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Rudolf Bangel
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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BANGEL
RUDOLF BANGEL
RUD. BANGEL’S GEMÄLDESÄLE
GEMÄLDESAAL IN FRANKFURT A. M
RUDOLF BANGEL G. M. B. H.

Adresse: FRANKFURT AM MAIN, Hessen-Nassau (Hessen),
Neue Mainzerstrasse 66 (1888- 1899), Kaiserstrasse 66 (1899-1913), Neue Börse/Börsenplatz (1913-1923), Schillerstrasse 11a + Junghofstrasse 19 (1923-1928)
Inhaber: Rudolf Bangel; Ludwig Bangel, Adolf Bangel (bis 1921); G. m. b. H. (ab 1921 mit den Gesellschaftern Ludwig Bangel, Adolf Bangel, Paul Bangel, Dr. Rudolf Bangel, Gustav Adolf Bangel; später Ludwig Schmidt-Bangel und Hugo Krebs)
Bestand: 1870-1928
Charakteristik: Kunsthandlung, Gemälde-Saal, Auktionen
„Rud. Bangel’s Gemäldesäle. Frankfurt a. M. Ständige Ausstellung von Gemälden erster moderner Meister. Versteigerungen von Gemälden, Antiquitäten, Kunstgegenständen, Münzen, Waffen u. dergl. m. sowohl einzelner Stücke, als ganzer Sammlungen werden zu kulanten Bedingungen übernommen. Günstigste Gelegenheit zur raschen und vorteilhaften Verwertung.“ (Anzeige in: Der Kunstmarkt. Nr. 1 v. 7. 10. 1904, S. 7); „Gemäldesaal in Frankfurt a. M. Permanente Kunstausstellung. Verkauf von Gemälden erster moderner und älterer Meister. Kunstauktionen. Taxationen. Rudolf Bangel. Kunsthandlung. Gegründet 1869“ Jahrbuch der bildenden Kunst 1904, S. IX); „Gemäldesaal Frankfurt a. M. Ständige Ausstellung Werke erster moderner Meister. Rudolf Bangel. Kunsthandlung. Gegründet 1869“ (Anzeige in:
Internationales Adressbuch von bildenden Künstlern. Jahrgang [1]1907. Hrsg. v. Gerhard Klement.- Wien 1907. S. [13]); „Rudolf Bangel’s Gemäldesäle, Frankfurt a. M. Ständige Ausstellung von Gemälden moderner Meister […]“ (Anzeige in: Die Kunst. H. 8 v. Mai 1912, Anzeigenseite V); „Rudolf Bangel’s Gemäldesäle in Frankfurt a. M. gegr. 1869. Neue Börse. Börseplatz. Ständige Verkaufsausstellung von Gemälden erster moderner Meister […].“ (Anzeige in: Die Kunst. H. 5 v. Februar 1914, Anzeigenseite XIV; ähnlich in: Deutsche Kunst und Dekoration. H. 4 v. Januar 1914, Anzeigenseite; „Rudolf Bangel, Frankfurt a. M. Gegr. 1869. Neue Börse. Börseplatz. Versteigerungen von Gemälden, Antiquitäten, Kunstsachen aller Art […]“ (Anzeige in: Deutsche Kunst und Dekoration. H. 7/8 v. April/Mai 1917, Anzeigenseite);

Ausstellungen:
1905: Anton Burger
1906/1907: Willy Hamacher; Edmund Steppes; Friedrich Prölss; Ernst Liebermann; Hugo Schimmel; Albert Engstfeld
1907/1908: Rudolf Bäumer; Charlotte Bücheler; Hermann Dischler; Fidus; Max Fleischer-Wiemans; Fritz Grätz; Ernst Ludwig Kirchner; Jean François Raffaelli; Otto Scholderer
1909: Carl Paass; Künstlergruppe „Brücke“ (Werke von Cuno Amiet, Erich Heckel, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, als Gäste: Giovanni Giacometti und Franz Nölken)
1911: Werke der „Pan-Presse“, Berlin; Künstlergruppe „Brücke“ (Werke von Cuno Amiet, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff)
1912: Gregor von Bochmann; Kühne Beveridge (Plastiken), Katherine S. Dreier (Gemälde);
Künstlergruppe „Brücke“; Graphik des Karlsruher Künstlerbundes (dabei u. a. Walter Conz, Hermann Daur, Gustav Kampmann, Adolf Luntz, Hans Thoma, Hans von Volkmann)
1913: Ernst Vollbehr; Ettore Cosomati
1914: Künstlerverband „Die Münchner“ (dabei u. a. Bartholomäus Hollaus, Hermann August Philips, Maria Philips, Rudolf Quittry); „Dresdner Kunstgenossenschaft“ (Gemälde und Plastik von u. a. Carl Bauch, Carl Brose, Theodor Eichler, Georg Gelbke, Edmund Körner, Siegfried Mackowsky, Hans Unger)

