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Kunst- und Bücherstube Max Friedland
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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MAX FRIEDLAND
KUNST UND BÜCHERSTUBE MAX FRIEDLAND
DAS KUNSTHEIM
DAS KUNSTHEIM FRIEDLAND & PANICKE
BÜCHERSTUBE MAX FRIEDLAND
KUNSTSTUBE MAX FRIEDLAND G. M. B. H.

Adresse: ERFURT, Preussen/Provinz Sachsen (Thüringen), Neuwerkstrasse 25 (1919-1923); Neuwerkstrasse 12 (1923); Kartäuserstrasse 51 (1926)
Inhaber: Max Friedland
Bestand: 1919-(1927)
Charakteristik: Buchhandlung, Graphisches Kabinett, Antiquariat
„Kunst- und Bücherstube Max Friedland Erfurt. Buchhandlung. Graphisches Kabinett. Antiquariat. Soeben erschien unser erster Almanach mit einem Original-Holzschnitt von Alfred Hanf, den wir zu verlangen bitten“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 23 v. Dezember 1920, Anzeigenseite); „Das Kunstheim Friedland Panicke Erfurt. Kunstgewerbe, Stoffe, Ausstellung von Bild und Plastik. Sonderabteilung Thüringer Kunstgewerbe“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 23 v. Dezember 1920, Anzeigenseite); „Das Kunstheim. Friedland-Panicke, Erfurt. Ausstellung u. Verkauf v. Bild u. Plastik. Sonderabteilung: Thüringer kunstgewerbliche Erzeugnisse. Entwurf u. Ausführung ganz. Inneneinrichtungen.“ (Anzeige in: Der Sammler. Nr. 16 v. 16. 4. 1921, S. 15); „Kunst- und Bücherstube Max Friedland, Erfurt, Neuwerkstr. 25. Buchhandlung - Graphisches Kabinett -Antiquariat.“ (Anzeige in: Der Sammler. Nr. 45 v. 5. 10. 1921, S. 303); „Bücherstube Max Friedland, Erfurt, Neuwerkstr. 12. Buchh., Graph. Kabinett, Antiq:, Sonderbuchh. f. schöne Literatur, Kunst-, Kulturgeschichte, Philosophie u. Biblioph., Luxusausg. u. Werke d. neuen Kunst.“ (Adressbuch des Deutschen Buchhandels 1925, S. 85)

Ausstellungen:
1920: Alfred Hanf (Graphik); Otto Mehmel (Graphik); Karl Lüdecke (Graphik und Plastik); Heinrich Campendonk (Holzschnitte); Richard Bauroth (Plastiken); Walli Neumann (Aquarelle, Graphik und Spielzeug)
1921: Lyonel Feininger (Gemälde und Graphik)
1923: Willy Kirch

