Results:  1

Kunstsalon Leuwer
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
Transcription / Description
Further links
Related Objects
Additional Reproductions

LEUWER, Franz
FRANZ LEUWER
FRANZ LEUWER. BUCH- UND KUNSTHANDLUNG
KUNSTSALON LEUWER

Adresse: BREMEN, Freie Hansestadt Bremen, Obernstrasse 57 (ab 1903); Obernstrasse 14 (ab etwa 1906)
Inhaber: Franz Leuwer (1903-1916); Anni (Johanna Rosa) Leuwer, geb. Neumark, Carl Emil Spiegel (1917-1933); Carl Emil Spiegel (ab 1933)
Mitarbeiter: Leopold Otto Heinrich Biermann (Kunsthandlung)
Bestand: Gründung 1903
Charakteristik: Buch- und Kunsthandlung, Gemäldeausstellung, Verlag
„Permanente Kunstausstellung, Gemälde, Kunstgewerbe, Möbel. Franz Leuwer. Vorm. v. Halemsche Buch- und Kunsthandlung. Obernstr. 14“ (Plakat von Friedrich Wilhelm Kleukens, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg); „Franz Leuwer, Bremen. Kunsthandlung. Dauernde Gemäldeausstellung, Graphik, Handzeichnungen, Bronzen. Reproduktionen Alter und Neuer Meister“ (Anzeige in: Emil Nolde. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Graphik.- Oldenburg 1925. Anzeigenseite)

Ausstellungen:
1906: Georg Tappert; Elisabeth von Baczko, Frl. Erler; Wilhelm Leibl
1907: Julius Klinger
1924: Paula Modersohn-Becker
1928: Waldemar Rösler (1882-1916)
1934: Anton Leidl

Verlag:
Von der breit gestreuten Verlagsproduktion werden nur die Titel mit Beziehung zur bildenden Kunst aufgeführt.
Pauli, Gustav: Gemälde alter Meister im bremischen Privatbesitz. Eine Erinnerung an die Ausstellung in der Kunsthalle zu Bremen […] 1905
Katalog der Gemälde und Bildhauerwerke der Kunsthalle zu Bremen 1907 (spätere Ausgaben 1913 und 1925)
Jahrbuch der bremischen Sammlungen. (Verschiedene Herausgeber, dabei Gustav Pauli, Emil Waldmann.). Jg. 1, 1908 bis Jg. 5, 1912
Bremer Musenalmanach auf das Jahr 1910. Hrsg. v. Franz Leuwer 1909 (Mit Beiträgen von Alfred Walter Heymel, Rudolf Alexander Schröder u. a., Kalender „Die Liebe in den zwölf Monaten von Edmund Schaefer)
Pauli, Gustav: Die Aufgaben des modernen Kunstmuseums. Öffentlicher Vortrag, gehalten am 29. März 1912 im Casino zu Bremen 1912
Paula Becker-Modersohn. Eine Künstlerin. Briefe und Tagebuchblätter. Hrsg. im Auftrag der Kestner-Gesellschaft e. V. Hannover von Sophie Dorothea Gallwitz 1917 (zahlreiche Auflagen, ehe das Werk in den Verlag Kurt Wolff überging)
Emil Waldmann: Stätten von einst 1928
Sophie Dorothea Gallwitz: Bremen 1929

