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Hansa Werkstätten
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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HANSA WERKSTÄTTEN
KUNSTSCHAU HANSA WERKSTÄTTEN
KUNSTSCHAU DER HANSA WERKSTÄTTEN

Adresse: HAMBURG, (Freie und Hansestadt Hamburg), Grosse Bleichen 28
Inhaber: Eugen Wittorf
Mitarbeiter: Theodor Brodersen, Victor Singer, Carl Otto Czeschka
Bestand: 1907 (Kunstgewerbehaus), 1919-1925 (Kunstschau)
Charakteristik: Kunsthandlung, Kunstgewerbehandlung
„Kunstschau Hansa-Werkstätten. Gr. Bleichen 28. Gemälde. Graphik. Kunstgewerbe. Leiter der Kunstschau Hofrat Th. Brodersen. Graphik: Victor Singer. 7 Oberlichtsäle. 15 Einzelräume. Eintritt 1.- Jahreskarte 6.- “ (Anzeige in: Hamburger Kalender 1920, Anzeigenseite; {Schleswig-Holsteinisches Jahrbuch 1920. Anzeigenseite}); „Hansa Werkstätten Hamburg. Original-Radierungen: Hamburg und Hamburger Hafen“ (Anzeige in: Illustrirte Zeitung. Leipzig. 28. 7. 1921); „Hansa-Werkstätten. Inhaber: Eugen Wittorf. Hamburg, Große Bleichen 28. Ständige monatlich wechselnde Kunstausstellungen: Leitung: Hofrat Th. Brodersen, Graphische Ausstellung Leitung: Viktor Singer, Kunstgewerbeschau Leitung: Prof. C. O. Czeschka. 7 Oberlichtsäle u. 15. Einzelräume von 1500 -Meter Bodenfläche. Eintritt 2 Mark. Jahreskarte 12 Mark. Geöffnet 9-7 Uhr, Sonntags 10-1 Uhr“ (Anzeige in: Kunsthalle zu Hamburg. Katalog der neueren Meister.- Hamburg 1922); „Kunstschau: Malerei, Plastik, Kunstgewerbe - Kunsthandlung: Wandschmuck, erste Erzeugnisse des Deutschen Kunstgewerbes u. Handwerks in Porzellan, Glas, Metall, Holz u. Marmor. Korb- u. Kleinmöbel“ (Geschäftsbriefpapier 1920, Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien)

Ausstellungen:
1919: Sammelausstellung (dabei u. a. Ludwig Heinrich Jungnickel, Paul Kayser, Alfred Mahlau, Else Wex(-Kleemann).)
1920: Plakatkonkurrenz für die Hochbahn (dabei u. a. Max Billert, Richard Hinze, Max Olderock, Walter Wahlstedt); Heinz Baden; Otto Gleichmann, Walter Bötticher, Fritz Burger; Künstlerbund „Der Norden“; Erich Mendelsohn; Artur Degner, Fritz Domscheit; Werner Heuser, Walter Gramatté, Jan Lass; Otto Höger (Nachlass); Hans Dornbach, Karl Friedrich Langfeld, Erich Brill; Graphik von Rudolf Riege, Hans Leip; Alfred Thon, Ernst Lübbert;
Gemälde (u. a. von Willy Jaeckel, Ludwig von Hofmann, Max Pechstein, Richard Seewald, Max Unold), Graphik (u. a. von Paul Bögemann, Heinrich Linzen, Hans Purrmann, Wilhelm Tank, Max Unold); Johann Bossard (Gemälde), Johannes Schiffner (Plastik), Heinz Baden, A. Klan, Neuwerker/Bremen); Hans Reiffenstuel
1921: Fritz Flinte; Wilhelm Lehmbruck; Deutsche Keramik und Kleinplastik (dabei u. a. Karl Albiker, Ernst Barlach, Emy Garbe-Roeder, August Gaul, Bernhard Hoetger, Edwin Scharf, Paul
Scheurich, Renée Sintenis); Martin Bloch, Otto Freytag, Maximilian Jahns; Graphik von Willy Jaeckel, Walter Teutsch; Junge holländische Kunst (Die Kornscheuer); „Hamburger Künstlerverein“ (Bildnis und Stilleben. Katalog mit Beiträgen von Ludolf Albrecht, Gustav Pauli, Gustav Schiefler, Victor A. Dirksen. (Aussteller u. a. Friedrich Ahlers-Hestermann, Ludolf Albrecht, Ernst Eitner, Fritz Flinte, Rudolf Fredderich, Arthur Illies, Leopold von Kalckreuth, Richard Luksch, Emil Maetzel, Wilhelm Mann, Fritz Nölken, Anita Rée, Friedrich Schaper, Arthur Sibelist, Walther Tanck, Rudolf Zeller); Carl Hofer, Felix Müller [Conrad Felixmüller]; Minya Diez-Dührkoop (Fotografien); Rudolf Tewes
1922: Kees van Dongen; „Norddeutsche Sezession“ [Stettin] (u. a. mit Artur Degner, Franz Domscheit, Wolf Röhricht, Richard Seewald); Erich Hartmann (Graphik)

