Results:  1

Kunstsalon Clematis
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
    • Werner J. Schweiger (1949 - 2011)

  • TitleKunstsalon Clematis[Eintrag für geplante Publikation "Lexikon des Kunsthandels der Moderne im deutschsprachigen Raum 1905-1937"]
  • Date2005 - 2011
  • CategoryManuskripte
  • Materialdigital
  • FondsKunstarchiv Werner J. Schweiger
  • Inventory NumberBG-WJS-M-1,132
  • CreditlineZustiftung Christa M. Schweiger, Wien und Wolfgang Wittrock, Berlin, 2016
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Further links
Related Objects
Additional Reproductions

CLEMATIS
SALON CLEMATIS
KUNSTSALON CLEMATIS

Adresse: HAMBURG, Freie und Hansestadt Hamburg, Hermannstrasse 30 (1901-1903); Neuer Wall 5 (1. 4. 1903-1907); Bleichenbrücke 10 (1907)
Inhaber: Marie Herz, später G. m. b. H.
Bestand: 1901-1907
Charakteristik: Kunstgewerbe, Kleinplastik, Kunsthandel

Ausstellungen:
1907: Constantin Meunier; Schulausstellung des Lehr- und Versuchsatelier (Debschitz-Schule, München); „Künstlervereinigung ‚Brücke’“ (Gemälde und Graphik von Cuno Amiet, Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff , Akseli Gallen-Kallela); „Verein deutscher bildender Künstler Böhmens“; „Herbst-Ausstellung“ (Werke von u. a. Curt Hermann, Julius Exter, Gustav Gurschner, Marie v. Gruenewaldt; Edvard Munch, George Minne, François Rupert Carabin, Graphik und Kunstgewerbe

Bemerkung:
Die 1872 geborene Marie Herz (seit 1907 verehelichte Held) eröffnete den 1901 gegründeten Salon mit dem Schwerpunkt modernes Kunstgewerbe und Kleinplastik in der Hermannstrasse 30, übersiedelte 1903 nach Neuer Wall 5 und eröffnete 1907, mit erweitertem Angebot, am neuen Standort Bleichenbrücke 10 in „sehr geschmackvoll arrangierte Sälen“ (Jahrbuch der Bildenden Kunst. 1907/08, S. 19). Es folgte eine Ausstellung des Belgischen Bildhauers Constantin Meunier, die ein grosser Publikumserfolg mit 20000 Besuchern wurde (Hamburgischer Corresponent. 7. 5. 1907). Auf die Schulausstellung des Lehr- und Versuchsatelier (Debschitz-Schule, München) folgte die Wanderausstellung der Dresdner Künstlervereinigung „Brücke“ im Oberlichtsaal der Kunsthandlung. Die Besprechungen in den Tageszeitungen (Hamburger Fremdenblatt, 19. 7., Hamburger Nachrichten 21. 7. und 3. 8., Hamburgischer Correspondent 27. 7., Hamburger Zeitung 20. 7.) schwankten zwischen Ablehnung und einschränkender Anerkennung.
Im Herbst 1907 zeigte Marie Held eine Ausstellung des „Verein deutscher bildender Künstler Böhmens“, zu der ein Plakat von Emanuel Josef Margold überliefert ist (Kraftflächen 2003, Nr. 43). Die Künstler der nachfolgenden Ausstellung nennt der „Hamburgische Correspondent“ vom 19. Oktober: Curt Hermann, Berlin, Julius Exter, München. Gustav Gurschner, Wien, Marie v. Gruenewaldt, Hamburg. Die letzte, „VII. Kunstausstellung“ war Edvard Munch gewidmet und zeigte eine Auswahl seiner Gemälde im Oberlichtsaal. Gleichzeitig waren Skulpturen von George Minne, Kleinplastiken von François Rupert Carabin wie auch Graphik und Kunstgewerbe ausgestellt. Wenig später musste der „Kunstsalon Clematis“ geschlossen werden.
„Der mit so grossen Erwartungen eröffnete Salon Klematis nahm ein unglückliches Ende“ schrieb Gustav Falke (Falke 1908, S. 99), und Heinrich Egon Wallsee sah das Problem in der „einseitig modernen Propaganda, die der Salon Clematis betrieben und dem der maßgebliche Teil der Hamburgischen Gesellschaft nun einmal keinen Geschmack abzugewinnen vermag.“ (Jahrbuch der Bildenden Kunst. 1908/09, S. 37). Gustav Schiefler, der Chronist der Kunstszene dieser Zeit schrieb: „aber das Fundament von Kraft und Kapital reichte nicht, der Zusammenbruch war beklagenswert; die Inhaberin hatte viel Mühe geopfert und manches Gute dargeboten. Eine große Munch-Ausstellung war die glänzendste Leistung.“ (Schiefler 1985, S. 128-129)
1908 wagte die Kunsthändlerin einen Neuanfang mit der Eröffnung der Galerie  MODERNE KUNSTHANDLUNG MARIE HELD in Frankfurt am Main.
Über den weiteren beruflichen Lebensweg von Marie Held ist nichts bekannt. Später war sie in Berlin ansässig, von wo sie am 18. Oktober 1941 nach Litzmannstadt (Lodz) und von dort am 13. Mai 1942 nach Kulmhof (Chelmno) deportiert wurde.

Nachweise:
Jahrbuch der bildenden Kunst 1903, 1904, 1906/07; Dressler 1907, 1908

Gustav Falke: Hamburg.- Stuttgart, Hamburg [1908]
Gustav Schiefler: Eine Hamburgische Kulturgeschichte 1890-1920.- Hamburg 1985
Carsten Meyer-Tönnesmann: Der Hamburgische Künstlerclub von 1897.- Hamburg 1985
Edvard Munch - Gustav Schiefler. Briefwechsel. Band 1.1902-1914. Bearbeitet von Arne Eggum […].- Hamburg 1987
Verzeichnis der Ausstellungen und Publikationen der Künstlergruppe Brücke 1905-1911. Zusammengestellt von Mathias Wagner [u. a.].- in: Die Brücke in Dresden 1905-1911. Hrsg. v. Birgit Dalbajeva und Ulrich Bischoff.- Köln 2001. S. 394
Kraftflächen. Wiener Plakatkunst um 1900. Hrsg. v. Ursula Storch.- Wien 2003