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Ernst Zaeslein
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
    • Werner J. Schweiger (1949 - 2011)

  • TitleErnst Zaeslein[Eintrag für geplante Publikation "Lexikon des Kunsthandels der Moderne im deutschsprachigen Raum 1905-1937"]
  • Date2005 - 2011
  • CategoryManuskripte
  • Materialdigital
  • FondsKunstarchiv Werner J. Schweiger
  • Inventory NumberBG-WJS-M-1,72
  • CreditlineZustiftung Christa M. Schweiger, Wien und Wolfgang Wittrock, Berlin, 2016
  • On DisplayNo
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ZAESLEIN, Ernst
ERNST ZAESLEIN

Adresse: BERLIN, Preussen/Provinz Brandenburg (Berlin), Leipziger Straße 128 (ab 1898); Potsdamerstrasse 129 {(um 1900)}; Neue Winterfeld-Strasse 26 (um 1906 bis um 1909); Wernerstrasse 15 (1912); Schorlemeralle 36 (1916)

Inhaber: Ernst Zaeslein
Bestand: 1898-(1918)
Charakteristik: Gemäldesalon, Kunsthandlung
„Ernst Zaeslein. Kunsthandlung - Gemäldesalon. Leipzigerstrasse 128 gegenüber dem Kriegsministerium. Verkauf von Werken erster moderner Meister für öffentliche und private Sammlungen. Eintritt frei.“ (Anzeige in: Deutsche Kunst. Nr. 11 v. 1. März 1898, S .219); „Ernst Zaeslein […] z. Z. ausgestellt: Uhde, Thoma, Stuck, W. v. Diez, Alb. Keller, Munthe†, Leemputten, H. Kaufmann, Kallmorgen, Rettich, Förster etc.“ (Anzeige in: Deutsche Kunst. Nr. 16 v. 1. 6. 1898, S. 319); „Ernst Zaeslein. Gemäldesalon. Permanente Verkaufsausstellung. Eintritt frei. Leipzigerstrasse 128“ (Anzeige in: Deutsche Kunst. Nr. 6 v. 31. 12. 1898, S. 120); „Ernst Zaeslein. Kunsthandlung. Verkauf von gewählten Werken moderner Meister. Ausstellung. Eintritt 50 Pf. Jahreskarte 1 M.“ (Anzeige in: Deutsche Kunst. Nr. 11/12 v. 10. 4. 1899, S. 240); {„Ernst Zaeslein. Kunsthandlung. Berlin W. Potsdamerstr. 129 und 130 (Ecke Eichhornstr., nächst dem Wannseebahnhof). Permanente Kunstausstellung. Verkauf hervorragender moderner Gemälde. Eintritt 50 Pfg.- Jahreskarte 1 Mk.“ (Anzeige in: Berliner Secession. 2. Ausstellung 1900, Anzeigenseite);} „Ernst Zaeslein, Kunsthandlung, [Berlin] W., Neue Winterfeld-Str. 26. Gegr. 1885. Charakter der Kunsthandlung: Ein- und Verkauf von bedeutenden Ölgemälden kunstgeschichtlich anerkannter Meister, vornehmlich des 19. Jahrhunderts. Steht in Verkehr mit den Museen des In- und Auslandes. Angebote erwünscht, auch aus Privatbesitz“ (Dresslers Kunstjahrbuch 1906. S. 507); „Ich kaufe gegen Kasse Oelbilder und Gouachen von W. Leistikow† (neuere Periode). Künstler, die etwas Verkäufliches besitzen oder im Besitz von Kollegen oder Privaten kennen, wollen mir gütigst genaue Beschreibung nebst Preis senden.“ (Anzeige in: Die Werkstatt der Kunst. Jg. 8, 1908/09, S. 251); „Meine Corinth-Sammlung (Original-Oelgemälde) umfaßt die Perioden von Königsberg, Paris, München, Berlin- Dabei verschiedene Hauptwerke.- Von M. Slevogt Kollektion tonschöner seltener Originale aus seiner Münchner Zeit. An Museen und Privatsammlungen erteilt nähere Auskunft Ernst Zaeslein, Berlin-Grunewald Wernerstraße 15“ (Anzeige in: Der Kunstmarkt. Nr. 12 v. 20. 12. 1912, S. 118)

