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Graphisches Kabinett Haizmann
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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GRAPHISCHES KABINETT GEORG MAULHARDT-> HAIZMANN
HAIZMANN
GRAPHISCHES KABINETT
GRAPHISCHES KABINETT GEORG MAULHARDT
GRAPHISCHES KABINETT HAIZMANN

Adresse: HAMBURG, Freie und Hansestadt Hamburg, Caffamacherreihe 109
Inhaber: Georg Maulhardt, Richard Haizmann
Bestand: (1922-1924)
Charakteristik: Kunsthandlung
„Gemälde, Graphik, Graphik von Abbo, Campendonk, Dix, Gleichmann, Heckel, Kandinsky, Kerschbaumer, Kirchner, Klee, Munch, Müller, Nolde, Rodin, Schmidt-Rottluff, Zadkine, Zobel“ (Anzeige in: Katalog Jussuf Abbo, Graphisches Kabinett Georg Maulhardt 1923)

Ausstellungen:
1923: Jussuf Abbo (Graphisches Kabinett Maulhardt); Gustav Heinrich Wolff (Graphisches Kabinett Haizmann)
1924: Emil Nolde; Fritz Schafler (Graphisches Kabinett); Otto Dix (Graphisches Kabinett)

Bemerkung:
Die vorliegende Literatur ist äusserst widersprüchlich, was die Bezeichnungen und die Dauer des Bestandes der Kunsthandlung betrifft. Die Homepage des Haizmann-Museums in Niebüll schreibt, Haizmann „führte in den Jahren 1924/25 in Hamburg eine eigene Galerie“, das zuletzt erschienene Hamburger Künstlerlexikon schreibt „1923 Umzug nach Hamburg, Übernahme des graphischen Kab. Georg Maulhardt“ (Der Neue Rump 2005, S. 165).
Der spätere Maler, Bildhauer und Keramiker Richard Haizmann (1895-1963) nimmt am Ersten Weltkrieg teil und gerät in Kriegsgefangenschaft, in der er den Hannoveraner Sammler Herbert von Garvens-Garvenburg kennen lernt. Als dieser 1920 eine Galerie in seinem Haus eröffnet (-> GARVENS) erlernt Haizmann bei ihm den Beruf des Kunsthändlers und knüpft erste Kontakte zu Künstlern, die bei Garvens ausstellten, was ihm bei seiner späteren Hamburger Galerie wohl nützlich war.
Anschliessend arbeitet Haizmann kurze Zeit in der Kunsthandlung Maria -> KUNDE, „um weitere Erfahrungen im Kunsthandel zu sammeln.“ (Richard Haizmann 1967, S. 243).
Über die Gründung seiner Kunsthandlung schrieb Haizmann 1961: „1923, nach zweijähriger Tätigkeit, hatte ich mir soviel Kenntnisse erworben, daß ich in Hamburg selbst ein graphisches Kabinett eröffnen konnte. Ich machte Ausstellungen moderner Künstler, und durch die Besprechungen in den Tageszeitungen angezogen, bildete sich bald ein Interessentenkreis in der weltaufgeschlossenen Hansestadt. Unter den Besuchern erschien eines Tages der Direktor des ‚Museums für Kunst und Gewerbe’, Professor Max Sauerlandt. Er war sehr interessiert an meiner Arbeit und bat mich, doch eine Ausstellung des Berliner Bildhauers G. H. Wolff zu machen. Max Sauerlandt […] machte gleich großen Eindruck auf mich. Wie hätte ich ahnen sollen, daß er später der Förder meiner eigenen künstlerischen Arbeit werden würde. In dieser Zeit machte ich öfter Reisen, vor allem nach Berlin, und suchte die Künstler auf, deren Werke ich in meinen Ausstellungen zeigen wollte.“ {[(Richard Haizmann 1961, S. 16)}
Dass Haizmann {entgegen seiner eigenen Aussage} bereits vor 1923 in Hamburg als Kunsthändler (oder Mitarbeiter eines Kunsthändlers) tätig war, belegt ein Brief von Kurt Schwitters vom 20. 12. 1922 an Haizmann in Hamburg. Schwitters übersendet Zeichnungen von sich und anderen Künstlern, nennt Preise und ermuntert Haizmann, auch junge Künstler wie Lissitzky, Hausmann, Moholy-Nagy auszustellen. (Schwitters-Archiv 1986, Nr. 321). Ein weiteres Schreiben ist vom 23. 6. 1923 bekannt, in dem Schwitters um Rücksendung seiner Arbeiten bittet. (Schwitters-Archiv 1986, Nr. 327).
