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Galerie Lüders
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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LÜDERS
GALERIE LÜDERS
KUNSTRAUM LÜDERS

Adresse: HAMBURG, (Freie und Hansestadt Hamburg), Colonnaden 26-28; Neue ABC-Strasse 12a; Admiralitätsstrasse 2
Inhaber: Peter C. Lüders
Bestand: 1918-1943
Charakteristik: Kunsthandlung
„Galerie Lüders. Hamburg, Colonnaden 26-28. Juno-Haus. Ausstellung erster Meister. Zusendung von Einzelwerken sowie kollektiv vorherige Anfrage erbeten“ (Anzeige in: Katalog der Ersten Ausstellung der Hamburgischen Sezession 1919, Anzeigenseite; ähnlich auch in Kunst und Künstler. H. 5 v. Februar 1920, Anzeigenseite 3)

Ausstellungen:
1918: Arnold Fiedler
1919: „Moderne Meister“
1920: Johannes Wüsten; Franz Radziwill
1922: Christian Rohlfs
1923: Kurt Löwengard
1924: Hans Reichel; Johannes Wüsten (Fayencen)
1925: Ausstellung von Einzelwerken (dabei u. a. Richard Haizmann, Paul Klee, Kurt Löwengard, Franz Radziwill, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff, Heinrich Stegemann); Richard Haizmann (Plastik, Aquarelle, Graphik); Franz Radziwill (Aquarelle)
1930: Arnold Fiedler
1932: Arnold Fiedler; Willi Nass; Fritz Flinte
1934: Aquarell-Ausstellung (dabei u. a. Willem Grimm); Maria Wenz (Aquarelle); Fritz Flinte; Kurt Löwengard; Gustav Heinrich Wolff (Nachlass); Karl Kluth; Emil Maetzel; Herbert Spangenberg
1935: Richard Haizmann, Hans Hartung; Richard Steffen, Rudolf Grothkop; Aquarell-Ausstellung (dabei u. a. Karl Kluth); Herbert Spangenberg; Dorothea Maetzel-Johannsen, William Wauer; Peter Dülberg; Arnold Fiedler; Emil Kritzky; Peter Lüders; Xaver Fuhr; Karl Hofer
1936: Fritz Kronenberg; Gemälde und Plastik (dabei u. a. Emil Kritzky, Hans Gessner, Hans Kahlbrandt, Jürgen Manshardt, Hans Martin Ruwoldt, Richard Steffen); Peter Dülberg; Felix Walner; Arnold Fiedler; Rudolf Grothkop
1937: Felix Walner; Arnold Fiedler; Peter Lüders; Franz Radziwill; Karl Schmidt-Rottluff; Gustav Heinrich Wolff; Ewald Gramatté
1938: Peter Dülberg; Felix Walner
1939: Ernst Witt; Kurt Jückstock; Gaby Weingaertner-Spars
1940: Karl Leipold; Rudolf Höckner; Rudolf Grothkop; Fritz Flinte, Emil Kritzky, Ernst Witt; Ausstellung von Einzelwerken (dabei u. a. Emil Kritzky, Christian Rohlfs)
1942: Claus Becker; Emma Gertrud Eckermann
1943: Ernst Flege

Bemerkung:
Peter C. Lüders (1872-1945) war ursprünglich Kaufmann in Bahrenfeld bei Hamburg, ehe er unter dem Namen „Galerie Lüders“ 1918 eine Kunsthandlung an der zentral gelegenen Adresse Colonnaden 26-28, nächst dem Jungfernstieg, eröffnete. Eine Anzeige im Katalog der ersten Ausstellung der Hamburgischen Sezession 1919 wandte sich in ihrem Text weniger an das Publikum, als an die ausstellenden Künstler: Die Formulierung „Zusendung von Einzelwerken sowie kollektiv vorherige Anfrage erbeten“ war eine Aufforderung an die Künstler, sich mit der Galerie zwecks Ausstellung in Verbindung zu setzen.