Bemerkung:
Ende der Neunzigerjahre erweiterte sich die Berliner Kunsthandelsszene ganz bedeutend: Zu den bereits eingesessenen Firmen -> SCHULTE und -> GURLITT gesellten sich 1897 die Kunstsalons -> KELLER & REINER und -> RABL und 1898 -> RIBERA und -> CASSIRER.
Anfang 1898 eröffnete {Ernst Zaeslein (1863-1918) seine Galerie unter dem Namen} „Ernst Zaeslein. Kunsthandlung - Gemäldesalon“ in der Leipzigerstrasse 128 und annoncierte den „Verkauf von Werken erster moderner Meister“.
Zwar wird in „Dresslers Kunstjahrbuch 1906“ das Gründungsjahr der Galerie mit 1885 angegeben, Berichte der Zeitschrift „Deutsche Kunst“ aus dem Jahr 1898 sprechen aber von einer Neueröffnung. Möglicherweise handelte es sich auch nur um die Neuerrichtung an der Adresse Leipziger Strasse 128.
„Ob in Berlin bei den massenhaften Darbietungen der bildenden Kunst noch ein Bedürfniß nach einer neuen Ausstellung vorhanden war, erscheint zweifelhaft, jedenfalls aber darf man dem neuen Unternehmen des Herrn E. Zaeslein, welcher vor Kurzem auf der Leipzigerstraße einen Gemäldesalon in Verbindung mit einer Kunsthandlung zur unentgeltlichen Besichtigung eröffnete, die besten Wünsche entgegenbringen. Die Räume sind den modernen Anforderungen gemäß behaglich ausgestattet und von gutem Lichte begünstigt. Das Programm scheint nicht darauf berechnet, in schnellem Wechsel die neuesten Erscheinungen der bildenden Kunst vorzuführen, aber die Auswahl zeugt von einer zielbewußten und umsichtigen Leitung.“ (Deutsche Kunst. Nr. 11 v. 1. 3. 1898, S. 205). Der Rezensent Karl Krummacher erwähnt eine Reihe von Künstlern, deren Werke ausgestellt waren: Hans Thoma, Arnold Böcklin, Franz Stuck, Fritz von Uhde, Andreas Achenbach. Drei Monate später berichtete dieselbe Wochenschrift von dem Gemäldesalon, „der sich trotz der massenhaften Kunstdarbietungen aller Art vollkommen zu bewähren scheint. Es ist dem Besitzer weniger darum zu thun, in raschem Wechsel der Bilder extravagante und epochemachende Neuigkeiten vorzuführen, als jene guten, modernen und älteren Meister zu bringen, die von einem breiteren Publikum nicht nur verstanden und anerkannt, sondern - auch zum Theil gerade der Namen wegen - gekauft werden.“ (Deutsche Kunst. Nr. 16 v. 1. 6. 1898, S. 317 mit 2 Abbildungen des Kunstsalons S. 317 und 318)
Als Besonderheit und „nachahmenswerte Neuerung“ hob der Berichterstatter hervor, dass kein Eintritt erhoben wurde. (Was später wieder zurückgenommen wurde, wie einer Anzeige des Jahres 1899 - Deutsche Kunst. Nr. 11/12 v. 10. 4. 1899, S. 240 - zu entnehmen ist.)
Aus Anzeigen und den gelegentlich erscheinenden Besprechungen kennen wir die von Zaeslein angebotenen Künstler: Andreas Achenbach, Hans von Bartels, Arnold Böcklin, Anton Braith, Wilhelm von Diez, Berthold Paul Förster, Friedrich Kallmorgen, Albert Keller, Nelson Kinsley, Franz von Lenbach, Max Liebermann, Bruno Liljefors, Gabriel Max, Otto Modersohn, Ludwig Munthe, Georg Papperitz, Theophil Preiswerk, Karl Lorenz Rettich, Hermann Rüdisühli, Hans Sandreuter, Leopold Schmutzler, Stephanie von Strechine, Franz Stuck, Hans Thoma, Fritz von Uhde.
