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Moderne Kunsthandlung Marie Held
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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HELD, Marie (MODERNE KUNSTHANDLUNG MARIE HELD)
MODERNE KUNSTHANDLUNG MARIE HELD

Adresse: FRANKFURT AM MAIN, Hessen-Nassau (Hessen), Neue Mainzerstrasse 25
Inhaber: Marie Held
Bestand: 1908-1910
Charakteristik: Kunsthandlung

Ausstellungen:
1908: Eröffnungsausstellung mit Werken von u. a. Paul Cézanne, Honoré Daumier, August Gaul, Vincent van Gogh, Heinrich Hübner, Arthur Kampf, Fritz Klimsch, Georg Kolbe, Max Liebermann, Jakob Nussbaum, Ottilie Wilhelmine Roederstein; Berliner Impressionisten; Französische Meister (dabei u. a. Paul Cézanne, Henri Fantin-Latour, Edouard Manet, Claude Monet, Auguste Renoir, Charles Schuch, Alfred Sisley)
1909: Konrad von Kardorff, Heinrich Hübner; Fritz Rhein; Lovis Corinth; Karl Walser
1910: Ludwig von Hofmann, Wilhelm Trübner; Französische Impressionisten und van Gogh (dabei u. a. Claude Monet, Camille Pissarro, Auguste Renoir, Alfred Sisley)

Bemerkung:
Die 1872 in Hamburg geborene, seit 1907 mit Arthur Held verheiratete Marie Held führte unter ihrem Mädchennamen Marie Herz bereits den 1901 bis 1907 bestehenden -> SALON CLEMATIS in Hamburg, ehe sie mit der 1908 erfolgten Neugründung „Moderne Kunsthandlung Marie Held“ einen Neuanfang in Frankfurt am Main wagte.
„Frau Marie Held hat hier jüngst einen neuen Kunstsalon eröffnet. In einem lichten Raum […] hängt eine Kollektion Bilder, man möchte sagen, aus den Beständen der Berliner Secession oder der mit ihr zusammenhängenden Firma Cassirer […] Allen voran Max Liebermann mit zehn Bildern, darunter einige seiner bekannten Strandszenen […] Sehr ansprechend, namentlich für Frankfurt, das ein solches Werk van Goghs noch nicht gesehen, dessen ‚Rast während der Ernte’. In der Darstellung des Kornfeldes eine erfreuliche malerische Kraft, in den Körperbewegungen eine bei dem seltsamen Meister erstaunliche Zuverlässigkeit. Sonst ist noch von van Gogh ein Männerporträt und ein ‚Sonnenuntergang’ dorten. Von eigentlichen Franzosen findet sich Cézanne ‚Après-midi bourgeois’ und eine ‚Theaterszene’ von Daumier. Bilder von Arthur Kampf, Hübner, Plastiken von Gaul, Kolbe und Klimsch vollenden das Berliner Milieu des neuen Kunstsalons, das wir vielleicht programmatisch fassen dürfen. Auch Frankfurt selbst ist vertreten durch ein Kinderköpfchen von O. W. Roederstein und eine Landschaft J. Nussbaums in dessen zerfetzender Malweise.“ (Die Kunst. H. 4 v. Januar 1909, S. 172)
Bei der im Eröffnungsbericht erwähnten „Firma Cassirer“ handelt es sich um die Kunsthandlung von Paul -> CASSIRER in Berlin, die nachweislich in Beziehung zu Marie Helds Kunsthandlung stand (Nachlass Fritz Wichert im Stadtarchiv Frankfurt am Main ).
Ein weiterer Hinweis auf die Beziehungen Held/Cassirer ist die Ausstellung der Bilder von Karl Walsers Japan-Reise: Die Präsentation fand im März/April 1909 bei Paul Cassirer in Berlin und im Herbst 1909 bei Marie Held statt. (Karl Walser 2008, S. 104, 108)
Das Galerieangebot von Marie Held, die auch bei der Frankfurter „Gesellschaft für ästhetische Kultur“ engagiert war, und die bisher festgestellten Ausstellungen changierten zwischen Berliner und französischer Kunst. Daneben wurden auch einige Frankfurter Künstler wie Ottilie Wilhelmine Roederstein und Jakob Nussbaum gezeigt und angeboten.
Am Ende des Jahres 1909 resümierte der Rezensent: „Der Kunstsalon von Frau Marie Held hat in der kurzen Zeit seines Bestehens eine unleugbare große Bedeutung für das Kunstleben Frankfurts gewonnen“ (Die Kunst. H. 3 v. Dezember 1909, S. 117).
Nach etwas mehr als einem Jahr Bestand, im Frühjahr 1910, musste der Kunstsalon wieder geschlossen werden. Der Frankfurt-Korrespondent der in München erscheinenden überregionalen Kunstzeitschrift „Die Kunst“ meldete das Ende: „Das Kunstleben in Frankfurt hat einen Verlust erlitten, den jeder Kunstfreund aufrichtig beklagen muß: die modene Kunsthandlung von Frau Marie Held hat ihre Pforten geschlossen. Kein zweiter Kunstsalon in Frankfurt ist so wie dieser von einem vornehmen, persönlichen Geschmack geleitet worden, hat so ausschließlich gute und beste Sachen gebracht und jeden Kompromiß mit dem Geschmack der Menge vermieden.“ (Die Kunst. H. 8 v. Mai 1910, Anzeigenseite I)
Über den weiteren Lebensweg der Kunsthändlerin ist nichts bekannt. Später war sie in Berlin ansässig, von wo sie am 18. Oktober 1941 nach Litzmannstadt (Lodz) und von dort am 13. Mai 1942 nach Kulmhof (Chelmno) deportiert wurde.

Nachweise:
Archiv:
Frankfurt am Main: Stadtarchiv (Nachlass Fritz Wichert)
Literatur:
Dressler 1909

ReVision. Die Moderne im Städel 1906-1927.- Frankfurt am Main: Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut 1991. S. 33
Karl Walser in Japan. Eine Reise im Jahre 1908. Hrsg. v. Philippe Lüscher.- Wädenswil 2008