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Reuss & Pollack
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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REUSS & POLLACK

Adresse: BERLIN, Preussen/Provinz Brandenburg (Berlin), Potsdamerstrasse 118c; Kurfürsterdamm 220/Eingang Meinekestrasse 1; Grunewaldstrasse 38; Schöneburgstrasse 11
Inhaber: Willy Pollack, Paul Reuss (1911-1913); Willy Pollack, Erich Franz Glaser (1913-); Willy Pollack (bis1926); Waldemar Askenasy (1927-1937)
Bestand: 1911(-1937)
Charakteristik: Buch- und Kunsthandlung, Antiquariat, Graphisches Kabinett
„Buchhandlung und Antiquariat. Ankauf einzelner Werke, sowie ganzer Bibliotheken. Ausländische Literatur. Deutsche Luxusausgaben. Graphisches Kabinett der ‚Neuen Secession’“. (Anzeige in: Die Kunstwelt. H. 10 v. Juli 1912, Anzeigenseite VIII); „Reuss & Pollack. Buchhandlung und Antiquariat. Berlin W. 35, Potsdamerstrasse 118c, Telef.: Amt Lützow 2829. Graphisches Kabinett. Bureau der Humboldt-Akademie. Kunst- u. literaturwissensch. Vorträge. Ständige Ausstellung von Luxusausgaben von in- und ausländischer Literatur. Ankauf einzelner Bücher sowie ganzer Bibliotheken“ (Anzeige in: Janus. H. 5, 1912/13, Anzeigenseite); „Reuss & Pollack. Buch- und Kunsthandlung, Verlag. Luxus-Ausgaben. Erstausgaben. Ständige Ausstellungen graphischer Arbeiten“. (Anzeige in: Modenkalender 1919. Gezeichnet von Georg Kobbe.- Berlin 1919)

Ausstellungen:
1911: Exlibris
1913: Exlibris; Tom (Seidmann-)Freud (Kinderspielzeug, Bilderbücher)
1916: Bucheinbände der Werkstätte Maria Lührs
1917: Seidenstickereien; Exlibris
1918: Kriegsgraphik (dabei u. a. Michael Biro, Walter Buhe, Erich Lüdke, Franz Peffer, Victor Schufinsky)
1920: [Klara?] Gumpertz
1922: Josef Fenneker; Michl Fingesten, Bruno Heroux
1924: Dietz Edzard
1925: Erna Lendvai-Dircksen (Fotografien)
1926: Nini und Carry Hess (Fotografien)
1927: Mario von Bucovich (Fotografien)

Verlag:
Da der Verlag „Reuss & Pollack“, später „Reuss & Pollack (Pollack & Glaser)“ eine eigene Rechtsform hatte, findet er hier keine ausführlichere Darstellung. Zwischen 1911 und 1930 sind etwa „90 Werke moderner Belletristik (Novellen, Lyrik), Reisebeschreibungen“ erschienen (Lexikon 1930, S. 55).
Zahlreiche Künstler, die zum Teil auch in der Kunsthandlung ausgestellt wurden, haben Einbände, Illustrationen und Originalgraphik zur Verlagsproduktion beigesteuert: Charlotte Berend [-Corinth], Therese Brumof, Erich Büttner, Josef Fenneker, Michl Fingesten, Erna Frank, Berthold Martin Herko, Willy Jaeckel, Ludwig Kainer, Georg Kobbe, Karla Lehr, Emil Orlik, Erna Plachte, Walter Salomon-Schüler, Otto Schoff, Ernst Stern, Kurt Szafranski, Margarete Wedel.