Bemerkung:
Die nach Eigendefinition „wohl älteste Buchhandlung Bremens“ feierte 2003 das hundertjährige Bestehen und ist, nach mehrerer Standort- und Besitzerwechseln, an der Adresse Am Wall 171 tätig. Der aus der Eiffel stammende Franz Leuwer (1876-1916) war Prokurist der 1863 gegründeten „Buchhandlung G. A. von Halem“, die seit 1901 in der Obernstrasse 57 ihren Standort hatte. 1903 erwarb Leuwer die Buchhandlung und bot neben dem Sortiment auch „Kunstgewerbe, Kleinkunst und Graphik“ an und betrieb eine „Permanente Gemälde-Ausstellung“ (Jahrbuch der bildenden Kunst 1904, Sp. 88), später kamen auch noch Möbel zum Angebot dazu (Dressler 1906, S. 507).
Um 1906 Umzug nach Obernstrasse 14, wo es neben einem Oberlichtsaal auch drei weitere Räume gab (Dressler 1923. S. 862). Beworben wurde der neue Standort mit einem Plakat der „Steglitzer Werkstatt“, Berlin, entworfen von Friedrich Wilhelm Kleukens (Das frühe Plakat 1980, Nr. 1617). Neu im Angebot waren auch Möbel: „Bei uns in Bremen sind bereits sehr tüchtige Kräfte am Werk, um dem Bedürfnis nach gutem und gediegenem Hausgerät nachzukommen, und als der tüchtigsten eine dürfen wir Fräulein Elisabeth von Baczko nennen, die seit einigen Monaten in Bremen ansässig ist […] Sie tritt nun im Kunstsalon Leuwer […] mit außerordentlich schönen und gediegenen Möbeln an die Öffentlichkeit.“ (Bremer Tageblatt. 13. 3. 1906, zitiert in: Nils Aschenbeck 1992). Gleichzeitig stellte ein „Frl. Erler“ aus und Anna Goetze resümiert: „Fürwahr die kunstgewerbliche Ausstellung bei Franz Leuwer zeigt uns [...] eine außerordentliche Selbständigkeit und eine nicht ge¬wöhnliche künst¬lerische Kraft mit Geschmack und Grazie vereint." (Bremer Courier. 13. 3. 1906, zitiert in: Nils Aschenbeck 1992)
Die in den Anzeigen verwendeten Begriffe „Permanente Gemälde-Ausstellung“ und „Permanente Kunstausstellung“ weisen darauf hin, dass Leuwer nicht auf wechselnde Ausstellungen setzte, sondern aus dem regelmässig sich ändernden Angebot verkaufte. Dies mag der Grund sein, warum nur einige wenige Ausstellungen überliefert sind.
„Für die Betreuung des Kunsthandel-Bereiches im Ersten Obergeschoß gewann Leuwer 1904 den wohlhabenden Kaufmannssohn Leopold O. H. Biermann, der offenbar mehr aus Begeisterung denn aus materiellen Gründen die Beratung der Kunden übernahm. […] Vor allem Biermann und seinen vielfältigen Kontakten ist es zu verdanken, daß der Kunstsalon Leuwer innerhalb kurzer Zeit aufblühte.“ (Nils Aschenbeck 2003, S. 13-14)
Leopold Otto Heinrich Biermann (1875-1922), er selbst nannte sich „Künstler und Kunstfreund“ (Mitgliederverzeichnis 1913), war Maler, Sammler, Förderer des Bremer Theaters und der Kunsthalle, 1911 Mitbegründer der „Bremer Presse“ und mit Franz Leuwer Mitbegründer der Bremer-Oldenburger Ortsgruppe des Deutschen Werkbundes.
Neben den Ausstellungen wurden auch regelmässig Lesungen (beispielsweise eine Rilke-Lesung 1906) und Vortragsabende (beispielsweise Peter Behrens 1910) veranstaltet.
Der Buchhandelsbereich wurde ausgeweitet durch die Einrichtung von Bordbuchhandlungen auf Schiffen des „Norddeutschen Lloyd“ (Nils Aschenbeck 2003, S. 18-19) und durch Eröffnung von
Filialen in den Badeorten Borkum, Spiekeroog, Wangeroog und Norderney, die in den Sommermonaten betrieben wurden (Adressbuch des Deutschen Buchhandels).
1916 starb Franz Leuwer, 41jährig, und seine Ehefrau Johanna Rosa (genannt Anni), geborene Neumark (1871-1943) übernahm das Geschäft. Da sie, als Dentistin, über keine ausreichende Qualifikation verfügte, nahm sie den bisher als Prokuristen in der Buchhandlung tätigen Carl Emil Spiegel am 24. 1. 1917 als Mitinhaber auf.
1921 erschien der Katalog „Das schöne Buch. Vorzugsdrucke und bibliophile Seltenheiten“ mit einem Vorwort von Emil Waldmann (Der Cicerone. H. 6 v. März 1921, Anzeigenseite). „Der hübsch und sorgfältig gedruckte Katalog [gibt] zum ersten Mal einen Ueberblick über ihre bibliophile Abteilung. In über 600 Nummern werden zahlreiche Seltenheiten aufgeführt, darunter als Unikum ein vollständiges Exemplar der Drucke der Bremer Presse.“ (Der Sammler. Nr. 14 v. 2. 4. 1921, S. 12)
1933 zog sich Anni Leuwer als Jüdin als Eigentümerin zurück und überschrieb Carl Emil Spiegel das Geschäft. (1939 erwarb Spiegel auch Haus und Grundstück.) 1942 wurde Anni Leuwer nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 8. Februar 1943 starb.
Erwähnenswert ist noch, dass Kurt Andreas, späterer Inhaber von -> J. P. SCHNEIDER in Frankfurt am Main, in den Dreissigerjahren bei Leuwer seine Kunsthandelslehre begann.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Jahrbuch der bildenden Kunst 1904, 1905/06, 1906/07, 1907/08; Dressler 1906, 1907, 1908, 1909, 1923; Internationales Adressbuch der Antiquare 1928

Mitgliederverzeichnis. (Stand: 1. Mai 1913).- in: Die Kunst in Industrie und Handel.- Jena: Eugen Diederichs 1913. (Jahrbuch des Deutschen Werkbundes. 1913.)
Das frühe Plakat in Europa und den USA. Ein Bestandskatalog. Band 3: Deutschland. Bearbeitet von Helga Hollmann [u. a.].- Berlin 1980
Waldemar Rösler 1882-1916. Ausstellung von Gemälden und Lithographien anläßlich der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages des Künstlers.- Regensburg 1982
Nils Aschenbeck: Biographie und Kunstgewerbe. Vier Frauen am Beginn eines neues Jahrhunderts. [Anna Goetze, Sophie Dorothee Gallwitz, Elisabeth von Baczko, Felicitas von Baczko] Unveröffentlichtes Typoskript 1992
Nils Aschenbeck: 100 Jahre Buch- und Kunsthandlung Franz Leuwer.- Bremen 2003