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Karl Lang Verlag
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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KARL LANG VERLAG
GRAPHISCHE SCHAU

Adresse: DARMSTADT, Hessen, Wilhelmstrasse 4; Zweigabteilung MÜNCHEN, Elisabethstrasse 31
Inhaber: Hans Theodor Joel
Mitarbeiter: Heinz Ullstein (Geschäftsführer um 1920)
Bestand: 1915-(1926)
Charakteristik: Verlag, Buchhandlung, Kunsthandlung

Ausstellungen:
1919: Eröffnungsausstellung, dabei u. a. Else Becker, Max Beckmann, Gottfried Graf, Walter Gramatté, Well Habicht, Max Kaus, Otto Mueller, Walter Ruttmann, Fritz Schaefler, Karl Schmidt-Rottluff
1920: Max Beckmann (dabei die Privatsammlung von Hans Theodor Joel); Oskar Kokoschka

Verlag:
Das graphische Jahrbuch. Hrsg. v. Hans Theodor Joel [1919]
Die Fibel. Erste Mappe. (Texte von Hans Theodor Joel und Georg Kaiser), [1919]
Neue Graphik, 1920
Walter Gramatté, Der lebende Leichnam. 5 Lithographien zu Tolstoj’s gleichnamigen Drama, 1921
Franz Winninger, Die Irren, 1921; Zentralafrikanische Völker
Graphik von u. a.:
Else Becker, Max Beckmann, Gottfried Graf, Walter Gramatté, Max Kaus, Emil Maetzel, Ludwig Meidner, Otto Mueller, Walter Ruttmann, Fritz Schaefler, Karl Schmidt-Rottluff, Franz Winninger

