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Kunstgewerbehaus Hamburg
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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HULBE
GEORG HULBE
KUNSTGEWERBEHAUS HAMBURG
KUNSTGEWERBEHAUS HULBE

Adresse: HAMBURG, Freie und Hansestadt Hamburg, Lindenstrasse 43/47 (1904-1911); Mönckebergstrasse 21 (ab 1911)
Inhaber: Georg Hulbe (1904-1914); Georg Hulbe und Wilhelm Schulze (1915-1917); Wilhelm Schulze (ab 1917)
Mitarbeiter: Susanne Hanitzsch
Bestand: Gründung 1904
Charakteristik: Kunstgewerbehaus und Kunsthandlung
„Kunstgewerbehaus Hulbe ([Hamburg-]St. Georg, Lindenstr. 43/47), ständige Ausstellung von Kunstwerken, Wohnungseinrichtungen und kunstgewerblichen Erzeugnissen des In- und Auslandes. Werktäglich geöffnet von 8-6, Sonntags im Sommer von 10-2, im Winter von 10-4. Eintritt 50 Pf., Jahreskarte 1 M.“ (Wegweiser durch Hamburg und Umgebung. Hrsg. v. Verein zur Förderung des Fremden-Verkehrs in Hamburg. Sechste verbesserte und vermehrte Auflage 1909, S. 106)

Ausstellungen:
1905: Louis Gurlitt (Nachlass); Marie Cohen, Bertha Dörflein, Fritz Peters-Weber
1906: Künstlervereinigung „Brücke“ (Gemälde und Graphik von Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff)
1908: Hamburger Graphiker
1910: Edmund Behrend; Martin Johann Feddersen; Joseph Tibor

Bemerkung:
Der aus Kiel gebürtige Georg Hulbe (1851-1917) war gelernter Buchbinder, Leder-Plastiker, Kunsthandwerker und Exlibris-Zeichner. Das in den zeitgenössischen Nachschlagewerken genannte Gründungsdatum 27. April 1876 bezieht sich auf die Errichtung einer Buchbinderei in Kiel (wo später auch eine „Kunsthandlung C[hristoph]. Hulbe“, auch „Hulbe’s Kunsthalle“ tätig war). 1880 übersiedelte Hulbe nach Hamburg, wo er eine Lederwerkstätte einrichtete, die sich in der Lindenstrasse 43/37 befand und bis zu 200 Angestellte beschäftigte (Museum für Kunst und Gewerbe 1996, S. 223; {Arthur Siebelist 2008, S. 77, 79}).
Am 1. November 1904 eröffnete Georg Hulbe in Hamburg-St. Georg, Lindenstrasse 43/47 ein Kunstgewerbehaus, dem auch eine Kunsthandlung angeschlossen war mit dem Inhalt „ständige Ausstellung von Kunstwerken, Wohnungseinrichtungen und kunstgewerblichen Erzeugnissen des In- und Auslandes“ (Wegweiser durch Hamburg und Umgebung. Hrsg. v. Verein zur Förderung des Fremden-Verkehrs in Hamburg. Sechste verbesserte und vermehrte Auflage 1909, S. 106).
Gustav Schiefler, der Chronist der Hamburger Kunstszene der Zeit, berichtet: „Schon bald nach 1900 gliederte Georg Hulbe seiner Lederindustrie einen umfangreichen Kunstbetrieb an; eine Zeitlang nahm die Abteilung für moderne Graphik unter Susi Hanitschs [tatsächlich Susanne Hanitzsch, später verheiratet mit Christoph Hulbe, einem Neffen von Georg Hulbe] feinfühliger Führung einen aussichtsreichen Aufschwung, versank aber bald nach ihrem Fortgang wieder in der Bedeutungslosigkeit.“ (Gustav Schiefler 1985, S. 128)
Die 1905 von dem Kaufmann und Kulturhistoriker Heinrich Spiero (1876-1947) gegründete „Hamburger Kunstgesellschaft e. V.“ veranstaltete vor allem Lesungen und Vorträge, die in den ersten Jahren ihres Bestehens bei Hulbe stattfanden (Gustav Schiefler 1985, S. 284-285) . Gelegentlich wurden von der Gesellschaft auch Ausstellungen organisiert, wie beispielsweise 1905 eine Nachlassausstellung von Louis Gurlitt und 1908 die Ausstellung „Hamburger Graphiker“, die mit einem Vortrag von Gustav Schiefler eröffnet wurde (Carsten Meyer-Tönnesmann 1985, S. 331).
Die zwischen 1905 und 1910 festgestellten Ausstellungen wurden von Hamburger Künstlern bestritten. 1906 wurde die erste Hamburg-Ausstellung der Künstlergruppe „Brücke“ mit Gemälden und Graphiken gezeigt. Es war dies eine von etwa 70 Stationen der verschiedenen Serien von „Brücke“-Wanderausstellungen, die zwischen 1905 und 1911 organisiert wurden (Verzeichnis der Ausstellungen 2001, S.390; die zweite Hamburger Ausstellung fand 1907 im Kunstsalon -> CLEMATIS statt).
1910/1911 erbaute der Architekt Henry Grell für Georg Hulbe in der Mönckebergstrasse 21 das in niederländischem Renaissancestil erbaute „Hulbe-Haus“, das heute unter Denkmalschutz steht. Ob dort neben Kunsthandwerk auch weiter Gemälde oder Graphiken ausgestellt wurden, ist derzeit nicht bekannt.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Jahrbuch der bildenden Kunst 1906/07, Dressler 1906, 1907, 1908, 1909, 1923; Handbuch des Kunstmarktes 1926

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Die Jugendstilsammlung. Bearbeitet von Ruth Malhotra und Alexander Pilipszuk. Band 2.- Hamburg 1996
Gustav Schiefler: Eine Hamburgische Kulturgeschichte 1890-1920. Beobachtungen eines Zeitgenossen.- Hamburg 1985
Carsten Meyer-Tönnesmann: Der Hamburgische Künstlerclub von 1897.- Hamburg 1985
Verzeichnis der Ausstellungen und Publikationen der Künstlergruppe Brücke 1905-1911. Zusammengestellt von Mathias Wagner [u. a.].- in: Die Brücke in Dresden 1905-1911. Hrsg. v. Birgit Dalbajeva und Ulrich Bischoff.- Köln 2001
{Arthur Siebelist (1870-1945) - Maler, Sportler, Kunsterzieher.- Hamburg: Haspa-Galerie Großer Burstah 2008}