Am Freitagabend vergiftete sich in der Wohnung Freisingerstr. 4 der 48 jährige Kunsthändler S. Margules durch Gas. […] Das Motiv ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu suchen. Margules, der Zeit seines Lebens viel armen Malern in freigebiger Weise geholfen hat, war durch die Krise auf dem Kunstmarkt in der letzten Zeit in immer größere Schwierigkeiten geraten, konnte zuletzt nicht einmal mehr die laufenden Verpflichtungen decken. Sein Bilderabsatz hatte fast vollkommen aufgehört.“ (Tempo. 4. 1. 1931; Dank an Stefan Pucks, Bergfelde, für eine Abschrift des Artikels.)
Adolf Donath schrieb in seinem Nachruf: „Der langjährige Besitzer der Neuen Kunsthandlung in Berlin S. Margules hat Selbstmord begangen. Wirtschaftliche Sorgen waren die Ursache. Margules war einer von jenen, der immer die Hoffnung gehabt hat, daß es den Künstlern und ihm besser gehen werde. Seine Neue Kunsthandlung in der Tauentzienstraße gehörte zu den besten modernen Kunstsalons von Berlin. Sie hatte sich glänzend eingeführt und es gab eine Zeit, da dort die Ausstellungen vortrefflich besucht wurden und daß dort auch das kaufkräftige kunstfreundliche Publikum immer Graphik und Bilder erwarb. Margules hatte sich zuerst auf die Graphik geworfen. Er machte interessante Graphik-Ausstellungen (Ury, Zille, Orlik, Fingesten usw.) und gründete eines Tages in dem Verlag der Neuen Kunsthandlung die Serie ‚Graphiker der Gegenwart’. Hier schrieben namhafte Kunstschriftsteller handliche Bändchen […] und die gut illustrierten Bändchen fanden auch guten Absatz. Margules förderte damit unzweifelhaft die moderne Graphik. Er hatte auch mehrfach Ausstellungen in der Berliner Secession arrangiert […] Margules hinterließ eine Witwe und zwei unmündige Kinder in großer Not.“ (Der Kunstwanderer. Januar 1931, S. 152)
Die Verankerung von Samuel Margules in der Berliner Künstler- und Theaterszene zeitigte nach seinem Tod eine Welle der Hilfsbereitschaft für seine in Not geratenen Söhne Hans und Peter: Der mit der Familie Margules befreundete Dichter Max Hermann Neiße und der Kabarettist und Schauspieler Willi Schaeffers organisierten eine Wohltätigkeitsveranstaltung im Kaisersaal des Zoo, die am 28. Januar 1931 stattfand. Der Schauspieler Alexander Granach sprach Worte von Hermann Neiße, sämtliche Berliner Kabarettisten beteiligten sich ebenso an der Veranstaltung wie die Künstler und Schriftsteller, die für eine Tombola Werke und Bücher stifteten. Mit einem „Gesellschaftskonzert“ klang der Abend aus. (Abbildung der Einladung in: Klaus Völker 1991, S. 141).
Mehr als 50 Jahre später tauchte in einem Berliner Antiquariat ein „Gästebuch der Neuen Kunsthandlung“ auf. Neben einem Photo, einer Ausstellungseinladung von Michl Fingesten und einer Zeichnung von Emil Orlik waren etwa 260 Namenseintragungen von Malern, Kunstwissenschaftlern, Literarhistorikern und Schriftstellern enthalten (Antiquariat Behrens, Berlin, Katalog 1, 1982, Nr. 17; heute in Privatbesitz).

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Adressbuch für den Berliner Buchhandel; Dressler 1923, 1930; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930

Juden im Deutschen Kulturbereich. Ein Sammelwerk. Hrsg. v. Siegmund Kaznelson. Dritte Ausgabe mit Ergänzungen und Richtigstellungen.- Berlin 1962
Norbert Nechwatal: Michel Fingesten 1884-1943. Das Graphische Werk.- Kronach 1984
Europäische Moderne. Buch und Graphik aus Berliner Kunstverlagen 1890-1933.- Berlin 1989
Klaus Völker: Max Hermann Neisse. Künstler, Kneipen, Kabaretts. Schlesien, Berlin, Im Exil.- Berlin 1991