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Schmorl & von Seefeld Nachf.
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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SCHMORL UND VON SEEFELD
SCHMORL & VON SEEFELD NACHF.

Adresse: HANNOVER, Preussen/Provinz Hannover (Niedersachsen), Bahnhofstrasse 14
Inhaber: Georg Knothe (seit 1890), Oskar Schmorl (seit 1904)
Bestand: 1852-heute
Charakteristik: Buchhandlung
„Sortiment und Verlag. Spezialitäten: Schöne Literatur, Luxus-Ausgaben, Moderne Kunst, Medizin, Rechts- und Staatswissenschaften“ (Adressbuch des Deutschen Buchhandels)

Ausstellungen:
1919: Kurt Schwitters

Bemerkung:
Die 1852 gegründete und heute noch am Standort Bahnhofstrasse 14 befindliche Buchhandlung Schmorl & von Seefeld trat nach derzeitigem Wissensstand nur ein Mal als Veranstalter eine Ausstellung hervor: Im Januar 1919 stellte Kurt Schwitters Gemälde und Zeichnungen aus. „Kurt Schwitters, der hannoversche Maler, dessen Arbeit im Sinne der jüngsten Anschauung auf die abstrakte Kunstform geht, ist den Hannoveranern von den hiesigen Ausstellungen [in der Kestner-Gesellschaft] her bekannt. Schwitters gehört seit einiger Zeit unter anderem zum Kreise des ‚Sturm’, der verschiedene größere Kollektionen von ihm in Berlin ausstellte. Gegenwärtig zeigt Schwitters […] eine Anzahl Arbeiten: Gemälde und Zeichnungen.“ (Hannoverscher Kurier. 23. 1. 1919)
Im Dezember 1919 berichtete der in der Rezension erwähnte „Sturm“, die Buchhandlung plane regelmässige Ausstellungen moderner Kunst (Brief Rudolf Blümner an die Kestner-Gesellschaft, 19. 12. 1919, Archiv der Kestner-Gesellschaft; Ines Katenhusen 1969, S. 669), woraus wohl nichts geworden ist. In der Folge übernahm die 1920 gegründete  GALERIE GARVENS sowohl die Verbindung mit der Hannoveraner Avantgarde als auch die mit Herwarth Walden und der Kunsthandlung  DER STURM.
Verbindendes Glied war wohl Kurt Schwitters, der regelmässig im Berliner „Sturm“ vertreten war und der auch bei zwei 1919 gegründeten Hannoverischen Verlagen eine Rolle spielte. Beide Verlage gingen indirekt aus der Buchhandlung hervor: Robert Goldschmidt, der bei Schmorl & von Seefeld seine Buchhändlerlehre absolviert hatte, gründetet im April 1919 den „Zweemann Verlag Robert Goldschmidt“ und wurde ein wichtiger Verleger des Spätexpressionismus. Neben Else Lasker-Schüler, Berta Lask, Curt Moreck und Christof Spengemann verlegte er auch die Zeitschrift „Der Zweemann. Monatsblätter für Dichtung und Kunst“, bei der beispielsweise Kurt Schwitters ebenso eine Rolle spielte wie bei der zweiten Verlagsgründung in Hannover des Jahres 1919, dem „Paul Steegemann Verlag“. Auch Paul Steegemann war bis 1919 als Buchhandelsgehilfe bei Schmorl & von Seefeld beschäftigt, gründete seinen Verlag im Frühjahr 1919 und schrieb sich mit der Reihe „Die Silbergäule“ in die deutsche Literatur-, Kunst- und Verlagsgeschichte ein.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige

Die Zwanziger Jahre in Hannover. Bildende Kunst. Literatur, Theater, Tanz, Architektur 1916-1933.- Hannover 1962
Jochen Meyer: Der Paul Steegemann Verlag 1919-1935 und 1949-1960. Geschichte, Programm, Bibliographie.- Stuttgart 1975
Ines Katenhusen: Kunst und Politik. Hannovers Auseinandersetzungen mit der Moderne in der Weimarer Republik.- Hannover 1998