Lüders engagierte sich für den Expressionismus, die Künstler der 1919 gegründeten „Hamburgischen Sezession“ und weitere Hamburger Künstler. Mit dem Umzug um 1921 in die Neue ABC-Strasse 12a erfolgte die Umbenennung in „Kunstraum Lüders“. Dass es sich dabei um den von Heinrich Ehl genannten „kleinen Laden in der verschollenen Straße, hinter dem großen Gebäude“ handelt, darf angenommen werden. (Heinrich Ehl: Brief an einen Maler in Hamburg.- in: Der Kreis. H. 10 v. Oktober 1932, S. 592-595; Zit. S. 592)
Der Name „Kunstraum Lüders“ wurde auch beibehalten, als die Galerie um 1930 in eine Wohnung in der Admiralitätsstrasse 2 übersiedelte, wo die „Besucher über eine enge Treppe hochstiegen. In den kleinen Räumen der einstigen Senatorenwohnung hingen die Bilder an niedrigen weißen Wänden, eine Sitzecke diente der Geschäftsanbahnung.“ (Maike Bruhns Band 1, S. 227). Maike Bruhns beschreibt den Kunsthändler: „Der Galerist, der als Zigarrenraucher und begeisterter Sänger einen eher biederen Eindruck erweckte, konnte sich zuweilen als schwierig erweisen, wenn er beispielsweise Besucher düpierte, die ihm nicht paßten. In spontaner Rauhbeinigkeit konnte er auch Künstler plötzlich fallen lassen oder durch Dickköpfigkeit vergrätzen.“ (Maike Bruhns Band 1, S. 227)
Lüders gehörte zu den Kunsthändlern, die sich auch künstlerisch betätigten. Er selbst charakterisierte sich als „Dilettant“ (Heinrich Ehl: Brief an einen Maler in Hamburg.- in: Der Kreis. H. 10 v. Oktober 1932, S. 592-595; Zit. S. 592), der vor allem Landschaften aus Hamburg und Umgebung, Blumenbilder und Stilleben schuf. Er beteiligte sich regelmässig an Ausstellungen des Hamburger Kunstvereins (festgestellt zwischen 1933 und 1942) und stellte auch 1935 und 1937 in der eigenen Galerie aus. Neben Lüders waren noch zwei weitere Hamburger Kunsthändler künstlerisch tätig: Es waren dies Wilhelm Tebje (-> TEBJE) und Richard Haizmann (-> HAIZMANN). Dieser hatte seine erste Ausstellung von Plastik, Aquarellen und Graphik 1925 in der Galerie Lüders.
In die Kunstgeschichte eingeschrieben hat sich Lüders mit der ersten Galerieausstellung von Franz Radziwill im Herbst 1920. Rosa Schapire berichtete: „In allen Bildern dieses jungen Bremers, auch in den Landschaften […] sind eine ausgesprochen slavische Note und ein Streben über die Wirklichkeit hinaus zur Vision vorzudringen, das aufhorchen läßt.“ (Der Cicerone. H. 18 v. 16. 9. 1920, S. 691). Schapire war es auch, die, im Anschluss an die Ausstellung bei Lüders, den ersten Aufsatz über den Künstler publizierte (Rosa Schapire: Franz Radziwill.- in: Das Kunstblatt. H. 1 v. Januar 1921, S. 17-19). Auch Victor Dirksen schrieb eine äusserst anerkennende Rezension: „Die Galerie Lüders brachte mit einer Ausstellung von Arbeiten des jungen Franz Radziwill einen Beitrag zur Kenntnis neuester Malerei. Endlich einmal ein Talent, an dem man seine Freude haben kann. Die kleine Auswahl der Bilder erweckt große Erwartungen auf die weitere Entwicklung des jungen Mannes. […] Der tiefe seelische Gehalt seiner Ideen, eine naive Heiterkeit und Erzählerfreude stehen zu den Abwegen absoluter Malerei in wohltuendem Gegensatz. […] Die Feinheit seiner Farbenkompositionen, die glühende Leuchtkraft seiner Palette, die besonders bei zwei Stilleben auffiel, verleihen seinen Bildern einen beglückenden Reiz.“ (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 7 v. 12. November 1920, S. 135, gez: D.) Neben Ausstellungsbeteiligungen folgten 1925 (Aquarelle) und 1937 weitere Ausstellungen des Künstlers. Die Ausstellung bei Lüders brachte für den jungen Künstler aber noch ein weiteres, wie sich später erweisen sollte, prägendes Erlebnis: Er lernte hier den Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer kennen, der für seine weitere Biographie eine ganz wesentliche Rolle spielen sollte (Gerhard Wietek 1990).
