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Galerie Walter Westfeld
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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WESTFELD
GALERIE WESTFELD
KUNSTAUSSTELLUNG WALTER WESTFELD
GALERIE WALTER WESTFELD

Adresse: ELBERFELD (Wuppertal), Preussen/Rheinprovinz (Nordrhein-Westfalen), Wall 14 (ab 1920); Schlössersgasse 4; Wall 24 (1926); Herzogstrasse 2 (1927-1936)
Inhaber: Walter Westfeld
Bestand: 1920-1936
Charakteristik: Kunsthandlung, Galerie, Kunstverlag
„Kunstfreunde, Sammler und Wiederverkäufer finden in Gemälden erster Künstler bei mir stets vorteilhafte Erwerbungsmöglichkeiten“ (Anzeige in: Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 3 v. 14. 10. 1921, Anzeigenseite XI; Nr. 25 v. 17. 3. 1922, Anzeigenseite III); „Kunstausstellung, Gemälde alter Meister, Antiquitäten, echte Orientteppiche, graphischer Verlag“ (Handbuch des Kunstmarktes. Kunstadressbuch für das Deutsche Reich, Danzig und Deutsch-Österreich. [...] Geleitwort von Max Osborn.- Berlin 1926. S. 541); „Ausgewählte Werke der Malerei, insbesondere der älteren und neueren Münchener und Düsseldorfer Schule. In Sonderkabinetten: Romantiker, Impressionisten, Barbizonschule, Alte Niederländer. Sammelausstellungen zeitgenössischer Künstler, Nachlaß-Ausstellungen. Verlag von Radierungen rheinischer Künstler. Reich ill. Kataloge kostenfrei.“ (Anzeige in: Maecenas. Hrsg. v. Joachim Stern, Herausgeber der Zeitschrift „Der Sammler“.- Berlin 1927. S. 52), Galerie Walter Westfeld W.-Elberfeld, Herzogstr. 2. Gemälde erster Meister. Ankauf Tausch Verkauf“ (Anzeige in: Deutsches Adelblatt. Nr. 18 v. 29. April 1933, S. 296)

Ausstellungen:
1920: Eröffnungsausstellung (dabei u. a. Andreas und Oswald Achenbach, Max Clarenbach, Eduard von Gebhardt, Carl Jutz der Ältere, Claus Meyer)
1921: Jean Antoine Théodore Gudin; Alfred Rasenberger; Konrad Lessing
1922: Eduard Schönfeld; Heinrich Hermanns; Carl Oesterley; Gemälde-Ausstellung (dabei u. a. Andreas Achenbach, Max Clarenbach, Eugen Dücker, Fritz Halberg-Kraus, Wilhelm Hambüchen, Christian Kröner, Otto Modersohn, Erich Nikutowski)
1923: Hermann Bahrmann; „Intime Raumbilder“ (dabei u. a. Oswald Achenbach, Ferdinand Brütt, Eduard von Grützner, Vinzent Stoltenberg Lerche, Claus Meyer, Charles Meer Webb, August von Wille); „Das Marinebild im Wandel der Jahrhunderte“
1924: Max Westfeld; Gustav Wendling; Gustav Kallmorgen (Nachlass)
1925: „Rheinische romantische Malerei“
1926: Erich Cleff; Alfred von Schrötter; Julius Mermagen
1927: Curtius Schulten; Adolf Schönnenbeck, Gustav Marx von Söhnen
1928: Ernst Oberhoff; Sonderausstellung „Deutsche Romantiker“ in der Ruhmeshalle in Barmen; „Mutter und Kind“ (dabei u. a. Hermann Bahrmann, Eduard Dollerschell, Dietz Edzard,
Walter Heimig, Gabriel von Max, Paula Modersohn-Becker, Wilhelm Schmurr, Lissy Staudt-Zoerb, Sulamith Wülfing); Wilhelm Rühl, Ernst Oberhoff
1929: Pola Lindenfeld; „Johann Schirmer und sein Kreis“ (dabei u. a. Johann Schirmer, Caspar Scheuren, Carl Hilgers, Andreas und Oswald Achenbach, L. H. Becker, K. Seibel); Carl Henrik Nordenberg
1930: Walter Heimig; „Rheinische Malerei des 19. Jahrhunderts“ in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Lempertz in Köln (bei Lempertz in Köln); Alte Münchner Kunst (dabei u. a. Wilhelm Busch, Franz von Defregger, Anselm Feuerbach, Adolf Heinrich Lier, Hans von Marées, Robert Schleich, Charles Schuch, Carl Spitzweg, Wilhelm Uhde, Heinrich Zügel)
1932: „Skandinavische Künstler“ (die um die Jahrhundertwende in Düsseldorf tätig waren, dabei u. a. Ferdinand Julius Fagerlin, Hans Gude, Vinzent Stoltenberg Lerche, Morten Müller, Ludwig Munthe, Carl Henrik Nordenberg, Georg Anton Rasmussen); Harald Schmahl, Alfred Bannenberg

