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Kunsthaus Karl Heumann
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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HEUMANN
KUNSTHAUS KARL HEUMANN

Adresse: HAMBURG, (Freie und Hansestadt Hamburg), Stadthausbrücke 13; Jungfernstieg 24
Inhaber: Karl Heumann
Bestand: Gegründet 1922
Charakteristik: Kunsthandlung
„Kunsthaus Karl Heumann. Hamburg 36, Stadthausbrücke 11-17 (Millionenbau). Ständige Ausstellung Gemälde. Graphik. Plastik“ (Anzeige in: Die Kunst. H. 8 v. Mai 1922, Anzeigenseite); „Kunsthaus Karl Heumann […] Vornehme Gemälde-Ausstellung“ (Anzeige in: Die Kunst. H. 10 v. Juli 1922, Anzeigenseite); „Kunsthaus Karl Heumann. Hamburg. Stadthausbrücke Nr. 13 (Millionenbau) kauft und verkauft Gemälde nur guter Künstler. Große Ausstellungsräume. Geöffnet täglich von 10-6 Uhr. Fernsprecher: Vulkan 4119“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 10 v. Mai 1925, Anzeigenseite; Kunst und Künstler. H. 1 v. Oktober 1925, Anzeigenseite); „Kunsthaus Karl Heumann. Hamburg. Stadthausbrücke 13 […] Gemälde alter und moderner Meister. Graphik und Plastik; große Ausstellungssäle; wechselnde Kollektivausstellungen“ (Anzeige in: Handbuch des Kunstmarktes 1926, S. 180); „Kunsthaus Karl Heumann. Hamburg. Stadthausbrücke 11 (Millionenbau). Fernsprecher: C 50419. Ständige Verkaufs-Ausstellung von Gemälden älterer Meister von Ruf sowie Arbeiten aufstrebender jüngerer Künstler. Wechselnde Kollektiv-Ausstellungen. Geöffnet an Wochentagen: 10 - 7 Uhr. Eintritt frei“ (Anzeige in: 9. Ausstellung der Hamburgischen Sezession. Verbunden mit einer Sonderausstellung neue europäische Kunst.- Hamburg 1929, Anzeigenseite); „Kunsthaus Karl Heumann. Hamburg, Stadthausbrücke 11/13, (Ecke Neuerwall). Ständige Verkaufsausstellung von Werken erster Meister - Wechselnde Kollektiv-Ausstellungen Gemälde d. 19. u. 20. Jahrh. […]“ (Anzeige in: Dresslers Kunsthandbuch.- Berlin 1930, S. 1353)

Ausstellungen:
1922: Heinrich Steinhagen; Ervin Bossanyi; Erich Brill; Alfred Heinsohn; Fritz Flinte; Hamburger Künstlerverein
1924: Karl Lorenz; Hugo Wallenius
1925: Ervin Bossanyi; Rudolf Höckner
1926: Claus Wrage (Blockbücher und Aquarelle); Aquarelle (dabei u. a. Hans Best, Eugen Bracht, Karl Leipold, Charlotte Pukall, Wilhelm Schreuer); Ervin Bossanyi; Joachim Ringelnatz; Sophus Hansen, Eugen Bracht, Leopold von Kalckreuth, Otto Modersohn; Karl Gatermann
1927: Heinrich Steinhagen; Peter August Böckstiegel
1929: Karl Lorenz
1932: Ervin Bossanyi
o. J.: Paul Schwemer