Verlag:
Willy Müller-Gera, Radierungen: Die Hochbahn am Rödingsmarkt; Werften an der Elbe; Schiffe im Dock; Aus den Werften; Blick auf St. Pauli Landungsbrücken; Kornträgergang; Reparatur am Bug eines Seglers; Werftarbeiter auf der Fahrt zur Arbeitsstätte; Schlepper an der Kehrwiederspitze

Bemerkung:
Zur Eröffnung am 1. Oktober 1919 erschien eine kleine, mit zahlreichen Fotografien der Ausstellungsräume geschmückte Schrift, die das Programm des Unternehmens vorstellte: „Die seit 1907 bestehenden Hansa Werkstätten, die sich als Kunsthandlung bisher nur mit dem Verkauf von Wohnungsschmuck, geschmackvollem Hausrat und gewerblicher Kleinkunst betätigten, gliedern sich nach umfassender Vorbereitung zum 1. Oktober 1919 eine ‚Kunstschau’ an, die alle Gebiete der freien bildenden Künste, Malerei, Graphik, Bildhauerei, gleicherweise umfassen soll. Es sind hierzu die gesamten Räume des Hauses Große Bleichen 28 umgebaut und zweckentsprechend ausgestattet worden. Die Ausstellung der Gemälde und Plastiken wird Herr Hofrat Brodersen leiten, der sich durch seine Kunstverein-Ausstellungen einen Ruf als Kenner der zeitgenössischen Künste geschaffen hat. Die Führung der ‚Graphischen Ausstellung’ ist dem als Fachmann bekannten Herrn Viktor Singer anvertraut. Die monatlich wechselnden Ausstellungen sollen grundsätzlich nur Werke zeigen, die Anspruch auf künstlerischen Wert erheben können, einerlei, welcher Richtung und Zeit sie angehören mögen. Hamburgische und deutsche Kunst wird naturgemäß vor allem gepflegt werden. Doch sollen auch gute Werke des Auslandes willkommen sein.“ (Kunstschau 1919)
In der Folge werden sämtliche Abteilungen der Hansa Werkstätten in Bild und Text vorgestellt.
Die Ausstattung (Ausmalung) der Räume wurde u. a. von Max Billert, Walter Wahlstedt, Max Olderock und Richard Hintze vorgenommen. Als Besonderheit wurde eine Erfrischungsdiele innerhalb der Ausstellungsräume eingerichtet. Die kleine Schrift endet mit dem Wunsch:
„Kurz, wir haben den Ehrgeiz, einen neuen Mittelpunkt künstlerischen Lebens in Hamburg zu bilden.“
Heinrich Egon Wallsee, der Hamburg-Korrespondent der Zeitschrift „Die Kunst“ begrüsste das Unternehmen: „Was hier im Werden, hat ein energischer Unternehmer, Eugen Wittorf, aus eigenen Mitteln unter dem Namen ‚Kunstschau der Hansa-Werkstätten“ seit kurzem tatsächlich bereits ins Leben eingeführt […] Dieses Geschäft verfügt über ein stattliches, im Herzen der Stadt gelegenes Haus, dessen weitläufige Raumgliederung die gleichzeitige Abhaltung von umfänglichen Kunst- und Werkausstellungen sehr wohl ermöglicht. Nach all diesen äußeren Merkmalen kann also angenommen werden, daß das hamburgische Kunstleben mit gutem Mut und gestärktem Vertrauen in die schicksalschwere Friedenszeit eintritt - deren Berechtigung freilich erst durch die Zukunft nachgewiesen werden kann.“ (Die Kunst. H. 6 v. März 1920, Anzeigenseite X)
Ende 1921 wurde eine neue Abteilung für Kleinkunst und Kunstgewerbe in von Carl Otto Czeschka neu gestalteten Räumen eingerichtet und unter dem Titel „Kunstgewerbeschau“ auch von dem an der Hamburger Kunstgewerbeschule lehrenden Künstler geleitet (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 17 v. 20. 1. 1922, S. 286-287).