Über Verkäufe der Kunsthandlung ist nur wenig überliefert. Ein Angebot von Zaeslein an das Aachener Reiff-Museum ist bekannt: In einem Schreiben vom 19.10.1904 bot der Kunsthändler zwei Portraits (Otto von Bismarck, Helmuth Graf von Moltke) von Franz von Lenbach zu einem Preis von 30.000 Mark an und pries sie als „die einzigen dieser Bilder, die aus dieser gesuchtesten Periode, wo Künstler und Dargestellte auf solcher Höhe standen, noch vorhanden sind.“ (Reiff-Museum. Kunsthistorisches Institut der RWTH Aachen). Einen Verkauf meldete „Der Cicerone“ 1909: Das städtische Museum [in Halle an der Saale] erwarb kürzlich von der Kunsthandlung Ernst Zaeslein, Berlin, eine Märkische Flußlandschaft von Walter Leistikow.“ (Der Cicerone. H. 4, 1909, S. 130).
Wie lange die Kunsthandlung bestand, ist derzeit nicht bekannt. Der oben beschriebene Verkauf und die letzte Eintragung in „Dresslers Kunstjahrbuch 1909“ belegen die Aktivitäten bis 1909, Anzeigen wurden bis etwa 1912 geschaltet. Um 1909 erfolgte der Umzug nach Neue Winterfeldstrasse 26, später war Zaeslein in Berlin-Grunewald, Wernerstrasse 15 und Berlin-Dahlem, Schorlemeralle 36 nachweisbar. Ob es sich dabei um die Privatadressen handelte, von der aus Zaeslein seinen Kunsthandel betrieb, oder um ein Verkaufslokal, ist unbekannt. {(In dem Anfang 1913 erschienenen Verzeichnis „Allgemeiner Kunst-Ausstellungs-Kalender“, S. 143, ist er mit der Adresse „Berlin-Grunewald, Wernerstraße Villa Nr. 15“ verzeichnet. „Ankauf von Werken erster Meister des 18. und 19. Jahrhunderts. Käufe auch aus Privatbesitz“.)}
Für „Privatadresse“ spricht aber auch die Tatsache, dass beispielsweise an der Adresse Schorlemeralle 36 {auch seine Ehefrau}, die Portraitmalerin Vicky (Victoria) Zaeslein-Benda (1870-1923) zu finden war. Im Berliner Adressbuch ist Ernst Zaeslein bis 1918 enthalten, {er starb am 9. Dezember 1918 in Zürich} (Dank an Stefan Pucks, XXXXXXX, für ergänzende Hinweise).
Der Kunsthändler trat auch als Sammler von Werken von Lovis Corinth hervor. Seine Sammlung wurde in einer kleinen Schrift dokumentiert (Originalgemälde von Lovis Corinth) und im Oktober 1912 im Berliner Kunstsalon -> SCHULTE ausgestellt. {„Die Sammlung zeigt zum ersten Male alle Schaffensperioden des Meisters von 1879 bis 1910 […] Neben neueren Hauptwerken befinden sich darunter auch frühere Bilder, die noch nie ausgestellt waren.“ (Der Kunstmarkt. Nr. 1 v. 4. 10. 1912, S. 5)} Curt Glaser resümierte die Ausstellung wenig schmeichelhaft: „eine Sammlung, die seine ganze Entwicklung darstellen will, leider aber nicht immer an besten Beispielen. Ein ganz erstrangiger Corinth ist wohl nur der Schlächterladen in Schäftlarn“ (Die Kunst. H. 2 v. November 1912, S. 94). Auch Karl Scheffler fand für die Sammlung wenig anerkennende Worte: „Eine Kollektion von Bildern Corinths […] macht einen wenig günstigen Eindruck. Gut vertreten ist Corinth in dieser Sammlung nur durch einen ‚Schlachterladen’. Alles andere ist mit ziemlich unglücklichem Qualitätsurteil ausgewählt.“ (Kunst und Künstler. H. 2 v. November 1912, S. 124) Der in den Rezensionen genannte „Schlachterladen“ wurde 1913 von der Kunsthalle in Bremen erworben. Zahlreiche Werke mit Zaeslein-Provenienz sind in der 1913 erschienenen Corinth-Monographie nachgewiesen (Georg Biermann 1913).
{Ernst Zaeslein starb 1918 in Zürich.}

Nachweise:
{Archive:
Aachen: Reiff-Museum. Kunsthistorisches Institut der RWTH Aachen); Basel: Staatsarchivs Basel-Stadt (Familienarchiv Zaeslin [Zaeslein])}
Literatur:
Jahrbuch der bildenden Kunst. 1902; Dressler 1906, 1907, 1909

Originalgemälde von Lovis Corinth. Sammlung im Besitze von Ernst Zaeslein, umfassend alle Schaffensperioden Königsberg, Paris, München, Berlin 1879 bis 1910.- Berlin [1912]
Georg Biermann: Lovis Corinth.- Bielefeld 1913