Weitere Künstler, für die sich Peter Lüders durch Veranstaltungen von Ausstellungen und regelmässige Angebote in seinem Galerieangebot einsetzte waren beispielsweise Arnold Fiedler (1918, 1930, 1932, 1935, 1936), Fritz Flinte (1932, 1934, 1940), Richard Haizmann (1925, 1935), Peter Dülberg (1935, 1936, 1938), Emil Kritzky (1935, 1936, 1940) und der jüdische Maler Kurt Löwengard mit Einzelausstellungen 1923 und 1934 und mehreren Ausstellungsbeteiligungen. Den 1918 bis 1922 in Hamburg wirkenden Johannes Wüsten stellte er 1920 aus und erwarb auch eine Reihe von Bildern, von denen sich einige als Leihgabe der Erben heute im Johannes-Wüsten-Archiv in Görlitz befinden (Ein starkes Talent 2002, S. 14)
In den Zwanzigerjahren sind derzeit nur einige wenige monographische Ausstellungen belegt, als Beispiel für eine Sammelausstellung sei eine Ausstellung im Frühjahr 1925 erwähnt. Heinrich Ehl schrieb darüber: „Mehr Gegenwart und Zukunft rührt sich im Kunstraum Lüders, wo neben anerkannten Größen wie Chr. Rohlfs, Paul Klee, Schmidt-Rottluff die jungen Hamburger Radziwill, Löwengard, Stegemann und der strebsame, schnell wachsende Haizmann Einzelwerke zeigen. Nicht in allem ohne Rest gelungen, aber nichts, das man nicht mit interessierter Teilnahme auf seinem Wege verfolgt, den keiner leicht nimmt.“ (Die Kunst. H. 9 v. Juni 1925, Anzeigenseite XII)
Über das Angebot von Lüders gibt beispielsweise die Korrespondenz von 1924 mit Hanns Krenz (Kestner-Gesellschaft Hannover) Auskunft. Von den folgenden Künstlern, die teilweise auch Einzelausstellungen bei Lüders hatten, wurden Werke angeboten: Heinrich Campendonk, Marc Chagall, Bela Czobel, Dietz Edzard, Walter Gramatté, Erich Heckel, Alexej Jawlensky, Anton Kerschbaumer, Franz Marc, Otto Mueller, Emil Nolde, Franz Radziwill, Hans Reichel und Christian Rohlfs (Hannover: Niedersächsisches Landesarchiv, Haupstaatsarchiv, Dep. 100, Nr. 27)
Die zwischen 1934 und 1943 genannten Ausstellungen sind nicht immer Einzelausstellungen im herkömmlichen Sinne, sondern gelegentlich wohl Kollektionen, die in das ständige Angebot der Galerie integriert wurden. (Die Quellen dafür sind neben Einzelnachweisen in der Literatur eine Liste der Enkelin Ursula Freese, Maike Bruhns Band 2, 2001 und Der neue Rump 2005)
Während das Ausstellungsprogramm in der NS-Zeit mit wenigen Ausnahmen unbeanstandet den Richtlinien der neuen Machthaber entsprach, gab es im Galerieangebot auch immer wieder Werke von Künstlern, die als „entartet“ galten. Maike Bruhns schreibt darüber: „Lüders handelte auch in der NS-Zeit mit Arbeiten namhafter Expressionisten. Nolde konnte er verschiedentlich durch Verkäufe aus der Klemme helfen, Barlach verehrte