Verlag:
1921 begann Walter Westfeld mit der Herausgabe von Künstlergraphik. Im ersten, 1921 erschienenen Angebotskatalog (Rheinische Graphiker 1921) wurden 18 Radierungen von Wilhelm Hambüchen, August Kaul und Wilhelm Herberholz angeboten. Die Radierungen des 1869 geborenen Malers Hambüchen, der erst im Alter zu radieren begonnen hatte, wurden von Westfeld erstmals und exklusiv angeboten. Westfeld schien an eine Ausweitung des Verlagsprogramms gedacht zu haben, denn per Anzeige suchte er „Graphikreisende für In- und Ausland“ (Anzeige in: Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 3 v. 14. 10. 1921, Anzeigenseite
XI). Ausser den Radierungen der drei genannten Künstler sind derzeit keine weiteren Verlagsproduktionen bekannt, obwohl sich Westfeld noch 1927 in einer Anzeige als „Verlag von Radierungen rheinischer Künstler“ bezeichnete. (Anzeige in: Maecenas. Hrsg. v. Joachim Stern, Herausgeber der Zeitschrift „Der Sammler“.- Berlin 1927. S. 52).

Bemerkung:
„Kunstausstellung Walter Westfeld nennt sich ein Unternehmen, das hier im Oktober im Hause Wall 14 eröffnet worden ist. Zur Zeit sind dort neben Graphik, Antiquitäten und Orientteppichen vor allem Gemälde ausgestellt, unter denen die Arbeiten der Düsseldorfer Schule den größten Raum einnehmen. Wir nennen die Namen Andreas und Oswald Achenbach, Eduard von Gebhardt, C. Jutz d. Ält. und Claus Meyer; von jüngeren rheinischen Malern Max Clarenbach, doch finden sich auch Werke zahlreicher, noch weniger bekannter junger Künstler.“ (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 9 v. 26. 11. 1920, S. 182)
Dieser Bericht der Eröffnungsausstellung beinhaltet das für den 1889 geborenen Walter Westfeld auch in der Folgezeit bestimmende Angebot der Kunsthandlung zwischen Antiquitäten und Gemälden. Neben den Düsseldorfer und anderen rheinischen Künstlern wurden aber auch regelmässig Arbeiten von Künstlern aus Elberfeld, Barmen und Vohwinkel (ab 1930 Wuppertal) wie Hermann Bahrmann, Julius Mermagen, Curtius Schulten, Harald Schmahl, Ernst Oberhoff und Gustav Marx von Söhnen ausgestellt.
Aus einer 1922 geschalteten Anzeige geht hervor, dass Westfeld in den Seebädern Norderney und Travemünde Niederlassungen (wohl nur in der Saison) unterhielt (Katalog der grossen Kunstausstellung im Städtischen Kunstpalast Düsseldorf 1922. 27. Mai bis 15. Oktober, Anzeigenseite XXXII).
Im „Handbuch des Kunstmarktes“ von 1926 ist Walter Westfeld in vier verschiedenen Kategorien eingetragen: als Kunstverleger, als Kunsthandlung, als Antiquitätenhandlung und als Auktionar.
Die Adresse der Kunsthandlung ab 1920 lautete Wall 14, dazwischen erfolgte eine Übersiedlung (möglicherweise handelt es sich auch um die Eröffnung einer Zweigstelle) nach Schlössersgasse 4. Im September 1926 wurden neue Räume im Haus des bekannten Juweliers Carl Krall mit der Anschrift Wall 24 bezogen (Der Kunstwanderer. September 1926, S. 28; Antiquitäten-Zeitung. H. 19 v. 1. 10. 1916, S. 191), um 1927 erfolgte der Umzug in die Herzogstrasse 2.
Walter Westfeld veranstaltete auch Ausstellungen ausserhalb seiner Galerie, beispielsweise
1928 die Sonderausstellung „Deutsche Romantiker“ im großen Saal der Barmer Ruhmeshalle, (Der Kunstwanderer. Juni 1928, S. 449-450; Antiquitäten-Zeitung. H. 11 v. 1. 6. 1928, S. 174) und 1930 „Rheinische Malerei des 19. Jahrhunderts“ in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Lempertz in dessen Ausstellungsräumen in Köln (Der Kunstwanderer. August 1930, S. 445).
1928 erwarb der Elberfelder Museumsverein bei Westfeld „zwei intime Landschaftsbilder von L[udwig] H[ugo] Becker und Ad[olf] Lins“ (Generalanzeiger. 10. 5. 1928, S. 3), die 1929 dem Museum geschenkt wurden (Von der Heydt-Museum 1974, S. 18, 129).
1930 schrieb eine überregionale Kunstzeitschrift: „Die Galerie Westfeld rechtfertigt durch die Schau Alter Münchner Kunst erneut ihren Ruf, sich um die Kunsterziehung im Westen Deutschlands am meisten mit verdient gemacht zu haben“ (Der Cicerone. H. 21/22, 1930, S. 565), und aus einem 1933 erschienenen Bericht werden die Aktivitäten und die Ausrichtung des Kunsthändlers ersichtlich: „Augenblicklich geht er den Zusammenhängen [Anselm] Feuerbachs mit Paris nach und hat ein prächtiges Stück von [Thomas] Couture, eine arkadische Szene, in Paris erworben, das von Feuerbach sein könnte. Ein andermal spürte er dem Engländer George [Henry] Morland, dem verkommenen Genie des 18. Jahrhunderts, nach und kaufte drei seltene Gemälde. Vor Jahren erwarb er den Nachlaß [Théodore] Gudins [Ausstellung 1921] und führte diesen feinsinnigen Meister in Deutschland ein. In der Stille sammelte Westfeld nebenher [Carl] Spitzweg und wird jetzt mit einer Sonderausstellung aufwarten. In den letzten Wochen wurde im In- und Auslande viel bemerkt, daß Westfeld eins der ganz seltenen Gesamtexemplare der [François] Basan’schen Spätabzüge von 80 Originalplatten Rembrandts zum Verkauf brachte [Katalog von Friedrich Kerst: Schicksal der Originalplatten zu Rembrandts Radierungen].
In der Galerie tritt die Vorliebe für kleine Formate hervor, in denen er köstliche Kabinettstücke deutscher, französischer und englischer, auch alt-holländischer Maler zeigt. Aber auch die gute zeitgenössische Kunst kommt zu Wort, allerdings kaum die abstrakte und spektakuläre hypermoderne, sondern die impressionistische und realistische, namentlich dann, wenn sie den Zusammenhang findet zur romantischen, der auch eine Vorliebe Westfelds gilt.“ (Die Gemäldegalerie Walter Westfeld in Wuppertal-Elberfeld.- in: Deutsches Adelblatt. Nr. 18 v. 29. April 1933, S. 296)
Im Mai 1936 musste Walter Westfeld seine Galerie schliessen, da er als Jude keine Aufnahme in die Reichskulturkammer finden konnte und daher den Kunsthandel nicht mehr betreiben durfte. Westfeld übersiedelte nach Düsseldorf, Humboldtstrasse 24, wo er über Mittelsmänner, wie beispielsweise den aus Elberfeld gebürtigen Kunsthändler August Kleucker und den Pariser Kunsthändler Robert Lebel, den Handel weiter betrieb. (Ob die 1938 gezeigte Spitzweg-Ausstellung in der „Galerie August Kleucker“ in Düsseldorf aus den von Westfeld um 1933 gesammelten Werken des Malers bestand, kann derzeit nicht belegt werden.)
Im August 1937 begann, ausgelöst durch eine anonyme Anzeige wegen Devisenvergehens und „Rassenschande“ Westfelds Leidensweg. Eine geplante Emigration nach Nordamerika, wie sie seinem Bruder Robert Westfeld (1886-1968) und seinem malenden Bruder Max Westfeld (1882-1971) gelang, wurde dadurch unmöglich gemacht. Walter Westfeld wurde vorgeworfen, „erhebliche Teile seines Vermögens illegal in das Ausland verschoben“ zu haben. „Weiters hat der Angeklagte Westfeld einen erheblichen Teil seiner Kunstsammlung nach Paris auf illegale Weise verbracht“, wofür er verurteilt wurde und seine Zuchthausstrafe in Düsseldorf-Lüttinghausen zwischen August 1940 und Juni 1942 verbüsste. Sein Vermögen wurde ebenso eingezogen wie auch die Kunstwerke seiner Sammlung, die vom Kunsthaus Lempertz am 12. und 13. Dezember 1939 versteigert wurden.
Nach seiner Entlassung wird Westfeld neuerlich „in Schutzhaft“ genommen und am 2 . Oktober 1942 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, von wo er am 23. Januar 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz gebracht wurde, wo er verschollen ist. (Diese Darstellung folgt Herbert Schmidt 2005, 273-278; Dr. Herbert Schmidt, Düsseldorf, danke ich für die Überlassung von Kopien der Gerichtsakten.)

