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Kunstkammer Martin Wasservogel
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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WASSERVOGEL (Kunstkammer Martin Wasservogel)
KUNSTKAMMER MARTIN WASSERVOGEL
KUNST-KAMMER MARTIN WASSERVOGEL
KUNST KAMMER MARTIN WASSERVOGEL

Adresse: BERLIN, Preussen/Provinz Brandenburg (Berlin), Leipziger Strasse 26 (ab 1926); Lennéstrasse 6 (um 1932)
Inhaber: Martin Wasservogel
Bestand: 1926-(1932)
Charakteristik: Kunsthandlung, Verlag

Ausstellungen:
1926: Lesser Ury; George Grosz
1927: Heinrich Ehmsen
1928: Heinrich Ehmsen; Lesser Ury; Maurice Minkowski; Gemälde und Aquarelle ostpreussischer Maler (dabei u. a.: Artur Degner, Pranas Domsaitis [d. i. Franz Domscheit], Karl Eulenstein, Julius Freymuth, Hans Lasko, Max Neumann, Alfred Partikel); Gino von Finetti; Stilleben-Ausstellung; Willy Jaeckel
1929: Lubov Kosinzova [Ljubov' Michajlovna Kozinceva]; „Ererbtes Talent“ (dabei u. a. Marina von Achenbach, Annot [Krigar-Menzel], Rafaelo Busoni, Margot Einstein, Manfred Hirzel, Ilse Josky, Hans Kraus, Sabine und Monica Lepsius, Frank Morse-Rummel, Ilse Weissmann, Ulfert Wilke); Hans Lasko
1930: Heinrich Ehmsen; Alfred Knispel

Verlag:
Zwischen 1926 und 1929 erschienen zahlreiche literarische Werke von Lothar Brieger, Peter Flamm [d. i. Eric Peter Mosse], Hans Flesch[-Bruningen], Moritz Goldstein, Claire Goll, Ivan Goll, Max Herrmann[-Neisse], Georg Hirschfeld, Gregor Jarcho, Victor Klages [d. i. Victor Ernest Wyndheim], Michael Osten und Hans Schönfeld.
Von der umfangreichen Verlagsproduktion werden nur die Titel mit Beziehung zur bildenden Kunst aufgeführt:
Arthur Rümann: Honoré Daumier. 1926
Arthur Rümann: Gavarni. 1926
Arthur Rümann: Daniel Chodowiecki. 1926
Arthur Rümann: George Cruikshank. 1926
Ivan Goll: Die Eurokokke. Mit 9 ganzseitigen Zeichnungen von Georges Annenkoff [Jurij Pavlovic Annenkov]. 1927
Max Herrmann[-Neisse]: Einsame Stimme. Ein Buch Gedichte. Mit einer Lithographie von Georges Grosz. 1927
Ernst Cohn-Wiener: Die jüdische Kunst. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1929

Bemerkung:
Martin Wasservogel (1879-1956) eröffnete seine Galerie „Kunstkammer Martin Wasservogel“ im November 1926 mit einer Ausstellung anlässlich des 65. Geburtstag von Lesser Ury, der „Neue Bilder aus London und Berlin“ zeigte. Die Künstlerwahl schien programmatisch zu sein, denn in der Folge legte der Galerist seinen Schwerpunkt auf Künstler aus dem „Osten“ und zeigte beispielsweise Werke ostpreussischer Maler wie Artur Degner, Franz Domscheit, Julius Freymuth, Hans Lasko, Max Neumann, Alfred Partikel, die ukrainische Malerin Lubov Kosinzova (Ehefrau des Schriftstellers Ilja Ehrenburg) oder den polnischen Maler Maurice Minkowski.
Des weiteren trat er besonders für Heinrich Ehmsen ein, dessen erste Berliner Ausstellung er 1927 organisierte, weitere folgten 1928 und 1930. Wasservogel, der auch Werke des Künstlers besaß (Behne 1946, Abb. 31 und 48), gelang es auch, ein Werk des Künstlers an die Nationalgalerie zu verkaufen (Kunst in Deutschland 1992, Nr. 78).
Zahlreiche Ausstellungen in der Kunstkammer waren von relativ aufwendigen Katalogen (32 Seiten mit Abbildungen) begleitet, für die der Kunsthändler die besten Kunstschriftsteller seiner Zeit verpflichten konnte, beispielsweise Lothar Brieger (Heinrich Ehmsen), Carl Einstein (George Grosz), Ernst Cohn (Lesser Ury), Paul Fechter (Ostpreussische Maler), Anton Mayer (Gino von Finetti), Franz Servaes (Lesser Ury).
Ein interessantes und aufschlussreiches Zeitdokument ist die Besprechung von Karl Scheffler der Ausstellung von Hans Lasko, weil man etwas über Preise und Verkäufe erfährt: „Einen Publikums- und Verkaufserfolg hat der Ostpreuße Lasko in der Kunstkammer mit seiner Ausstellung gehabt. Der Umstand, daß er etwa dreißig Bilder verkauft hat, verdient erwähnt zu werden, weil er diesen Erfolg zum Teil den billigen Preisen verdankt, die sich zwischen 100 und 300 Mark bewegen. Im allgemeinen sind Bilder junger deutscher Künstler viel zu teuer; daß sich bei vernünftigen Preisen Käufer finden, beweist dieser Fall.“ (Kunst und Künstler. H. 3 v. Dezember 1929, S. 124)
1930 startete Wasservogel den Versuch, eine Auktion moderner Werke zu veranstalten. Nach einem Bericht von Charlotte Weidler ist das aber missglückt: „In Berlin unternahm die Kunstkammer Martin Wasservogel den Versuch einer Versteigerung moderner Bilder mit gänzlich unzulänglichen Mitteln. Bei dieser völlig unmöglichen Zusammenstellung […] bei diesem Überwiegen des Qualitäts- und Talentlosen und bei den viel zu hoch angesetzten Ausrufpreisen war es kein Wunder, daß es kaum einmal zu einem Gebot kam. Gewiß, man soll genau wie in Paris versuchen, Marktpreise für lebende Künstler zu schaffen. Aber es geht nicht an, daß mit einem Ausrufpreis begonnen wird, der häufig weit über dem Preise liegt, zu dem man bei den Künstlern selbst kaufen kann.“ (Das Kunstblatt. H. 7 v. Juni 1930, S. 222)
Um 1932 übersiedelte die „Kunstkammer“ in die Lennéstrasse 6. Weitere Aktivitäten sind derzeit nicht bekannt. Martin Wasservogel musste als Jude emigrieren, kehrte aber nach dem Krieg wieder nach Berlin zurück, wo er 1956 starb.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Maecenas 1930

Adolf Behne: Heinrich Ehmsen.- Potsdam 1946
Juden im deutschen Kulturbereich. Ein Sammelwerk. Hrsg. v. Siegmund Kaznelson. Dritte Ausgabe mit Ergänzungen und Richtigstellungen.- Berlin 1962. S. 127
Kunst in Deutschland 1905-1937. Die verlorene Sammlung der Nationalgalerie im ehemaligen Kronprinzen-Palais. Dokumentation. Ausgewählt und zusammengestellt von Annegret Janda und Jörn Grabowski.- Berlin 1992