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F. W. Brass, Kunsthandlung und Verlag
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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BRASS
F. W. BRASS KUNSTHANDLUNG UND VERLAG
F. W. BRASS, KUNSTGEWERKLER
NEUE KUNST F. W. BRASS

Adresse: {Adresse: HAGEN, Preussen/Provinz Westfalen} (Nordrhein-Westfalen), Birkenhain 18-20
Inhaber: Fr. Wilhelm Brass
Bestand: 1920-1931
Charakteristik: Kunsthandlung und Verlag

Bemerkung:
Nach dem „Adressbuch des Deutschen Buchhandels“ wurde „F. W. Brass, Kunsthandlung und Verlag“ am 1. März 1920 gegründet. Diese Gründungsdaten dürften sich allerdings nur auf den Standort in Hagen beziehen. Brass wird beispielsweise als „Kunstwerke-Ausstellung“ bereits 1907 in Krefeld genannt. Auf einer gedruckten Geschäftspostkarte nennt er sich „Neue Kunst F. W. Brass“ und auf einem ebenfalls 1925 verwendeten Geschäftspapier finden sich der Briefkopf „F. W. BRASS, KUNSTGEWERKLER“ mit dem Zusatz: „Vermittle Neue Kunst seit 1902. Werke von Czobel, Dix, Feininger, v. Jawlensky, Grosz, Heckel, Kirchner, Klee, Meidner, Otto Müller, Nauen, Nolde, Rohlfs, S.-Rottluff u. den Jüngeren. Plastiken. Gute Werke des Auslandes“
Trotz dieser eindrucksvollen Aufzählung der von ihm vermittelten Künstler ist die Quellenlage zu diesem „Kunstvermittler“ äusserst dünn. In der neueren Kunstliteratur kommt er kaum vor. (Schweiger 1994, S. 56).
Derzeit sind keine Ausstellungstätigkeiten bekannt, allerdings sind einige Verkäufe an Museen überliefert: Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum erwarb 1923 Werke von Anton Kerschbaumer, Otto Pankok und Heinrich Otto Schröder (100 Arbeiten 1986, S. A 23, 38, 47). Der Barmer Kunstverein erwarb 1925 das Nolde-Aquarelle „Orchideen und Amaryllis“ (Becks-Malorny 1990, S. 243).
Zu den von Brass vertretenen Künstlern gehörte auch der junge Graphiker Paul Gangolf. Auf einer weiteren Geschäftdrucksache von Brass findet sich der Stempel „Alleinverkauf der Werke von Paul Gangolf“ und der Künstler nannte Brass einen „der nobelsten treuesten Kunstsucher“. (Gangolf 1964, S. 16). Ernst Ludwig Kirchner hatte eine wenig schmeichelhafte Meinung: „Neulich war ein Kunsthausierer hier. Brass mit Namen, der sich auf Sie berief. Ein unangenehmer Mensch, protzig und ungebildet. Er behauptete, Sie hätten ihm geraten, mich zu überfallen, ohne Anmeldung?“ (Kirchner-Schiefler 1990. Nr. 315). Der Hamburger Sammler Gustav Schiefler replizierte darauf: „Daß sich Herr Brass so unliebsam bei Ihnen benommen hat, bedauere ich aufrichtig. Hier hat er uns ganz gut gefallen, und gegen seine Art, den Kunsthandel gleichsam im Umherziehen zu betreiben, schien mir grundsätzlich nichts einzuwenden. Dürers Frau hat es ja auch getan, und unter Umständen kommt dadurch Gutes vor Augen, die es sonst nicht sehen.“ (Kirchner-Schiefler 1990. Nr. 316)
Vom herumwandernden Kunsthändler berichtet auch Peter Lufft: „In diesen Jahren kam auch von Zeit zu Zeit der vollbärtige Kunsthändler Brass aus Hagen und legte den Kunstfreunden und GFJK-Mitgliedern seine Mappen moderner Graphik vor. Und manches blieb am Ort.“ (Lufft 1985, S. 59) Mit GFJK ist die 1924 gegründete „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“ in Braunschweig gemeint und eines ihrer Mitglieder, Otto Ralfs dürfte auch den Kontakt zu Paul Klee hergestellt haben, zumindest berief sich Brass in einem Brief vom 5. 4. 1925 an Klee auf den Sammler: „Herr Otto Ralfs Braunschweig sagte mir, daß am 1. 4. Ihr Vertrag mit Goltz ablaufe …“ Brass versuchte in diese vertragslose Lücke vorzustossen und bot sich zwecks „Überlassung von Arbeiten von Ihnen zum Verkauf“ an und kündigte seinen Besuch in Weimar an. (Zentrum Paul Klee, Bern). Zum „herumwandernden Kunsthändler“ passt auch die Ortsangabe auf dem Brief: „Auf der Reise“. In der Folge hat Paul Klee Brass eine Reihe von Werken (vor allem Zeichnungen und Aquarelle) als Kommissionsware überlassen.
Ein weiterer Künstler aus dem Umfeld von Brass war Ludwig Meidner, der seine Bekanntschaft mit dem Kunsthändler ist in einer Portrait -Radierung festgehalten hat, die sich ebenfalls in der Sammlung des Barmer Kunstvereins befand. (Becks-Malorny 1990, S. 228).
F. W. Brass war Mitglied des Deutschen Werkbundes und verlegte seinen Kunsthandel 1930 nach Essen, Sommerburgstrasse 30 und ist 1931 in Essen gestorben. (Die Form. H. 6 v. 15. 6. 1931, Beilage)

Nachweise:
Quellen:
Hamburg: Staats- und Universitätsbibliothek (Nachlass Gustav Schiefler); Bern: Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Familie Klee
Literatur:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Maecenas 1927; Maecenas 1930

In Memoriam Paul Gangolf. Hrsg. v. Ernest Rathenau.-New York 1964
Peter Lufft: Das Gästebuch Otto Ralfs.- Braunschweig 1985
100 Arbeiten auf Papier aus der Graphischen Sammlung des Museums Ludwig Köln mit Bestandsverzeichnis der Zeichnungen.- Köln 1986
Ernst Ludwig Kirchner, Gustav Schiefler. Briefwechsel 1910-1935/38. Bearbeitet von Wolfgang Henze.- Stuttgart 1990
Ulrike Becks-Malorny: Der Kunstverein in Barmen 1866-1946. Bürgerliches Mäzenatentum vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus. Diss. Bochum 1990
Werner J. Schweiger: Rudolf Ibach. Mäzen, Förderer und Sammler der Moderne 1873-1940.- Wien [1994]