Nachweise:
Handbuch des Kunstmarktes 1926; Pantheon 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Adressbuch 1933

Rheinische Graphiker. Heft 1. Original-Radierungen von Wilhelm Hambüchen und August Kaul Düsseldorf. Im Anhang Wilhelm Herberholz.- Elberfeld: Verlag der Galerie Walter Westfeld [1921]
Von der Heydt-Museum Wuppertal. Katalog der Gemälde des 19. Jahrhunderts. Bearbeitet von Uta Laxner-Gerlach.- Wuppertal 1974
Herbert Schmidt: Der Fall Walter Westfeld.- in: Herbert Schmidt: Der Elendsweg der Düsseldorfer Juden. Chronologie des Schreckens 1933-1945.- Düsseldorf 2005, S. 273-278
Victoria S. Reed: Walter Westfeld (1889-1943?): Art Dealer in Nazi Germany.- in: Vitalizing memory. International perspectives on provenance research.- Washington 2005. S. 154-159
{Melissa Müller, Monika Tazkow: Verlorene Bilder, verlorene Leben. Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde. Unter Mitarbeit von Thomas Blubacher und Gunnar Schnabel.- München 2009
Stefan Koldehoff: Die Bilder sind unter uns. Das Geschäft mit der NS-Raubkunst.- Frankfurt am Main 2009}