Bemerkung:
Der in den 1890er Jahren erbaute Prachtbau Ecke Neuer Wall/Stadthausbrücke im Zentrum Hamburgs wurde „Millionenbau“ genannt. Hier eröffnete Karl Heumann das „Kunsthaus Karl Heumann“ mit dem Angebot „Ständige Ausstellung und Verkauf erster Meister“ und die erste Ausstellung im Januar 1922 war dem in Hamburg arbeitenden Maler Heinrich Steinhagen gewidmet „mit Werken aus den einzelnen Entwicklungsstufen des Künstlers bis zur Gegenwart“ (Anzeige 1922, Abb. in: Roland Jaeger 1983, S. 40). Steinhagen, der 1927 eine weitere Ausstellung hatte, war einer derjenigen Künstler, die von Karl Heumann mehrfach ausgestellt wurden, wie auch beispielsweise Karl Lorenz (1924, 1929) und Ervin Bossanyi (1922, 1925, 1926, 1932).
Hans W. Fischer schrieb 1922: „Neu ist der Kunstsalon Heumann, der noch nach einem vorteilhaften Ausgleich von Kunst- und Geschäftsinteresse sucht und hoffentlich dabei die Kunst nicht zu kurz kommen läßt.“ (Hans W. Fischer 1998, S. 87)
Anlässlich der „Übersee-Woche“ stellte der „Hamburger Künstlerverein“ im August-September 1922 bei Heumann aus und der Rezensent Victor Dirksen war wenig angetan über diesen „Überblick über das Werk dieser im wesentlichen konservativen Künstlergruppe […] eine verständige Jury hatte für ein gutes Niveau der Ausstellung gesorgt, doch vermißt man Werke, die durch Eigenart der Auffassung darüber wesentlich hinausgeragt hätten. ‚Kunst auf der mittleren Linie’, deren ehrliche Absichten man wohl zu würdigen weiß, die einen im letzten Grunde aber kalt läßt.“
1926 stellte der Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz, der in der -> GALERIE FLECHTHEIM als Maler debütierte, erstmals auch in Hamburg aus und der Rezensent Heinrich Ehl schrieb: „Mehr ein Kuriosum waren die Blätter, die Ringelnatz im Kunsthaus Heumann darbot. Man tritt dem fatal an gutgespielte Koketterie gemahnenden Dichterulk dieses Mannes, den ein morbides Bürgertum […] für ein Genie halten möchte, kaum ungebührlich zu nahe, wenn man ihm seine feinen Bekanntschaften aus der Allerweltsmalerei von Paris und Berlin nachrechnet.“ (Die Kunst. H. 9 v. Juni 1926, S. XII)
Das „Kunsthaus Karl Heumann“ verstand sich als Kunsthandlung, die regelmässig aus ihrem Angebot ausstellte und eher selten Personalausstellungen veranstaltete.
Heumann wurde 1937 Referent der Reichskunstkammer und war Sachverständiger, der Gutachten und Wertschätzungen von Umzugsgut und Kunstwerken ausreisender Juden erstellte. „Heumann taxierte ‚entartete’ Kunst niedrig, entsprechend ihrer Einschätzung in der NS-Zeit. Er wies auch darauf hin, wenn ausreisende Juden zu niedrige Wertangaben für ihre Kunstwerke gemacht hatten […]. Nachweislich nahm er auch an Kontrollen und Beschlagnahmeaktionen teil, so im Atelier des Malers Luis Neu. Laut Aussage des Landesleiters der Reichskunstkammer war Heumann als vormaligern Freimaurer gefährdet, wurde zwischen 1936 und 1938 aus der SA und der NSDAP ausgeschlossen. Werner Thiede beließ ihm trotzdem die Wahrnehmung des (einträglichen) Referats und stütze ihn ‚auch sonst’. Heumanns Rolle bei der Taxierung des Auswanderungsgutes war vielleicht von der Angst um den Verlust seines Postens geprägt. Sie war aber nachweislich nicht den Besitzern der wertvollen Kunstwerke verpflichtet, sondern dem Zeitgeist und dem Regime.“ (Maike Bruhns 2001, S. 222)
Karl Heumann trat aber nicht nur als Taxator auf, sondern veranstaltete auch Auktionen und verkaufte dabei auch Werke aus den beschlagnahmten Sammlungen, wie beispielsweise aus der Sammlung Clara Melchior (Private Schätze 2001, S. 88).
Wann der Umzug an die Adresse Jungfernstieg 24 erfolgte, kann derzeit nicht festgestellt werden. An dieser Adresse setzte der Kunsthändler sein Geschäft nach dem Zweiten Weltkrieg ungehindert fort (Deutsches Kunstadressbuch 1950, S. 126)

Nachweise:
Dressler 1923; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Dressler 1930; Adressbuch 1933

Deutsches Kunstadressbuch. Hrsg. v. Walter Kaupert.- Berlin [1950]
Hans W. Fischer: Hamburger Kulturbilderbogen. Eine Kulturgeschichte 1909-1922. Neu hrsg. v. Kai-Uwe Scholz [u. a.]- Hamburg 1998
Roland Jaeger, Cornelius Steckner: Zinnober. Kunstszene Hamburg 1919-1933.- Hamburg 1983
Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Hamburger Kunst im „Dritten Reich“.- Hamburg 2001
Private Schätze. Über das Sammeln von Kunst in Hamburg bis 1933. Hrsg. v. Ulrich Luckhardt und Uwe M. Schneede.- Hamburg 2001