Von 15. Juli bis 15. August 1923 stellt Jussuf Abbo „Plastik - Aquarelle - Farbige Zeichnungen - Zeichnungen“ aus. Das gedruckte Ausstellungsverzeichnis enthält ein Gedicht von Else Lasker-Schüler und ist der einzige nachweisbare, in der Kunstbibliothek in Berlin befindliche Katalog. Er trägt die Bezeichnung „Graphisches Kabinett Georg Maulhardt Hamburg“.
In einer Eigenanzeige im Katalog werden die in der Galerie vertretenen Künstler genannt (Abbo, Campendonk, Dix, Gleichmann, Heckel, Kandinsky, Kerschbaumer, Kirchner, Klee, Munch, Müller, Nolde, Rodin, Schmidt-Rottluff, Zadkine, Zobel) und geplante Ausstellungen angekündigt: Paul Klee, Gleichmann, Heckel, Kandinsky, Dix, Wolff.
Aus derselben Zeit ist die Bekanntschaft mit Erich Heckel nachzuweisen. Der Künstler schreibt am 31. 7. 1923 an Thekla Hess: „Ich schreib’ auf alle Fälle den Kunsthändler hier noch mal auf: Haizmann Caffamacherreihe 109 (dicht beim Bot. Garten, Dammtorbahnhof.)“ (Expressionistische Grüsse 1991, Nr. 85).
Von den geplanten Ausstellungen gibt es derzeit keine Nachweise, lediglich die Ausstellung des Berliner Plastikers Gustav Heinrich Wolff, die im Spätherbst desselben Jahres stattfand, ist belegbar, und aus dem Bericht von Heinrich Kohlhaussen (Der Cicerone. H. 22 v. 6. 12. 1923) erfahren wir näheres: „Das Graphische Kabinett von Haizmann in der Caffamacherreihe, ein halbjahraltes Unternehmen ohne Sessel und ‚stilechte Einrichtung’ bringt die einzige wirkliche Ausstellung. Was dessen Gründung betrifft, so hat da einer den Mut gehabt, in einer Nebenstraße im alten Hamburg ein paar niedrige winkelige Lagerräume auszumisten, die Wände zu verputzen, mit schöner gelber Farbe anzustreichen und dann einen Kunstladen aufzumachen, d. h. in diesem Falle, ohne jede kaufmännische Rücksicht ausnahmslos gute junge Kunst auszustellen und zwar jeweils einem Künstler sämtliche Räume zur Verfügung zu stellen. Jetzt ist Gustav Heinrich Wolff dran, der noch kaum bekannte Berliner Plastiker, der selbst diesen kleinen abgelegenen Laden mit der Drehorgel im Hinterhof […] jedem Kunstsalon vorgezogen hat.“
Im September 1924 heiratete Haizmann, und „das junge Ehepaar gab bald darauf das ‚Graphische Kabinett’ in der Caffamacherreihe auf“ (Richard Haizmann 1967, S. 235).
Richard Haizmann begann wenig später, sich vermehrt künstlerisch zu betätigen, und seine erste Ausstellung von Plastik, Aquarellen und Graphik fand 1925 in der Hamburger Galerie Kunstraum -> LÜDERS statt.

Nachweise:
Richard Haizmann: Wandlung und Verwandlung. (Zur Feier seines fünfundsiebzigjährigen Bestehens herausgegeben vom Kunstgewerbe-Verein Hamburg für seine Mitglieder).- Hamburg 1961
Richard Haizmann. Wandlung des Lebens. Briefe 1914-1963. (Hrsg. v. Hella Haizmann und Maria Bamberger.)- Hamburg [1967]
Schwitters-Archiv der Stadtbibliothek Hannover. Bestandsverzeichnis 1986
Expressionistische Grüsse. Künstlerpostkarten der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“. Hrsg. v. Magdalena M. Moeller.- Stuttgart 1991
Der Neue Rump. Lexikon der Bildenden Künstler Hamburgs, Altonas und der näheren Umgebung. Überarbeitete Neuauflage des Lexikons von Ernst Rump (1912). Hrsg. v. Kay Rump. Bearbeitet von Maike Bruhns.- Neumünster 2005