Bemerkung:
Der Verlag wurde im September 1915 von Karl Albert Lang in München gegründet. Zum Verlagsprogramm gehörte das literaturkritische Periodikum „Für Freunde guter Bücher“, unter Mitarbeit von Hermann Hesse zwischen 1915 und 1917 erschienen, die Zeitschriften „Der Weg“ und „Die neue Bücherschau“ (jeweils 1919). Bei allen diesen Unternehmen war der Schriftsteller Hans Theodor Joel (1893-1936) als Herausgeber und/oder Redakteur massgeblich beteiligt. (Süddeutsche Freiheit 1993, S. 79)
Warum und wann er den Verlag dann übernommen hat und nach Darmstadt verlegte, ist nicht mehr feststellbar. In einer ganzseitigen Anzeige der Zeitschrift „Der Weg“ heisst es: Mitte November verlegen wir unsere Firma nach Darmstadt Wilhelmstrasse 4. Wir werden uns in Zukunft eifrigst der Pflege junger Kunst widmen und der mit der bildenden Kunst in engstem Zusammenhang stehenden Literatur. Zunächst übernahmen wir die Probedrucke und Auflagen zahlreicher graphischer Werke von Max Beckmann, Walter Gramatté, Fritz Schaefler, Emil Maetzel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Kaus, Walter Ruttmann, Gottfried Graf. Eine Reihe von Werken von weiteren Künstlern werden folgen. Verlags-Prospekte gelangen baldigst zur Ausgabe.“ (Der Weg. H. 8/9, 1919, S. 20) In einer weiteren Anzeige wird das „Graphische Jahrbuch“ angeboten. In der Ankündigung heisst es: „Das Werk gibt den von allen Freunden neuer Kunst so lange vermißten Überblick über das graphische Schaffen unserer Generation.“ (Der Weg. H. 8/9, 1919, S. 19). Welche guten Kontakte der Herausgeber zu den besten Kunstschriftstellern der Zeit hatte, belegt die prominente Mitarbeiterliste, dabei u. a. Julius Meier-Graefe, Gustav Schiefler, Theodor Däubler, Paul Westheim und Rosa Schapire.
Gleichzeitig wird im Verlagsgebäude die Einrichtung einer Bücherstube und die Eröffnung einer monatlich wechselnden „Ausstellung moderner Kunst“ in mehreren Räumen angekündigt.
Eröffnet wurde am 14. Dezember 1919. „Neben Gemälden von Max Beckmann und Walther Ruttmann, sowie Plastiken von Else Becker und Well Habicht werden graphische Blätter von Max Beckmann, Walter Gramatté, Max Kaus, Otto Müller, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Schaefler gezeigt. Der Verlag, in dem soeben das von Hans Theodor Joel herausgegebene „Graphische Jahrbuch“ erscheint, wird besonders die neue Graphik pflegen und Einzelblätter sowie Mappen moderner Künstler herausbringen.“ (Der Cicerone. H. 1 v. 15. 1. 1920, S. 48)
Zur Propagierung der neuen Verlagsideen wurde eine Mappenreihe unter dem Titel „Die Fibel“ begründet, es ist jedoch nur die „Erste Mappe“ mit fünf Originalgraphiken (drei Holzschnitte und zwei Lithographien) erschienen. Die Drucke auf Bütten stammten von Georg Birnbacher, Lyonel Feininger, Walter Gramatté, Walter Ruttmann, Fritz Schaefler. Der extrem niedrige Preis von Mark 22.50 entsprang dem „Ziel dieses Unternehmens, allen Volkskreisen erreichbar hervorragende Werke neuer Kunst zu niedrigem Preise zu bieten.“ (Der Weg. H. 8/9, 1919, S. 17)
Im Frühjahr 1920 wurde ein reich illustrierter, 36 Seiten umfassender Lagerkatalog „Neue Graphik“ ausgegeben. (Der Cicerone. H. 5 v. 11. 3. 1920, S. 221)
„Am 14. Dezember 1919 wurden in Darmstadt, Wilhelmstr. 4 die Ausstellungsräume des dorthin übersiedelten Verlags Karl Lang eröffnet. Neben Gemälden von Max Beckmann und Walter Ruttmann, sowie Plastiken von Else Becker und Well Habicht werden graphische Blätter von Max Beckmann, Walter Gramatté, Max Kaus, Otto Müller, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Schaefler gezeigt. Der Verlag […] wird besonders die neue Graphik pflegen und Einzelblätter sowie Mappen moderner Künstler herausbringen.“ (Der Cicerone. H. 1 v. 15. 1. 1920, S. 48)
Erwähnenswert bei dieser Eröffnungsausstellung ist die Beteiligung des Malers Walter Ruttmann (1887-1941), der zwar in der Kunstgeschichtsschreibung bisher keinen Platz gefunden hat, dafür in allen Filmlexika als Experimentalfilmer und Regisseur („Berlin. Die Symphonie der Großstadt“, 1927) entsprechende Würdigung findet.
Im März 1920 wurde eine Max Beckmann-Ausstellung gezeigt, die insoferne bemerkenswert war, als der Galerist und Verleger gleichzeitig auch der Hauptleihgeber war. Hans Theodor Joel gehörte neben Peter Zingler (-> ZINGLER, Frankfurt am Main) zu den frühen Beckmann-Förderern und Sammlern (Franke 1970, S. 38-39). Joels Sammlung enthielt „einen großen Teil des Beckmannschen Werkes in mustergültigen Probe- und Zustandsdrucken.“ (Der Cicerone. H. 6 v. 25. 3. 1920, S. 259)
Joels Engagement in der Darmstädter Kunstszene der Zeit belegt auch seine Mitarbeit bei der Zeitschrift „Das Tribunal. Hessische radikale Blätter“, deren Redakteur er 1920/21 war.
Hans Theodor Joel expandierte in der Folge nach Köln (->BÜCHERSTUBE AM WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM) und Düsseldorf (-> GRAPHISCHES KABINETT VON BERGH & CO).

Nachweise:
Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Handbuch des Kunstmarktes 1926

Briefe an Günther Franke. Porträt eines deutschen Kunsthändlers. Hrsg. v. Doris Schmidt.- Köln 1970
Süddeutsche Freiheit. Kunst der Revolution in München 1919.- München 1993
Die Graphik des Darmstädter Expressionismus 1915-1925. Hrsg. und mit Texten versehen von Claus K. Netuschil.- Darmstadt 1995