Verlag:
Almanach u. Lagerkatalog. Herbst 1920

Bemerkung:
Am 1. Juli 1919 gründete Max Friedland (1893-1966) die „Kunst und Bücherstube Max Friedland“ in der Neuwerkstrasse 25. Das Konzept und der Name „Bücherstube“, Verbindung von Buchhandlung und Graphischem Kabinett, wurde von -> HORST STOBBE in München erstmals verwirklicht und später von zahlreichen anderen übernommen.
Max Friedland sah die Notwendigkeit „der kulturellen Belebung der sogenannten Provinz“ durch diese Mischform von Buchhandlung und Kunsthandlung, die „mit Begeisterung die Aufgabe erfüllt, Pionier der neuen Kultur zu sein […] Mittelstelle zwischen den Werdenden, den Dichtern und Künstlern und der aufnahmebereiten und fähigen Gemeinde.“ (Almanach 1920)
Die Eröffnung fand am 9. Februar 1920 statt (Expressionismus 1999, S. 39), die „räumliche Gestaltung der ‚Bücherstube’ lag in den Händen von Josef Ries und Walter Fernkorn“ (Der Cicerone. H. 22 v. 11. 11. 1920, S. 835). Josef Friedrich Ries und sein 1919 gegründeter „Aufgang-Verlag J. F. Ries“ war nicht nur der Verleger der kurzlebigen Zeitschrift „Der Aufgang“ (4 Hefte 1919/1920 und 4 Flugblätter des „Aufgang“ unter dem Titel „Unsere Führer“), sondern auch der Verleger der 1919 gegründeten Künstlergemeinschaft „Jung Erfurt“, wo nicht nur deren „Manifest“ erschienen ist sondern neben zwei Büchern mit Graphik von Alfred Hanf auch eine Reihe von Graphikmappen der Künstler Alfred Hanf und Walter Fernkorn, sowie Einzelblätter von Hanf, Fernkorn und Otto Mehmel.
Das Gründungsdatum des Aufgang-Verlages und der „Kunst und Bücherstube Max Friedland“
(1. Juli 1919) war wohl nicht zufällig identisch, die Verbindung bestand auch in der Betreuung der Künstler von „Jung-Erfurt“, und der Ende 1920 bei Friedland erschienene „Almanach u. Lagerkatalog“ war mit einer Vorrede von Ries versehen.
Die „Kunst und Bücherstube Max Friedland“ gliederte sich in mehrere Bereiche: Die Buchhandlung, ein Graphisches Kabinett, eine Abteilung für Kunstgewerbe und ein „Lese-Kabinett“, in dem die aktuellen Kunst- und Kulturzeitschriften auflagen. Dazu kam die Veranstaltung von Vorträgen und Dichterlesungen. „Die Kunst und Bücherstube, die eine bedeutsame Rolle im geistigen Leben [Erfurts] zu spielen beginnt, veranstaltet in den Monaten November und Dezember eine Reihe Vorträge und Vorlesungen“ (Der Cicerone. H. 24 v. 16. 12. 1920, S. 903). Angekündigt wurden ein Vortrag von Eckard von Sydow („Geistige Grundlagen des Expressionismus“) und Dichterlesungen von Bruno Schönlank, Rudolf Blümner und Walter Hasenclever. Für die Monate Januar bis März 1921 wurde eine zweite Vortragsreihe mit sechs Abenden angekündigt, darunter Vorträge von Gustav Hartlaub („Kunst und Religion“), Kasimir Edschmid („Neue Dichtung“) und Paul Becker („Neue Musik“) sowie Dichterlesungen von Theodor Däubler und Else Lasker-Schüler (Expressionismus 1999, S. 104).
Im Herbst 1920 fand eine Erweiterung statt: „Erfurt. Hier haben sich zwei äußerlich getrennte, innerlich aber eng zusammengehörende Formen ‚Kunst und Bücherstube’ und ‚Das Kunstheim’ aufgetan, die beide in ihrer äußeren Aufmachung und in der liebevollen Auswahl und Zusammenstellung ihres Lagers etwas Ungewöhnliches bedeuten. […] Das Kunstheim wurde von dem Architekten Max Panicke eingerichtet. Während im ‚Kunstheim’ das Kunstgewerbe im Vordergrund steht, daneben aber auch ständige wechselnde Ausstellungen von Gemälden und Plastiken gezeigt werden, ist die ‚Kunst- und Bücherstube’ ganz auf das schöne Buch und auf gute künstlerische Graphik eingestellt - auch unter Bevorzugung des Neuen.“ (Der Cicerone. H. 22 v. 11. 11. 1920, S. 835)
Zur Eröffnung der neuen Räume am 21. September 1920 wurde eine Einladung von Alfred Hanf versandt, die Eröffnungsansprache hielt Walter Kaesbach, der Nachfolger von Edwin Redslob als Direktor des Städtischen Museums, wo „Jung-Erfurt“ 1919 erstmals ausstellte.
Ende 1920 erschien „Almanach u. Lagerkatalog“ (Ulrike Erber-Bader 2001, Nr. 714) mit einem Signet und einem Holzschnitt von Alfred Hanf, von dem auch ein lithographiertes Portrait von Max Friedland überliefert ist (Abb. Expressionismus 1999, S. 105). In diesem Almanach wird auch über das Graphik-Angebot informiert: Angeboten wurden Arbeiten von Ernst Barlach, Heinrich Campendonk, Lovis Corinth, Josef Eberz, Willi Geiger, Alfred Hanf, Ludwig von Hofmann, Paul Klee, Walther Klemm, Alfred Kubin, Wilhelm Lehmbruck, Max Liebermann, Franz Marc, Otto Mehmel, Ludwig Meidner, Heinrich Nauen, Max Pechstein, Max Peiffer-Watenphul, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff, Max Slevogt, Franz von Stuck, Hans Thoma.
1922 schied Max Friedland aus und gründete am 12. Februar 1923 unter dem Namen „Bücherstube Max Friedland“ in der Neuwerkstrasse 12 eine neue Buchhandlung mit Graphischem Kabinett. Diese Firma ist bis etwa 1926 nachweisbar, danach dürfte eine neuerliche Übersiedlung stattgefunden haben, denn im „Handbuch des Kunstmarktes 1926“ ist eine „Kunststube Max Friedland G. m. b. H.“ mit der Anschrift Kartäuserstrasse 51 eingetragen.
Die 1919 gegründete Firma in der Neuwerkstrasse 25 wurde in die „Kunst und Bücherstube G. m. b. H.“ umgewandelt, als Geschäftsführer fungierte Michael Florer (1925), später Dr. Claire Gross (1926).

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927

Almanach u. Lagerkatalog. Herbst 1920.- Erfurt 1920
Expressionismus in Thüringen. Facetten eines kulturellen Aufbruchs. Hrsg. v. Cornelia Nowak, Kai Uwe Schierz, Justus H. Ulbricht.- Jena 1999
Ulrike Erber-Bader: Deutschsprachige Verlagsalmanache des 20. Jahrhunderts. Eine Bibliographie. Mit einer Auswahl von Sortimenter-Almanachen.- Marbach 2001