Bemerkung:
Am 27. Juni 1911 gründeten Willy Pollack und Paul Reuss zwei Firmen: Eine Buch- und Kunsthandlung mit Antiquariat und Graphischem Kabinett sowie einen Verlag in der Potsdamerstrasse 118c als unmittelbare Nachbarn der Kunsthandlung -> KELLER & REINER. Der Mitinhaber Willy Pollack war vielseitig interessiert, er war Mitglied der „Deutschen Bibliophilen-Gesellschaft“, des „Vereins für die Geschichte Berlins“ und des „Deutschen Verein für Exlibriskunst und Gebrauchsgraphik zu Berlin“ (Deutscher Verein 1912), in welcher Eigenschaft er auch die Buch- und Kunsthandlung zur Verfügung stellte: 1911, 1913 und 1917 fanden Exlibris-Ausstellungen statt, am 4. November 1912 hielt die Exlibris-Gesellschaft ihre Mitgliederversammlung bei Reuss & Pollack ab, bei welcher Gelegenheit der Jurist, Sammler und Malerradierer Dr. Erich F. Hübner einen Vortrag über „Graphische Kunst“ hielt (Exlibris. H. 3/4, 1912, Beilage S. 14).
Im Adressbuch des Deutschen Buchhandels werden auch „Veranstaltungen literarischer Abende“ genannt. Zwei dieser Veranstaltungen aus der Hochzeit des literarischen Expressionismus sind dokumentiert: Am 28. Januar 1913 „Literarisches Cabaret Gnu“ mit den Autoren Ernst Blass, Kurt Hiller, Carl Einstein, Franz Pfemfert, Paul Boldt (Anzeige in: Die Aktion. 22. 1. 1913) und am 5. Dezember 1913 eine Lesung von Franz Werfel und Kurt Hiller (Klaus Völker 1991, S. 32).
Paul Reuss schied Anfang 1913 aus der Firma aus und Erich Franz Glaser trat am 27. 1. 1913 als Teilhaber ein. Vor 1919 übersiedelte die Buch- und Kunsthandlung an die Adresse Kurfürstendamm 220/Eingang Meinekestrasse 1.
Die wenigen Ausstellungen, die derzeit dokumentiert werden können, belegen das weitgespannte Angebot und reichten von künstlerischem Kinderspielzeug und Bilderbüchern von Tom Freud (später Seidmann-Freud), einer Nichte Sigmund Freuds, die hier erstmals vor die Öffentlichkeit trat (Murken 1981, S. 166) über künstlerische Bucheinbände von Maria Lührs, eine Ausstellung von Seidenstickereien oder „Kriegsgraphik“ und 1925 eine der seltenen Präsentationen von Fotografien der Erna Lendvai-Dircksen.
{1922 wurde in den Geschäftsräumen von Reuss & Pollack „eine ständige Ausstellung für graphische Kunst“ eingerichtet (Der Sammler. Nr. 37 v. 16. 9. 1922, S. 586), die jedoch von der Kunsthandlung -> DAS PARTHENON organisiert wurde, die damit ihrer Galerie am Kurfürstendamm 231 eine Zweigstelle angegliederte und am 9. September 1922 ihr Programm mit einer Ausstellung der Graphik von Hermann Struck eröffnete.}
Mit Jahresende 1926 schied der Mitbegründer Willy Pollack aus und verkaufte Buchhandlung und Verlag an Waldemar Askenasy, der um 1930 in die Grunewaldstrasse 38 und um 1934 in die Schöneburgstrasse 11 übersiedelte, wo er bis etwa 1937 nachweisbar ist.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Adressbuch für den Berliner Buchhandel; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Internationales Adressbuch der Antiquare

Deutscher Verein für Exlibriskunst und Gebrauchsgraphik zu Berlin. Mitgliederliste. Dritter Nachtrag April 1912
Lexikon der deutschen Verlage. Eine Chronik der deutschen Verlagsfirmen.- Leipzig [1930]
Barbara Murken: Tom Seidmann-Freud. Leben und Werk.- in: Die Schiefertafel. H. 3 v. Dezember 1981, S. 163-201
Klaus Völker: Max Hermann Neisse. Künstler, Kneipen, Kabaretts. Schlesien, Berlin, Im Exil.- Berlin 1991