Bemerkung:
Gründer der Firma war der 1820 geborene gelernte Buchhändler Rudolf Bangel, der nach seiner Buchhandelstätigkeit in verschiedenen Branchen tätig war, wozu eine Kunststeinfabrik, eine Dachschiefergrube und eine Versicherungsagentur gehörten. Danach gründete er 1868 ein Auktionsunternehmen (Janson & Bangel“), das er bis 1870 mit einem Partner führte. In den frühen Jahren wurden Immobilien, Möbel, Gebrauchsgegenstände und wohl auch gelegentlich Kunstgegenstände ohne Katalog versteigert.
Die erste „Katalogversteigerung“ fand im März 1876 statt und beinhaltete den Nachlass des in Baden-Baden wirkenden Landschaftsmalers Georg Saal (1818-1870). Die erste Antiquitätenauktion fand 1879 statt und in der Folge entwickelte sich die Firma Bangel zu einem der wichtigen Auktionshäuser des deutschen Sprachraumes, die bis 1928 mehr als 1200 Auktionen abhielt.
1888 übersiedelte die Firma in das eigene, neu erbaute Haus Neue Mainzerstrasse 66, wo es auch zwei Oberlichtsäle gegeben hat und wo die bis dahin mehr als 500 Auktionen und auch die gelegentlichen Ausstellungen stattfanden.
Eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Auktion fand 1894 statt: Der 1865 geborene Otto Eckmann hatte sich entschlossen, sich von der Malerei zu lösen und sich den lebensnäheren Gebieten der angewandten Kunst zu widmen. Daher entschloss er sich, seinen „künstlerischen Nachlaß“ von Gemälden und Zeichnungen in einer am 27. November abgehalten Auktion versteigern zu lassen, „wodurch […] mir das seltene Glück zufällt, mein eigener Erbe zu sein“ (Vorwort). Der Katalog war mit einem von Eckmann gezeichneten Signet (die Initialen RB in einer Clematisranke) für die Kunsthandlung Bangel versehen, das in der Folge jahrzehntelang für Geschäftsdrucksachen, Kataloge und Anzeigen in Verwendung stand.
1899 erfolgte ein neuerlicher Umzug in die Kaiserstrasse 66, wo Bangel auch einen Handel mit Neuen Möbeln betrieb (Anzeige in: Frankfurter israelitisches Familienblatt. Nr. 12 v. 25. 3. 1904, S. 6). Im Oktober 1913 wurden die Auktionsräume in die „Neue Börse“ (Börsenplatz) verlegt, das Auktionsbüro befand sich in der Börsenstrasse 6-10. 1923-1928 befand sich der Auktionssaal in der Junghofstrasse 19 und die Verwaltung in der Schillerstrasse 11a.
1920 wurde die „Jubiläums-Schrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Firma Rudolf Bangel“ (Jubiläums-Schrift 1920) publiziert. (In früheren Anzeigen wurde das Gründungsjahr gelegentlich mit 1868 oder 1869 angegeben.) Am 10. Mai 1920 wurde diejenige Auktion abgehalten, zu der der eintausendste Katalog erschienen ist.
An der Jahreswende 1920/1921 wurde die Firma in eine G. m. b. H. umgewandelt, in der die Söhne und Enkel des Gründers (Ludwig Bangel, Adolf Bangel, Paul Bangel, Dr. Rudolf Bangel, Gustav Adolf Bangel) als Geschäftsführer und Gesellschafter fungierten. 1923 trat Ludwig Schmidt-Bangel in die Geschäftsführung ein, 1927 Hugo Krebs.
1927 wurde ein Neuanfang in Berlin versucht. Zuerst wurde am Kurfürstendamm 226 ein „Zweigbüro“ eröffnet (Kunsthandel und Kunstbesitz. H. 2 v. Mai 1927, S. 61;
Antiquitäten-Zeitung. H. 10 v. 16. 5. 1927, S. 70) und 1928 wurde eine neue Firma unter dem Namen „Wertheim Berlin. Rud. Bangel Frankfurt a. M. Kunstversteigerungen“ gegründet. In den umgebauten Räumen des Antiquitätenhauses -> WERTHEIM in der Bellevuestrasse 7-8 wurden zwischen 1929 und 1930 sechs Auktionen veranstaltete, dabei die Sammlungen Josef Cremer (1929), Carl Bechstein, Georg Baschwitz, und Han Coray (1930). Als Katalogbearbeiter oder Vorwortschreiber verpflichtete man so prominente Fachleute wie Max Osborn, Hans Rosenhagen, Hermann Voss und Friedrich Winkler.
Während man versuchte, das Auktionsgeschäft via Berlin wieder anzukurbeln, kam für das Stammhaus in Frankfurt am 21. März 1929 das Ende der Firma durch die Eröffnung des Konkursverfahrens. Die Bestände wurden vom 31. Juli bis 2. August 1929 durch den Auktionator „Albert Weber (vorm. Philipp Bode)“ ausgerufen. Formal bestand die Firma bis zur Einstellung des Konkursverfahren bis 1933 weiter, 1936 wurde die G. m. b. H. von Amts wegen aus dem Handelsregister gelöscht.
Neben dem Hauptgeschäft der Auktionen fanden auch Ausstellungen statt. In den Anzeigen der Zeit heisst es „Ständige Ausstellung von Gemälden erster moderner Meister“, was die geläufige Bezeichnung für eine permanente Verkaufsausstellung in den Räumen der Galerie war. Im April 1894 waren dies beispielsweise Werke von Carlo Brancaccio, Jacob Gehrig, Joszi Arpád Koppay, Johanne Prölss, Richard Scholz und Paul Schultze-Naumberg. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht gleichzeitig eine grössere Kollektion von Edvard Munch, der 1892 erstmals in Deutschland im „Verein Berliner Künstler“ ausstellte, gezeigt worden wäre (Jan Kneher 1994, S. 53). Die „Frankfurter Zeitung“ charakterisiert ihn als Maler der „allerpersönlichsten Impression“, der „viel mehr kann, als Diejenigen, die seine Technik verspotten, oder auch nur von ferne ahnen.“ (Frankfurter Zeitung. 6. 4. 1894)
In die ständigen Verkaufsausstellungen wurden immer wieder Kollektionen von einzelnen Künstlern integriert, die man aber eher nicht als Personal- oder Einzelausstellung bezeichnen kann. Bei Bangel war dies im Jahre 1896 beispielsweise Wilhelm Trübner, im Jahre 1900 waren grössere Kollektionen von Hans Diehl-Wallendorf und im selben Jahr Edmund Steppes zu sehen.
In den Folgejahren (festgestellt etwa 1905-1914) wurden vermehrt Kollektionen gezeigt, jedoch überwogen die auf dem Kunstmarkt gängigen Künstler aus München, Düsseldorf oder Dresden.
Eine Ausnahme war das Engagement von Bangel für die Künstlergruppe „Brücke“, deren erste Frankfurter Ausstellung 1906 in der -> KUNSTAUSSTELLUNG „KATHARINENHOF“ stattfand. Aber bereits in der nächsten Saison 1907/1908 war Ernst Ludwig Kirchner mit einer Kollektion von Bildern vertreten (Jahrbuch der bildenden Kunst 1908/09, S. 24) und in den Jahren 1909, 1911 und 1912 machten Brücke-Ausstellungen Station bei Rudolf Bangel
(Georg Reinhardt 1977/78; Verzeichnis der Ausstellungen 2001).
{Interessant ist Bangels Eintrag in einem Kunstausstellungskalender für das Jahr 1913, aus dem die Ausstellungs- und Geschäftsbedingungen für die Künstler hervorgehen: „Ständige Ausstellung. Ausstellungsdauer der einzelnen Kunstwerke mindestens 4 Wochen. Vorherige Anfrage. Einmalige Frachtfreiheit innerhalb Deutschlands, falls kein Verkauf erfolgt. Im Verkaufsfall wird die Frachtauslage in Anrechnung gebracht. Feuerversicherung bis zu 10 000 M. frei. 15 pCt. Verkaufsprovision. Nettopreise erwünscht.“ (Kunst-Ausstellungs-Kalender. Hrsg. v. Herm. Weiss. Berlin. Jg. 13, 1913, S. 12)}
Während und nach dem Ersten Weltkrieg dürften keine Ausstellungen mehr stattgefunden haben und Bangel konzentrierte sich wieder auf sein Hauptgeschäft, die Auktionen, deren letzte mit Katalognummer 1122 am 17. Dezember 1928 abgehalten wurde.