Klagen über schlechte Verkäufe in dieser Zeit gab es sowohl von Künstlern als auch von Kunsthändlern. Aus dem Jahr 1920 stammt eines der seltenen Dokumente über Ausstellungserfolge respektive Verkäufe. Darüber referiert Theodor Brodersen in einem Brief an Hans Reiffenstuel im Dezember 1920, als er dem Künstler mitteilen musste, dass in seiner Ausstellung leider nichts verkauft wurde: „Es liegt in der Zeit begründet. Ein Bilderverkauf gehört gegenwärtig zu den aufsehenerregenden Seltenheiten.“ (Reiffenstuel 1978. C 7)
Ähnlich resignativ berichtete 1921 Victor Dirksen über die Ausstellung des „Hamburger Künstlerverein“ in den Hansa-Werkstätten, zu dem ein Plakat von Otto Fischer-Trachau überliefert ist (Das Plakat. H. 7/8 v. Juli/August 1921, Tafel nach S. 414): „Es wurde, abgesehen von wenigen graphischen Blättern, ein Bild, und auch das nicht an einen Privatmann, sondern an die Kunsthalle verkauft.“ (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 44 v. 29. 7. 1921, S. 809-810)
Hans W. Fischer, der 1922 den Hamburger Kunsthandel charakterisierte, schrieb: „die Hansawerkstätten, die unter der künstlerischen Beratung Theodor Brodersens und dem guten Willen des Besitzers Wittorf einen gewissen persönlichen Mut gegenüber heimischen Künstlern aufweisen.“ (Hans W. Fischer 1998, S. 87)
1920 und 1921 fanden zahlreiche Veranstaltungen der von Hans W. Fischer initiierten „Tafelrunde“ in den Hansa-Werkstätten statt. In diesem exklusiven Kreis mit fester Mitgliedschaft fanden „Vorlesungen der jungen Dichter, abends zwischen Bildern und Skulpturen, mit berühnten Tänzerinnen, Musikern und Schauspielerinnen“ statt (Hans Leip: Hamburger Künstler-, Fest- und Tanz-Plakate.- in: Das Plakat. H. 7/8 v. Juli/August 1921, S. 407-413; Zit. S. 414). Die zu diesen Abenden gedruckten Plakate und Einladungen in Holz- oder Linolschnitt wurden von Hans Leip und Heinrich Stegemann gestaltet. (Abbildungen in:
Entfesselt 2006, S. 22, 140-141)
Die Mitarbeiter:
Theodor -> BRODERSEN war Kunsthändler aus Weimar und seit Herbst 1912 in Hamburg ansässig, wo er nicht nur seinen Kunsthandel betrieb, sondern auch Leiter des Kunstvereins war. Victor -> SINGER ist seit etwa 1910 als Graphikhändler und Graphikverleger in Hamburg nachzuweisen. Carl Otto Czeschka (1887-1960) war aus Wien gebürtiger Graphiker, Buchkünstler und Kunstgewerbler, der seit 1907 an der Hamburger Kunstgewerbeschule unterrichtete.
Einer kurzen Mitteilung in der Zeitschrift „Kunstchronik und Kunstmarkt“ (Nr. 46/47 v. Februar 1926, S. 711) entnehmen wir, dass „die Ausstellungen aufgegeben“ wurden. Zur selben Zeit wurden die Hansa-Werkstätten durch den Berliner Architekten Heinrich Straumer neu gestaltet (Straumer 1997), und in der Folge zog man sich wieder auf das Kerngeschäft zurück und bot vor allem Kunstgewerbe und Innenausstattung an.

Nachweise:
Kunstschau der Hansa Werkstätten.- Hamburg 1919
Schleswig-Holsteinisches Jahrbuch 1920. Hrsg. v. Ernst Sauermann.- Hamburg [1919]
Dokumente zu Leben und Werk des Malers und Graphikers Hans Reiffenstuel.- Nürnberg 1978
Roland Jaeger, Cornelius Steckner: Zinnober. Kunstszene Hamburg 1919-1933.- Hamburg 1983
Heinrich Straumer. Mit einer Einleitung von Fritz Stahl und einem Nachwort zur Neuausgabe von Angelika Kaltenbach.- Nachdruck der Ausgabe Berlin 1927.- Berlin 1997
Hans W. Fischer: Hamburger Kulturbilderbogen. Eine Kulturgeschichte 1909-1922. Neu hrsg. v. Kai-Uwe Scholz [u. a.]- Hamburg 1998
Entfesselt. Expressionismus in Hamburg um 1920.- Hamburg: Museum für Kunst und Gewerbe 2006