er grenzenlos, besuchte ihn mehrfach in Güstrow, lagerte später Arbeiten aus dem Nachlaß, die ihm [Bernhard] Boehmer nach Hamburg brachte, und bot sie Bekannten und Freunden immer wieder an. […] Unter der Hand verkaufte der Galerist auch Kunstwerke aus der Auktion ‚Entartete Kunst’ 1939 in Luzern, zeigte besonderen Kunden den [Auktions-]Katalog, bot Arbeiten von Paula Modersohn-Becker, Barlach, Otto Müller an, teils auch [beschlagnahmte] Bilder, die aus dem Folkwang-Museum stammten oder aus der Hamburger Kunsthalle.“ (Maike Bruhns Band 1, 2001, S. 228)
Zahlreiche Hamburger Sammler, wie beispielsweise Rudolf Blohm, Hermann F. Reemtsma, Benno Gaude oder Rudolf Grothkop waren Kunden bei Lüders. Der Sammler und malende Zahnarzt Grothkop, der im schleswig-holsteinischen Pinneberg lebte, hatte eine besondere Beziehung zu dem Kunsthändler, organisierte beispielsweise 1934 die Nachlass-Ausstellung des Bildhauers Gustav Heinrich Wolff und stellte 1935, 1936 und 1940 bei Lüders aus.
Gelegentlich war auch die Galerie Lüders von den Repressalien während der NS-Zeit betroffen:
Bei der 1940 veranstalteten Ausstellung von Rudolf Grothkop wurden noch vor der Eröffnung vier Arbeiten entfernt (Bruhns Band 2, 2001, S. 13). Ähnlich erging es der 1942 veranstalteten Ausstellung von Emma Gertrud Eckermann. Ihre Ausstellung wurde aufgrund expressiver Tendenzen in den Bildern von der Reichskammer der Bildenden Künste vorzeitig geschlossen (Der neue Rump 2005, S. 100). Eine 1943 in der „Flughafen-Kunsthandlung Wilhelm Tebje“ (-> TEBJE) gezeigte Ausstellung der Künstlerin konnte unbeanstandet stattfinden.
1943 gingen Wohnung und Galerie in der Admiralitätsstrasse 2 während der Abwesenheit des Ehepaares Lüders in den Bombenangriffen auf Hamburg in Flammen auf. Lüders starb am 11. März 1945 und der Plan seiner Ehefrau Emmy, die Galerie nach Kriegsende wieder zu eröffnen, konnte nicht verwirklicht werden.

Nachweise:
Archiv:
Hannover: Niedersächsisches Landesarchiv, Haupstaatsarchiv (Kestner-Gesellschaft)
Literatur:
Gerhard Wietek: Franz Radziwill - Wilhelm Niemeyer. Dokumente einer Freundschaft.- Oldenburg 1990
Maike Bruhns: Kunst in der Krise. (Band 1). Hamburger Kunst im „Dritten Reich“.- Hamburg 2001
Maike Bruhns: Kunst in der Krise. (Band 2). Künstlerlexikon Hamburg 1933-1945. Verfemt - verfolgt - verschollen - vergessen.- Hamburg 2001
Ein starkes Talent. Johannes Wüsten als Expressionist und Sezessionist in Hamburg 1919-1922.- Görlitz 2002
Der neue Rump. Lexikon der Bildenden Künstler Hamburgs, Altonas und der näheren Umgebung. Überarbeitete Neuauflage des Lexikons von Ernst Rump (1912). Hrsg. v. Kay Rump. Bearbeitet von Maike Bruhns.- Neumünster 2005