Nachweise:
Seelig 1903; Jahrbuch der bildenden Kunst 1904, 1906/07; Dressler 1906, 1907, 1908, 1909; Pantheon 1914; Dressler 1923; Pantheon 1926; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927

Jubiläums-Schrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Firma Rudolf Bangel. 50 Jahre Kunst-Auktionen.- Frankfurt am Main 1920
Georg Reinhardt: Die frühe „Brücke“. Beiträge zur Geschichte und zum Werk der Dresdner Künstlergruppe „Brücke“ der Jahre 1905 bis 1908.- Brücke-Archiv. H. 9/10, 1977/78
Karl Wilhelm: Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Kunstauktionswesens in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis 1945.- München 1990
George Mauner: Cuno Amiet.- Zürich 1984
Jan Kneher: Edvard Munch in seinen Ausstellungen zwischen 1892 und 1912. Eine Dokumentation der Ausstellungen und Studien zur Rezeptionsgeschichte von Munchs Kunst.- Worms 1994
Verzeichnis der Ausstellungen und Publikationen der Künstlergruppe Brücke 1905-1911. Zusammengestellt von Mathias Wagner [u. a.].- in: Die Brücke in Dresden 1905-1911. Hrsg. v. Birgit Dalbajeva und Ulrich Bischoff.- Köln 2001. S. 389-406